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17. Oktober 2007, 12:17 Uhr

Britische Ermittler dürfen Passwörter verlangen

Wer nach Großbritannien einreisen will, muss bei Verdacht künftig damit rechnen, seine Passwörter für den mitgeführten Laptop herauszurücken. In Deutschland werden solche Methoden bislang noch abgelehnt.

Der PC ist auf Reisen nach Großbritannien nicht mehr sicher - bei Verdacht müssen Reisende das Passwort herausgeben© Michael Kappeler/ddp

Die britischen Ermittlungsbehörden können Verdächtige unter Strafandrohung zur Herausgabe von Passwörtern und Kryptographieschlüsseln zwingen. Mit Beginn des Monats ist ein entsprechender Zusatz zum Ermittlungs- und Telekommunikationsgesetz (RIPA) in Kraft getreten. Das Gesetz wurde bereits im Jahr 2000 verabschiedet, jedoch erst jetzt wirksam. Dies habe gravierende Auswirkungen in England, sagt Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) in Berlin. Ein Verdachtsmoment würde genügen, um zur Herausgabe von Passwörtern und Festplatten gezwungen zu werden. "Diese Gesetzesregelung führt dazu, dass man sich überlegt, über dieses Land zu reisen", sagte Rieger.

Deutsche Tatverdächtige müssen sich nicht belasten

In Deutschland ist eine derartige Regelung in der viel kritisierten Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes nicht enthalten. Selbst bei Terrorverdacht seien die Ermittler mit dem geltenden Recht handlungsfähig, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums. Tatverdächtige müssen sich nicht selbst belasten und somit auch keine Passwörter für Festplatten herausgeben, die eventuell inkriminierendes Material beinhalten. Jedoch seien Zeugen sehr wohl zur Mitarbeit verpflichtet, sagte die Sprecherin.

Ein Verbot wäre gefährlicher

Im Bundesinnenministerium sieht man ebenfalls keinen Handlungsbedarf. "Wir lehnen eine Reglementierung der Kryptographietechnik ab", sagte Ministeriumssprecher Markus Beyer. Die aktuelle Entwicklung werde beobachtet, doch eine Einschränkung von Verschlüsselung oder gar ein Verbot wäre für die Bürger, den Staat und die Wirtschaft weitaus gefährlicher, erklärte Beyer. Ein Verbot von Kryptotechnologie vereinfache Wirtschaftsspionage oder das Ausspähen von Festplatten über das Internet, sagte CCC-Mitglied Rieger.

AP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
schlotti (18.10.2007, 01:43 Uhr)
@mojo.man
Guten Abend,
um auf unverschlüsselte Daten zugreifen zu können, braucht man in der Tat kein Passwort. Dies hat aber mit Windows nichts zu tun. Alle gängigen Betriebssysteme speichern Daten zunächst einmal unverschlüsselt ab. Solche Daten sind also immer lesbar. Es reicht in der Regel aus, den betreffenden Rechner von einer CD aus zu booten.
Anders sieht es aus, wenn man seine Daten verschlüsselt. Wenn man möchte, kann man das mit Windows-Bordmitteln oder, wenn man Microsoft nicht traut, mit einem der vielen, legal verfügbaren Programme machen.
Um nun als Eigentümer dieser Daten selbst zugreifen zu können, muss man sich diesem Verschlüsselungsprogramm gegenüber als berechtigt "ausweisen". Dies geschieht üblicherweise über ein Passwort. Wer das Passwort kennt - und nur der - kann auf die Daten zugreifen.
Es ist deshalb durchaus nachvollziehbar, dass die britische Polizei ein gewisses Interesse an solchen Passwörtern hat.
Wie die britische Polizei allerdings Leute zwingen will, ein vergessenes Passwort herauszurücken ist mir schleierhaft.
Vor dem Hintergrund, dass in diesen Zeiten im Zeichen des Internet, sowieso kein Verbrecher sensible Daten auf Festplatten mit sich durch die Gegend schleppt, ist diese Idee schlicht Unsinn.
Eines Schäubles würdig!
MfG,
Schlotti
mojo.man (17.10.2007, 18:43 Uhr)
^^
Mal abgesehn davon, dass dies die Entwicklung zu einem fröhlich Überwachungsstaat nur fördert, stellt sich mir die Frage was das überhaupt bringen soll!?
Wenn ein begründeter Tatverdacht besteht und der vermeindlich Täter nicht kooperieren will, kann ein Staatsanwalt dann nicht verfügen das auf solche Daten zugegriffen wird? (Ich lasse mich gerne eines besseren belehren.)
Und da die meisten Leute ein Windows-Betriebssystem verwenden ist die Frage nach einem Passwort doch eigentlich überfällig!?
Ich sehe keinen Grund warum ich ein Passwort haben muss um mir Daten auf einem Windowsrechner ansehen zu können. (Auch hier lasse ich mich gerne von Leute mit mehr Ahnung eines bessern belehren!)
Malt (17.10.2007, 17:08 Uhr)
Recht zu schweigen!
Und was passiert, wenn man es plötzlich vergessen hat, das Passwort? Einzelhaft, Stromschocks, Guantanamo? Es wird immer perfider... dauert sicher nicht mehr lange, bis so ein Sicherheitsapostel bei uns auf die Idee kommt, man könnte das bei uns ja auch einführen! Ich habe langsam auch das Gefühl, dass man die EU nur zu Leute Verarscherei gegründet hat. "Die machen das ja auch, dann müssen wir das erst recht machen"!
Ich kann garnicht soviel Essen wie ich kotzen möchte!
sausewindxxl (17.10.2007, 14:38 Uhr)
Arbeiten, Steuern zahlen und kurz vor der Rente sterben!
In Deutschland muss man als Verdächtiger/Angeklagter nichts tun, was den Ermittlungsbehörden bei der Untersuchung helfen würde und so muss es auch bleiben. Europa und seine Staaten werden immer mehr zu einer Polizeistaatunion, in der man als Bürger nur noch Arbeiten, Steuern zahlen und kurz vor der Rente sterben darf. So etwas lästiges wie die Bürgerrechte gehören natürlich abgeschafft. Eine ordentliche Diktatur hat für sowas eben kein Verständnis!
lukeserious (17.10.2007, 14:20 Uhr)
...
Na dass die Briten überwachungssüchtig sind hat man ja schon mitgekriegt ...
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