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Die Couponkalypse

Schnäppchenportale wie Dailydeal und Groupon waren die Lieblinge der Kunden und Börsianer. Nun machen sie immer höhere Verluste. Kein Wunder, das Geschäftsmodell kann auf Dauer nicht funktionieren.

Von Christoph Fröhlich

  Schnäppchenportale wie Groupon und Dailydeal stecken in der Krise

Schnäppchenportale wie Groupon und Dailydeal stecken in der Krise

Edle Drei-Gänge-Menüs zum halben Preis, ein Jahr Haareschneiden für 49 Euro und Hotelübernachtungen mit bis zu 80 Prozent Rabatt: Schnäppchenportale wie Groupon und Dailydeal locken ihre Kunden mit immer größeren Preisnachlässen. Konzentrierten sich die Anbieter vor wenigen Jahren hauptsächlich auf Restaurantgutscheine, Autowäschen und Wellnessoasen, ist das Angebot heute schier unüberschaubar: Von Kutschfahrten über Brustvergrößerungen bis hin zu Workshops für elektrische Muskelstimulationen wird alles feilgeboten, was saftige Rabatte verspricht.

Der schnelle Absturz

Das Geschäft mit den digitalen Coupons boomte jahrelang. Sie waren das neue große Ding, sowohl im Netz als auch an der Börse. Dort war Groupon auf dem Höhepunkt vor zwei Jahren rund 15 Milliarden Dollar wert - mehr als Porsche, der Stahlriese Thyssen Krupp oder der Sportartikelhersteller Adidas. Groupon war das Abschnittstext am schnellsten wachsende Unternehmen der Internetgeschichte.

Nun folgt nach dem Senkrechtstart der tiefe Fall: Am Freitag musste Groupon-Mitgründer und Firmenchef Andrew Mason nach wiederholt enttäuschenden Geschäftszahlen seinen Stuhl räumen. Obwohl die Umsätze und die Nutzerzahlen seit Jahren wachsen, nehmen auch die Verluste in gleichem Maße zu. Zuletzt verzeichnete Groupon einen Quartalsverlust von 81 Millionen Euro. Beim Börsenstart 2011 war die Aktie 20 Dollar wert, am Freitag rauschte sie auf 4,50 Dollar hinab.

Auch bei Dailydeal, dem deutschen Schnäppchen-Pendant, ist der Glanz verblasst: Vor knapp einem Jahr legte Google 118 Millionen US-Dollar für das Berliner Startup auf den Tisch, nun hat der Suchmaschinenriese die Plattform den einstigen Gründern zum Ramschpreis zurückverkauft. Die genaue Summe wurde nicht genannt, doch es dürfte klar sein, dass Google auf vielen Millionen sitzengeblieben ist. Auch Twitter und Facebook liebäugelten mit Schnäppchenportalen, zogen aber bereits vor Jahren die Reißleine.

Teure Schnäppchen

Nicht nur das Vertrauen der Anleger schmilzt in die einstigen Shooting-Stars. Auch bei den Kunden wächst die Unzufriedenheit. Internetforen und Facebookseiten sprudeln über vor Kommentaren genervter Gutschein-Käufer. Auf der Seite von Dailydeal hagelt es Kritik: Mal wurden versprochene Leistungen nicht eingehalten, ein anderes Mal funktionierte der Gutschein nicht, in einigen Fällen war das Unternehmen, für das der Coupon galt, längst pleite.

Für Schlagzeilen sorgte im vergangenen Mai ein Anbieter, der auf Groupon teuren Champagner zum Schnäppchenpreis anbot. 2000 Kunden kauften das vermeintliche Schnäppchen - und saßen monatelang auf dem Trockenen. Den Champagner haben sie nie bekommen, auf die Rückzahlung des Geldes warteten viele mehrere Wochen. Insgesamt belief sich der Streitwert zwischen dem Händler, den Kunden und Groupon auf mehr als eine halbe Million Euro.

Trotz der negativen Schlagzeilen sprießen die Groupon-Klone nach wie vor wie Pilze aus dem Boden: Dutzende Mitbewerber wie Dealticket, deals.de oder Limango buhlen um die Aufmerksamkeit der Käufer. Obwohl einige Mitbewerber bereits das Handtuch geworfen haben, laufe der Handel mit den Rabattgutscheinen besser als oft behauptet, sagte ein Dailydeal-Sprecher vor wenigen Wochen der Nachrichtenagentur DAPD. "Die Stimmung in der Branche ist gut."

Doch die Zahlen und Reaktionen von Kunden und Händlern sprechen eine andere Sprache. Längst ist die Branche auf dem Weg nach unten. Das liegt nicht nur an negativen Schlagzeilen, sondern am eigenen Geschäftsmodell. Dessen Tragfähigkeit stellte das einflussreiche Investoren-Magazin "Forbes" bereits vor zwei Jahren infrage. Der US-Analyst Rocky Agrawal beschwor vor einem Jahr gar den Kollaps des weltgrößten Schnäppchenportals Groupon.

Je mehr, desto Deal

Ein Groupon-Deal sieht in der Regel so aus: Das Unternehmen muss ein Produkt mit mindestens 50 Prozent Rabatt anbieten. Einige Händler gewähren Vergünstigungen von bis zu 80 Prozent, um mehr Käufer anzulocken. Die restlichen Prozent muss das Unternehmen dann zur Hälfte mit Groupon teilen. Zusammengerechnet bleiben dem Unternehmen für eine Leistung, die normalerweise einen Euro kostet, bei 50 Prozent Rabatt höchstens 25 Cent.

Viele Händler erhofften sich von Groupon und Co. eine billige und vor allem effiziente Werbeplattform. Doch viele wurden enttäuscht: Eine US-Studie belegt, dass die Gutscheine tatsächlich viele Neukunden ins Haus bringen. Doch nach der Gutschein-Phase fiel die Bewertung der Händler im Schnitt um 10 bis 20 Prozent negativer aus als zuvor. Das hat mehrere Ursachen: Die meisten der schnäppchenbewussten Groupon-Kunden besuchen das Unternehmen laut Aussagen einiger Händler ohne Gutschein nie wieder. Gleichzeitig fragen sich bisherige Stammkunden, warum sie für dieselbe Leistung das Doppelte zahlen - und fühlen sich entweder veräppelt oder werden selbst zu Gutscheinjägern. Ein Teufelskreis. Viele Händler verzichten deshalb auf riskante Deals.

Geschäftsmodell mit Haken

Das Geschäftsmodell von Groupon ist darauf ausgelegt, immer neue Kunden zu akquirieren, um den Geldfluss nicht versiegen zu lassen. Nur mit einer sehr hohen Deal-Auslastung kann Groupon konstant Umsätze generieren. Dafür braucht es Partner mit großen Gewinnmargen, die bereit sind, einen Teil der Einnahmen für Gutschein-Werbung zu opfern. Und Kunden, die ohne Misstrauen die Coupons per Vorkasse kaufen.

Das kann auf Dauer nicht funktionieren: Nicht nur die Zahl der möglichen Partner ist pro Stadt begrenzt, sondern auch die in Frage kommenden Käufer. In Regionen, in denen Groupon seit Jahren aktiv ist, ist die Nachfrage längst gesättigt und das Geschäft rückläufig. Boston, der zweite Markt für Groupon nach der Gründungsstadt Chicago, verzeichnet bereits seit Ende 2010 laut "New York Times" abnehmende Zahlen. Über kurz oder lang dürfte die Entwicklung in Deutschland und anderen Ländern dieselbe sein.

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