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30. Mai 2009, 12:39 Uhr

Der Twitter-Flüsterer

Der Autor und Blogger Sascha Lobo ist auch beim Kurznachrichten-Dienst Twitter sehr aktiv. Im stern.de-Interview erklärt, warum die Welt "persönliche Pressemitteilungen" braucht, was man über seine Mitmenschen dabei lernen kann - und wie man ein besserer Twitterer wird.

Twitter, Sascha Lobo, Blog

Sascha Lobo fällt mit seiner Frisur auch außerhalb des Internet auf© David Hecker/DDP

Herr Lobo, Sie führen die deutschen Twitter-Charts an - zumindest als Einzelperson. Können Sie mal kurz erklären, was der Sinn von "Twitter" ist?

Twitter ist wie eine SMS im Internet. Die bekommen alle, die das, was ich schreibe, interessiert, und die mich deswegen abonniert haben. Gleichzeitig transportiert Twitter die Funktion des Nachrichten-Tickers ins Privatleben. Ich kann mir genau zusammenstellen, welche Mitteilungen ich bekommen möchte, von Peter, von Dieter und von CNN zum Beispiel. Das ist natürlich nicht viel Inhalt, bei 140 Zeichen, aber die Meldungen geben ständig Statusinformationen ab. Und das ist der Kern von Twitter, die Statusmeldung. Bei manchen Leuten, bei mir zum Beispiel, funktionieren die Einträge wie eine Mikro-Pressemitteilung. Was immer ich mache oder sehe, kann ich publizieren.

Zu den Statusmeldungen von Menschen wie Dieter und Peter gehört, dass sie mitteilen, wann sie Kaffeetrinken gehen und ob sie gerade schlechte Laune haben. Was ist der Sinn von solchen Einträgen?

Menschen haben offenbar ein Bedürfnis nach Mikro-Kommunikation. Nach kleinen Botschaften, die man aussendet, die weder Brief noch E-Mail sind. Das konnte man zuerst an dem riesigen Erfolg der SMS beobachten. Die SMS hat ja nichts ersetzt, d.h. die Leute haben sich vorher nicht ständig Postkarten geschrieben. Auf einmal war dieses Kommunikationsmittel da und ging auch nicht mehr weg, weil der Mensch Mikro-Kommunikation elektronischer Natur haben möchte. Twitter setzt das fort: Als eine veröffentlichte SMS, nicht an eine Person, sondern an viele.

Was verändert sich dadurch?

Meine Hypothese ist, dass ein Teil des Soziallebens, also der sozialen Kommunikation, ins Netz geht. Im echten Leben hat man viele Möglichkeiten, nonverbal zu kommunizieren. Durch die Frisur zum Beispiel. Durch Gestik und Mimik. Elemente, die wir zur richtigen Einschätzung und Wahrnehmung von etwas Gesagtem brauchen. Im Netz fehlt das. Deshalb werden diese Elemente durch Statusmeldungen ersetzt. Und durch das Profil-Bild und so weiter. Aber was noch interessanter ist: Ich lese 20 Tweets von jemandem und glaube, ihn besser einschätzen zu können, als wenn ich ein Buch von ihm lese. Ich blogge ja auch seit einiger Zeit, aber ich glaube, man lernt Leute schneller und besser kennen bei Twitter, als wenn man ihr Blog liest.

Inwiefern?

Die Einträge müssen kurz und prägnant sein. Sie geben Einblicke in den Teil des Lebens, den man nicht so wahnsinnig poliert: Da wird einfach das aufgeschrieben, was man gerade denkt. Fast wie beim Tagebuch. Auf diese Weise bekommt man Einblicke in den Tagesablauf und in den Launeablauf des Menschen. Manchmal erfährt man in 140 Zeichen mehr über jemanden, als wenn der einen großen Artikel schreibt.

Heißt das, Sie gehen davon aus, dass Twitter-Botschaften "authentisch" sind?

Nein, natürlich gehört da wie überall im Netz viel Maskerade zu. Viel Unterhaltung, viel Fake. Es gibt auch inszenierte Kunstfiguren. Aber interessant wird es, wenn man mit der Zeit einschätzen kann: Wie echt ist das denn?

