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Die Masche mit dem Schuh-Abo

Die neue Button-Lösung soll vor Abofallen schützen. Ein Onlineshop für Schuhe hat seinen ganz eigenen Knopf entwickelt: Wer vergisst, den zu klicken, muss zahlen - trotz "kostenloser Mitgliedschaft".

Von Daniel Bakir

  JustFabs Abomodell ist zumindest umstritten

JustFabs Abomodell ist zumindest umstritten

Frau stelle sich einmal vor, sie wäre Stammkundin bei einem Damen-Schuhgeschäft. Der Laden hat eine tolle Auswahl an Pumps, Stiefeln, High Heels und weiteren faszinierenden Folterinstrumenten für die Füße. Mit ihrer Kundinnenkarte bekäme sie jeden dieser Schuhe zum vergünstigten Preis von 39,95 Euro. Ein Traum. Was man der Kundin allerdings nicht gesagt hat: Sollte sie in einem Monat mal nichts kaufen, so werden ihr trotzdem 39,95 Euro vom Konto abgebucht und als Gutschein für den nächsten Einkauf bereitgelegt. Diesen Mechanismus kann die Stammkundin nur unterbrechen, wenn sie zwischen dem 1. und dem 5. jeden Monats extra in den Laden käme und ausdrücklich erklärte, dass sie in diesem Monat nichts zu kaufen gedenke.

Ein ganz schön schräges Geschäftsmodell. Aber es existiert, zumindest im Internet. Der Onlineshop JustFab aus Berlin geht damit seit Mai auf Kundenfang. Wer in die glitzerbunte High-Heel- und Handtaschenwelt von JustFab eintauchen will, wird zunächst anhand von Bildchen zu seinem bevorzugten "Style" befragt. Daraus folgen die persönlichen Produkt-Vorschläge. Wer nun ein Paar Schuhe kaufen will, hat die Möglichkeit dies entweder mittels einer "Gast-Mitgliedschaft" zu tun - dann kosten die Schuhe 49,95 Euro bis 79,95 Euro. Oder man wählt die "VIP-Mitgliedschaft", dann kosten sie nur 39,95 Euro. Die VIP-Variante sei eine "kostenlose Mitgliedschaft", heißt es ausdrücklich. Etwas weiter unten steht lediglich der Hinweis: "Deine einzige Verpflichtung ist Deine Boutique einmal bis zum 5. des Monats zu besuchen!" Die entscheidende Zusatzinformation steht allerdings nur im Kleingedruckten der AGB: Wer den Besuch versäumt oder bei seinem Besuch nicht auf den Button "Pausieren" klickt, wird nämlich zum Kaufen verpflichtet.

Eine ganz spezielle Button-Lösung

Bernd Ruschinzik von der Rechtsberatung der Verbraucherzentrale Berlin hält das für irreführend. "Wenn das Unternehmen auf diesem Weg den Kunden ein verstecktes Abo andrehen will, ist das nicht in Ordnung", sagt der Verbraucherschützer. Die Klausel sei möglicherweise unwirksam, ohne eine eingehendere Prüfung kann er das aber nicht sagen.

Erst Anfang August war auf Betreiben von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) die sogenannte Button-Lösung eingeführt worden. Kostenpflichtige Internetangebote müssen seitdem mit einem Button als solche kenntlich gemacht werden. Dies soll Abofallen im Internet eindämmen.

Der Geschäftsführer von JustFab, Gerrit Müller, weist den Vorwurf, eine Abofalle zu betreiben, allerdings weit von sich. Die VIP-Mitgliedschaft sei lediglich ein Modell, um die Aktivität der Kunden hoch zu halten, sagte er stern.de. Die Mitgliedschaft könne jederzeit zum Monatsende gekündigt werden. Zudem werde der Kunde nachträglich auf die Implikationen des VIP-Status hingewiesen. In der Bestellbestätigung und in einer monatlichen Mail werde auf die drohenden Kosten hingewiesen, sollte der "Pausieren"-Button nicht gedrückt werden. Das scheint aber zumindest nicht bei allen Kunden anzukommen. "Ich habe etwas bei euch bestellt, aber dachte, dass ich nur mit Zustimmung ein VIP-Mitglied werde und das mit den 39,95 Euro auch erst dann eintritt ... jetzt wurde das Geld von meinem Konto abgehoben, obwohl ich dachte, dass ich mich einfach nur registriert habe", schreibt eine Kundin auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

Seit dem Deutschland-Start im Mai haben sich laut Müller rund 100.000 Kunden bei JustFab registriert, die Mehrheit davon seien VIP-Kunden. Sollten die Kunden das Spielchen der kostenlosen Mitgliedschaft mit Nebenwirkungen mitspielen, ist das Potenzial vermutlich längst nicht ausgeschöpft. JustFab Deutschland hat knapp 9000 Facebook-Fans, der amerikanische Mutterkonzern, der das gleiche Modell betreibt, mehr als eine Million.

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