Klingende Legenden im Netz

30. September 2009, 14:40 Uhr

Aus technischer Sicht ist die Schellack-Platte eine Zumutung, trotzdem erfreut sich die Urgroßmutter der Musik-CD wachsender Popularität. Was den Charme ausmacht und wie sich Schellack anhört, verrät die Webseite,die mit Musik, bewegten Bildern und Internet-Radio punktet.

Schallplatte, Schellack, Musik, Nostalgie, Grammophon

Nicht nur akustisch bietet die Webseite nostalgische Momente©

Knistern und Rauschen gehören bei ihr einfach dazu, und die Musik klingt ein bisschen wie aus der Blechbüchse. Aus technischer Sicht ist die Schellack-Platte eine Zumutung, trotzdem erfreut sich die Urgroßmutter der Musik-CD wachsender Popularität. Was den Charme der Schellack-Platte ausmacht und wie sich Schellack überhaupt anhört, verrät zeigt die Webseite schellacks.de.

Schon das verspielte Layout mit Elementen aus dem Jugendstil versetzt den Besucher in die Anfangsjahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Die Internetseite ist schlicht, aber irgendwie gemütlich-plüschig aufgemacht, ganz im Stil von (Ur)Großmutters guter Stube. Fotos, Abbildungen und Zeichnungen tun ein Übriges fürs Nostalgie-Ambiente. Die Orientierung ist nicht schwierig, in verschiedenen Hörkabinen gibt es Unterhaltung, Klassik von Schumann bis Chopin und Kurioses. Meist deutscher Herkunft, aber auch international recht gut sortiert. Das funktioniert zwar nicht über das traditionelle Grammophon, aber der moderne Mausklick tut es ebenso.

In die Vergangenheit lauschen

Und dann heißt es: Lauschen und den Rhythmus der Vergangenheit spüren. Dafür sorgen Entertainer-Oldies von Rudi Schurike, Claire Waldoff und Theo Lingen über Hans Albers und Richard Tauber bis hin zu Enrico Caruso, um nur einige der singenden Legenden zu nennen. Auch Benny Goodmann, Bing Crosby, Maurice Chevalier, das Benny Goodman Sextett und das Columbia Dance Orchestre entführen in eine Zeit, in der die Menschen, statt vor dem Fernseher zu sitzen, zum Tanztee gingen, in den Kurpark oder auch zum Walzertanzen.

Wer es ruhiger mag, taucht in die Kategorien Klassik oder Vokal ein, und für die Freunde der frühen Comedy-Szene geben Altmeister wie Otto Reuter oder der sächsische Humorist Arthur Preil Erbauliches bis Satirisches zum Besten. Moderner geht es unter "Film ab" zu. Dort werden Schellackschlager präsentiert, kombiniert mit altem Filmmaterial in schwarz und weiß. Die Vorläufer unserer Video-Clips vermitteln noch ein wenig mehr den damaligen Zeitgeist, als es die reine Musik vermag.

Aber die Webseite punktet nicht nur mit Musik und bewegten Bildern. So gibt es in der "Galerie" Einblicke in die Werbewelt und in die Presselandschaft von vorgestern. Hinzu kommt "Sekundärmaterial", wie alte Filmprogramme, Zeitschriften, Kataloge und weiteres Bildmaterial. Beispielsweise ein Programmheft der Dresdner Oper, ein Radioprogramm von 1940 und die Originalrezension einer Schallplatte aus dem Jahr 1930, natürlich in zeitgemäßer Frakturschrift.

Wer einfach mal Musik aus der guten alten Zeit hören will, kann auch das: "78 Umdrehungen" nennt sich das Internet-Radio von schellacks.de, das Ausschnitte aus Radiosendungen von einst präsentiert.

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