Und das findet man heraus?

Ja, jemand, der sich mit dem Medium auskennt, kann relativ schnell überblicken, was ein Fake-Account ist.

Gibt es irgendwelche Regeln bei Twitter? Was raten Sie Anfängern?

Die Regeln sind in den meisten Fällen Unsinn. Man muss sich klarmachen: Was ich twittere, ist veröffentlicht. Wovon ich nicht möchte, dass es irgendwo gelesen und verbreitet wird, das darf ich auch nicht twittern. Und es ist eine Interessen-gesteuerte Sache. Ich kann es nur schwer durchhalten, wenn es mich gar nicht interessiert, irgendwas zu schreiben. Ich muss ein Interesse daran haben, mit anderen Menschen zu kommunizieren. "Twitter ist eine Art, tausenden Leuten mitzuteilen, was man einem Einzelnen nie erzählen würde", hat mal ein Twitterer gesagt, leider habe ich den Namen vergessen. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, interessant zu twittern. Nicht nur: "Gerade Käse gegessen". Sondern Wortwitze, ein paar interessante oder konfrontative Links, so kann man Aufmerksamkeit wecken.

Wie sehen Sie die Zukunft von Twitter?

Gegenwärtig sieht es so aus: Eine Mischung aus Nachrichtenkanal, kommerziellem Geplänkel und privatem Geplänkel. Was in Zukunft noch bedeutsamer werden wird, ist die Funktion von Twitter als Aufmerksamkeitskanone. In den USA ist Twitter schon jetzt ein wichtiger Traffic-Lieferant. Das heißt: Irgendwo schreibt jemand etwas Interessantes ins Netz, das wird über Twitter empfohlen und so kommen die Leute dann auf die entsprechende Seite. Das ist wie eine Art menschliches Google, also eine Empfehlungsmaschine, die von Menschen gesteuert ist und nicht von einem Algorithmus. Und Twitter funktioniert in Echtzeit, während Google auf seinen eigenen Servern sucht. Da sieht man an den so genannten Trending-Topics sofort, was gerade hip ist und von vielen Leuten gesehen wird.

Interview: Andrea Ritter

Auch stern.de twittert. Eine Übersicht über unsere Twitter-Angebote finden Sie hier.

Zur Person Sascha Lobo wurde 1975 geboren und bezeichnet sich selbst als "Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation". Politisch ist er im Online-Beirat der SPD und der Initiative D21 aktiv.

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Countryjoe (30.05.2009, 13:44 Uhr)
Logorrhoe
Erstaunlich, für wie wichtig manche Leute ihre geistigen aber leider oft wenig geistreichen Absonderungen halten. Nach dem Blog nun der Twitter zur Freisetzung von Phrasen, Worthülsen, Geschwafel und anderer Formen elektronischer Logorrhoe.
hardrain (30.05.2009, 13:06 Uhr)
Prost Mahlzeit,
zaxxon, ich schließe mich Ihrer Kurzbemerkung gerne an. Wenn dieser Interviewgeber mit diesem KurzIQ eine Stabstelle in der SPD bekleidet, dann braucht man sich über den Zustand dieser Partei wirklich nicht mehr zu wundern. Absoluter Dünnpfiff der in diesem Fall zum Glück das Lesen eines vollständigen Textes in Buchform ersetzt. Warum, warum nur muss Herr Lobo in dieser Aufmachung ständig um Aufmerksamkeit betteln? Weil sonst nichts Wesentliches produziert wird.
Ach so, natürlich noch Großmaul, aber das passt ja gut zu dieser Stadt. Oh, mein Gott...
Dr.Tonklin (30.05.2009, 11:28 Uhr)
@zaxxon
Heute schon in den Spiegel geschaut? Wenn Sie nichts konstruktives beizutragen haben, dann lassen Sie doch einfach mal die Finger von der Tastatur. Tut gut. Nicht nur Ihnen.
zaxxon (30.05.2009, 10:13 Uhr)
häßlich...
nen iro und ein oberlippenbart...soll das abgefahren sein?! ist der mann häßlich.
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