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Wikipedia sieht schwarz

Kampf gegen die Zensur: Aus Protest gegen zwei geplante US-Internetgesetze schalten sich mehrere Webseiten am Mittwoch für 24 Stunden ab. Darunter auch Wikipedia.

Von Christoph Fröhlich

  Abgeschaltet für einen Tag: die englische Wikipedia am 18. Januar 2012

Abgeschaltet für einen Tag: die englische Wikipedia am 18. Januar 2012

Achtung Schüler und Studenten! Erledigt eure Hausaufgaben früh. Wikipedia protestiert am Mittwoch gegen ein schlechtes Gesetz", warnt Gründer Jimmy Wales via Twitter scherzhaft. Er wird die englischsprachige Wikipedia am 18. Januar einen Tag lang abschalten, um gegen die in den USA heiß diskutierten Gesetzesentwürfe "Stop Online Piracy Act" (Sopa) und "Protect IP Act" (Pipa) zu protestieren.

Damit sollen Internetprovider die Erlaubnis erhalten, Websites mit illegal angebotenen, urheberrechtlich geschützten Inhalten zu blockieren. Auch Suchmaschinen dürften keine Links mehr auf die entsprechenden Seiten liefern. Vor allem die Unterhaltungsindustrie setzt große Hoffnungen auf die Netzsperren im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen.

Die Freiheit des Internets steht auf dem Spiel

Seit Wochen demonstrieren Internet-Aktivisten gegen die geplanten Gesetzesänderungen. Sie sprechen von Zensur und sehen die Freiheit des Webs gefährdet. Auch prominente Portale wie Facebook, Google und Amazon kritisieren die Pläne - ohne sich an der Aktion zu beteiligen. Als eine der ersten Internetseiten verkündete die soziale News-Website Reddit, am 18. Januar den "Blackout" zu wagen und den Dienst einen Tag lang abzuschalten.

Jetzt folgt auch die englischsprachige Wikipedia – angelehnt an den erfolgreichen Protest der italienischen Wikipedia im Oktober des vergangenen Jahres. "Bei einer Verabschiedung hätten beide Gesetze verheerende Folgen für das freie und offene Web", erklärt die Wikimedia Foundation, die die Online-Enzyklopädie betreibt.

Mehr als 1800 Autoren von Wikipedia-Artikeln diskutierten in den vergangenen Tagen über die geplante Protestaktion, so viele wie nie zuvor. Die Abschaltung beginnt am Mittwoch um 6.00 Uhr und dauert 24 Stunden.

Neben Reddit und Wikipedia protestiert am Mittwoch auch die Mozilla-Stiftung, die hierzulande vor allem für den Browser Firefox bekannt ist. Der Mitarbeiter Tom Lowenthal verkündete auf Twitter, dass auch die Mozilla-Seite "schwarz bleibt" und stattdessen Informationen rund um den Sopa-Entwurf eingeblendet werden.

Nicht ganz so brisant dürfte die Abschaltung der Katzenwitzseite "icanhascheezburger.com" sein. Doch auch Gründer Ben Huh möchte ein Zeichen setzen.

Internetsperrgesetze wackeln

Mittlerweile kritisiert auch die Regierung von US-Präsident Barack Obama die Gesetzesvorschläge Sopa und Pipa. Die Verletzung von Urheberrechten auf ausländischen Websites sei zwar ein ernstzunehmendes Problem, mit dem sich die Gesetzgeber beschäftigen müssen, heißt es in einem Blogbeitrag des Weißen Hauses. Doch "wir werden kein Gesetz erlauben, das die Meinungsfreiheit einschränkt, die Risiken der Internetsicherheit erhöht oder die Dynamik des weltweiten Netzes untergräbt".

Sogar der republikanische Kongressabgeordnete Lamar Smith, der Schöpfer des Sopa-Gesetzesentwurfs, rückt aufgrund der Proteste von seiner Position ab. So möchte er beispielsweise die vorgeschlagenen Netzsperren entfernen, da sie laut Experten die Sicherheit der Nutzer gefährden. Er wird Sopa nicht zur Abstimmung am 24. Januar vorschlagen, bis alle beteiligten Parteien einen Konsens gefunden hätten.

Davon unberührt wird der Senat am 24. Januar über das Gesetzesvorhaben Pipa abstimmen. Aber auch Pipa-Schöpfer Patrick Leahy möchte seinen Gesetzesvorschlag noch einmal überdenken.

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