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7. Februar 2002, 18:10 Uhr

Der Pornojäger

Rainer Richard hat einen ebenso heiklen wie ekligen Beruf: Er fahndet im Internet nach Käufern und Verkäufern von Kinderpornografie.

Kriminalhauptkommissar Rainer Richard© Enno Kapitza

Es gibt Bilder, da weiß man schon beim ersten Anblick, dass man sie nie mehr vergessen wird. Die sich wie Brandzeichen lodernd ins Gedächtnis eingraben, die sich nicht vergessen und nicht verdrängen lassen, die zu sperrig sind, um sie irgendwann einmal in eine Erinnerungslücke werfen zu können. Bilder, die man ein Leben lang mit sich herumtragen muss, eine widerliche, schwere Last.

Verkauft für 3.000 Dollar

Kriminalhauptkommissar Rainer Richard sieht solche Bilder jeden Tag. Fotos von gefolterten Kindern, mit Stricken um den Hals oder die Hände, mit Brandwunden und grausigen Blutergüssen am Körper. Manchmal sieht er vergewaltigte Säuglinge. Bilder von Frauen, denen Fleischerhaken durch die Brüste getrieben werden. Minutenlange Filme von gefesselten, schreienden Mädchen, denen verrückte Sadisten vor der Kamera die Schamlippen auf einem Holztisch festnageln. Er weiß von Müttern, die ihre elfjährigen Töchter an Kinderschänder verkaufen, für 3.000 Dollar, zuweilen weniger.

Plötzlich steht er vor ihrer Wohnungstür

Manchmal ist Rainer Richard wochenlang auf der Jagd nach den Tätern. Streift am Computer durch die virtuellen Welten, die sich Pädophile im Internet erschaffen haben, über geheime Webseiten, durch Chaträume und Newsgroups. Manchmal bleiben die Täter unauffindbare Phantome, schwarze Schatten auf der dunkelsten Seite des Netzes. Manchmal entwischen sie Rainer Richard, kurz bevor er sie stellen könnte, die Händler, die Sammler, die Käufer. Manchmal spürt er sie auf, trotz ihrer falschen Namen, ihrer anonymisierten Adressen und verschlüsselten Kennwörter. Und dann steht er plötzlich bei ihnen vor der Wohnungstür.

Überall liegen Klamotten, es stinkt nach Pisse

Diesmal findet er zwei Männer in einem Drei-Zimmer-Apartment im fünften Stock eines Münchner Hochhauses. Die Tür lässt sich gerade so weit öffnen, dass sich die Beamten mühsam durch den schmalen Spalt zwischen Tür und Rahmen zwängen können, Mülltüten verstellen den Weg. Überall liegen Klamotten, zerrissen, verdreckt, von den Wänden ist der Putz abgeschlagen, es stinkt nach Pisse. In der Küche stapelt sich das Geschirr im Spülbecken, Maden kriechen langsam über die Essensreste auf den Tellern. Es ist, als ob ein eigenartiger Zusammenhang bestehen würde zwischen der äußerlichen Verwahrlosung der Wohnung und der innerlichen Verwahrlosung der Menschen, die in ihr wohnen.

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