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Facebook wirft seine aktivsten Nutzer raus

Wer auf Facebook zu viele Nachrichten schreibt oder zu viele Pinnwandeinträge macht, wird von der Plattform entfernt. Das geschieht meist ohne Vorankündigung.

Von Heidi Beha

Wer bei Facebook zu viele Nachrichten schreibt oder zu viele Pinnwandeinträge macht, wird von der Plattform entfernt. Das geschieht meist ohne Vorankündigung. Der Grund: Facebook kann nicht zwischen Spammails und gewöhnlichen Nachrichten unterscheiden. Facebook sperrt damit auch Mitglieder, die die Online-Community am intensivsten nutzen.

Nitin Mutkawoa ist verzweifelt. Er kann nicht mehr auf sein Facebook-Profil zugreifen. Sein Account wurde vor einigen Tagen einfach gesperrt. Er ist sich keines Vergehens bewusst: "Ich habe niemanden belästigt und keine Spammails verschickt." Facebook hat Nitin nicht vorgewarnt, sondern ihn sofort aus dem Netzwerk geworfen. Über den Grund kann er nur spekulieren: Vielleicht hat er zu viele Freunde auf einmal hinzugefügt oder er hat zu viele Nachrichten verschickt.

"Ich kann nicht ohne Facebook leben", sagt Nitin und hat auch schon eine Beschwerde an Facebook gemailt. Nun wartet er auf eine Antwort. In der Zwischenzeit heißt das für Nitin: keine Nachrichten, keine Pinnwandeinträge, keine Freunde poken oder "lovability-Anfragen" starten. Das ist für ihn eine regelrechte Qual. Nitin ist ein Facebook-Junkie und würde einiges dafür tun, damit sein Account wieder freigegeben wird. "Mein ganzes Leben funktioniert nur mit Facebook. Ich habe viele Freunde im Ausland und brauche das Netzwerk, um mit ihnen in Verbindung zu bleiben", erzählt der Mauritier aus Riviere des Anguilles. Er ist im Netzwerk normalerweise rund um die Uhr online.

Suche nach Spammern

Nitin ist kein Einzelfall. In den vergangenen Wochen verstärkte Facebook die Suche nach Spammern, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Dabei werden verdächtige Accounts ausgemacht und gegebenenfalls gesperrt oder gelöscht. Dazu hat der Betreiber des Netzwerks auch das Recht: "Das Unternehmen kann jederzeit nach eigenem Ermessen, ohne Ankündigung und ohne Angabe von Gründen deine Mitgliedschaft kündigen", so steht es in den AGB von Facebook.

Die Facebook-Fahnder hatten auch Elizabeth Coe im Visier. Ihr Profil wurde kürzlich gelöscht, weil sie über 100 Facebook-Freunden einen Link zu ihrer Firmenwebseite schickte. Sie sei nicht süchtig, aber Facebook sei einfach praktisch, um zu kommunizieren. Warnungen hatte sie zwar erhalten, daraufhin auch ein paar Nachrichten weniger verschickt. Das half aber nichts. "Für dreieinhalb Tage war ich von Facebook verbannt. Das fühlte sich an wie eine Ewigkeit", sagt sie. Wichtige Kontakte und jahrelang gesammelte Fotos und Videos hatte sie schon verloren geglaubt. Einige Beschwerde-E-Mails an Facebook musste sie schreiben, dann klappte der Login wieder.

Sperrung ist Ermessenssache

Etwas anders will die Community StudiVZ Spammails verhindern. Dort ist das Sperren von verdächtigen Profilen weniger Ermessenssache. Nutzer können höchstens 22 Nachrichten täglich an Nicht-Freunde schicken. Mit Freunden könne man so häufig hin und her schreiben, wie man wolle. StudiVZ darf, laut AGB, nur mit einer Frist von vierzehn Tagen zum Monatsende einen Account und alle zugehörigen Daten löschen. "Wenn ein Nutzer jedoch über seinen Account gegen unsere AGB verstoßen hat, können wir diesen auch sofort sperren oder löschen", sagt StudiVZ-Pressesprecher Dirk Hensen. Mit dem Nachrichtenlimit möchte StudiVZ Spammails verhindern.

Solche konkreteren Ansagen, ab wann Nutzer unter Spamverdacht geraten, macht Facebook nicht. Im Forum www.getsatisfaction.com hat Thor Muller 13 Tipps für Facebook-Nutzer zusammengefasst, damit ihr Account nicht gesperrt wird, unter anderem folgende: Man dürfe höchstens 200 Gruppen beitreten und wer einen großen Facebook-Bekanntenkreis mit mehr als 5000 Freunden hat, sei für Facebook verdächtig.

Verdächtige Klassentreffen

Auf die Ratschläge im Forum antworten viele Betroffene. Fast alle wurden von Facebook schon einmal ausgeschlossen. So wie Lisa Shane. Sie hatte Facebook dazu nutzen wollen, ein Klassentreffen zu organisieren. Deswegen hatte Lisa täglich mehrfach identische Nachrichten an etwa 200 Facebook-Nutzer geschickt, allesamt ihre früheren Schulkameraden. Das hatte der Sicherheitscheck nicht wissen können und so wurde sie als Spammerin eingestuft und gesperrt.

Es kann jeden der mittlerweile fast 100 Millionen Facebook-Nutzer treffen, der per Rundmail zum Geburtstag einladen oder die neue Adresse durchgeben möchte. Eine Sperrung wird nur dann rückgängig gemacht, wenn die Nutzer ihre Unschuld nachweisen können, so besagen es die AGB. Facebook-Pressesprecherin Elizabeth Linder sagt, dass "wir jetzt deshalb so hart vorgeht, weil wir die Nutzer, die sich regelgerecht verhalten, nicht durch Spammails verlieren möchten". Wer sich zu Unrecht gelöscht fühle, soll eine E-Mail an den Betreiber senden, so die Sprecherin.

Verlust der Daten

Nutzer sollen sich über die Plattform austauschen, Fotos und Videos teilen und möglichst viel Zeit auf der Website verbringen. Darauf zielt zumindest die Unternehmensphilosophie ab und damit verdient Facebook Geld. Die Vorgehensweise gegen vermeintliche Spammer stellt das in Frage. Wer die Community viel, ja zu viel, nutzt, wird als verdächtig eingestuft und riskiert, sein Profil und alle darauf enthaltenen Daten verlieren. Dazu zählen auch alte Nachrichten und Pinnwandeinträge, kurzum alles was zum gebastelten Online-Image dazugehört.

Facebook riskiert nun, viele Nutzer wie Nitin Mutkawoa, Elizabeth Coe oder Lisa Shane zu vergraulen. Elizabeth Coe zum Beispiel sei jetzt vorsichtiger und nutze Facebook nicht mehr so häufig und Nitin wartet noch immer auf eine Antwort auf seine Beschwerde-E-Mail. Er hofft, dass er bald wieder Zugriff hat, denn für ihn ist die Sperrung wie ein Entzug.

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