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Welche Daten US-Geheimdienste mitlesen

US-Geheimdienste sollen weltweit Nutzer von Internetkonzernen wie Facebook, Google und Microsoft ausspionieren. Streng geheime Dokumente zeigen das volle Ausmaß und welche Daten ausgewertet werden.

Von Christoph Fröhlich

  Der Sitz der NSA in Fort Meade, Maryland.

Der Sitz der NSA in Fort Meade, Maryland.

Ein neuer Datenskandal erschüttert die Welt: Der US-Geheimdienst NSA und die Bundespolizei FBI überwachen laut Zeitungsberichten die Server von neun großen Internet-Firmen, darunter Microsoft, Google, Facebook und Apple. Die Behörden hätten mit dem sogenannten Prism-Programm Zugriff auf Millionen private E-Mails, Fotos, Videos, Audio-Dateien und Dokumente von Nutzern aus aller Welt. Aufgedeckt wurde die Schnüffelei von der US-Zeitung "Washington Post", der nach eigenen Angaben Dokumente und eine Powerpoint-Präsentation mit 41 Seiten zu dem bislang streng geheimen Programm von einem anonymen Geheimdienstmitarbeiter zugespielt worden seien. Er sei über die aus seiner Sicht grobe Verletzung der Privatsphäre der Nutzer empört gewesen, schreibt das Blatt. stern.de zeigt anhand von Ausschnitten aus der Präsentation, wer betroffen ist und welche Daten die Geheimdienste analysieren.

Was verbirgt sich hinter Prism?

Prism ist der Codename für ein Geheimprojekt des US-Geheimdienstes NSA, mit dem im großen Stil Informationen von großen Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft oder Yahoo abgezapft wurden. Das Bild zeigt die erste Folie der Powerpoint-Präsentation, die der "Washington Post" zugespielt wurde. Dass das Dokument höchster Geheimhaltung unterliegt, zeigt sich am oberen, linken Bildrand. Dort steht in roten Buchstaben " TOP SECRET//SI//ORCON//NOFORN". SI ist die Abkürzung für "Special Intelligence", ORCON bedeutet, dass nur der Schöpfer des Dokuments dessen Verbreitung kontrollieren darf ("Originator controls release of the document"). NOFORN steht für "no foreign nationals", was so viel heißt wie: Nur Geheimnisträger dürfen das Dokument lesen, Ausländer sind ausgeschlossen.

Was wurde ausgewertet?

Die zweite Folie zeigt die bisherigen Partner des Prism-Programms. Die Liste der Teilnehmer liest sich wie ein "Who is Who" der Internetbranche: Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, Youtube und Apple. Hierzulande am unbekanntesten ist der Chatservice Paltalk, mit dem Text-, Sprach- und Videonachrichten verschickt werden können. Die Geheimdienste können Dutzende privater Daten auswerten: E-Mails, Chatprotokolle, Videos, Bilder, Datenübertragungen. Im Prism-Programm werden laut "Washington Post" alle Menschen überwacht, sowohl US-Bürger als auch außerhalb der USA lebende Nutzer. Auch deutsche User dürften betroffen sein.

Laut "Washington Post" werden bei Google unter anderem die Dienste Gmail, der Sprach- und Videochat, Dateien auf der Cloud-Plattform Google Drive und Fotobibliotheken ausgewertet. Selbst Suchanfragen aus der Google-Suche werden mitgeschnitten. Beim Voice-over-IP-Dienst Skype werden sogar Telefongespräche zwischen Skype-Usern und Nutzer eines herkömmlichen Festnetztelefons registriert. Dropbox, der wohl bekannteste Anbieter von Online-Speicher, sollte demnächst ebenfalls am Prism-Programm teilnehmen.

Was sagen die beteiligten Firmen dazu?

Das gesamte Prism-Programm kostet dieser Übersicht zufolge rund 20 Millionen US-Dollar (rund 15 Millionen Euro) jährlich. Microsoft war der erste Partner und trat dieser Folie zufolge am 11. September 2007 dem Programm bei. Das bislang letzte Prism-Mitglied ist Apple, das im Oktober 2012 (fünf Jahre nach Microsoft) beitrat. Die Firmen bestreiten eine direkte Kooperation. So betont ein Microsoft-Sprecher gegenüber dem "Wall Street Journal": "Wir geben Daten nur nach Gerichtsbeschlüssen zu spezifischen Konten heraus. Gäbe es ein größeres, freiwilliges US-Überwachungsprogramm, würden wir nicht teilnehmen." Auch Apple dementiert: "Wir ermöglichen keiner Regierungsstelle einen direkten Zugriff auf unsere Server."

Dutzende Petabyte an Daten

Diese Folie zeigt ein Diagramm des weltweiten Datenverkehrs. Der Großteil davon wird über die USA abgewickelt. Das Tech-Portal "Gigaom" vermutet, dass die NSA die gewonnen Informationen in einer speziellen Datenbank speichert, die 2008 für die Verarbeitung riesiger Datenmengen konzipiert wurde. Angeblich sollen sich in den NSA-Datenbanken mehrere Petabytes an Daten befinden, ein Petabyte sind eine Million Gigabyte oder 1000 Terabyte.

Kann man sich gegen die Überwachung schützen?

98 Prozent des Prism-Datenaufkommens stammen von Yahoo, Google und Microsoft, schreibt die "Washington Post". Wer Bedenken hat, sollte die Dienste dieser Unternehmen - darunter Hotmail (Microsoft), der Bilderdienst Flickr (Yahoo) oder Googles Cloud-Speicher Drive - meiden. Alternativ können E-Mails und Dateien mit einer End-to-End-Verschlüsselung verschleiert werden.

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