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Oli Kahn, kein Twitter-Titan

Peinliche Social-Media-Lehrstunde des ZDF: Eigentlich sollte EM-Experte Oli Kahn nur twittern lernen. Doch der Ausflug ins Netz geriet zum Desaster.

Von Christoph Fröhlich

Es hätte so schön sein können für ZDF-EM-Experten Oliver Kahn: Ein Deutschlandsieg gegen Holland, eine laue Sommernacht, ausgelassene Partystimmung am ZDF-Fußballstrand auf Usedom. Der perfekte Zeitpunkt, sein Versprechen vom Montag einzuhalten. Nach dem Spiel "Ukraine gegen Schweden" zeigte sich der Ex-Torwart begeistert vom Kurznachrichtendienst Twitter und tönte: "Vielleicht könnte ich das auch mal machen." Gesagt, getan: Um nicht völlig hilflos ins Netz zu tappen, holte sich Kahn Unterstützung in Form von ZDF-Moderatorin Jeannine Michaelsen. Die adrette brünette "Social-Media-Expertin" fasst nach jedem Spieltag die besten Tweets von Prominenten zusammen und präsentiert sie dem johlenden Sandstrand-Publikum. Mit Twitter hatte sie bislang offenbar noch nicht viel am Hut, ihr erster Tweet ist auf den 17. April datiert, keine zwei Monate vor der EM. Doch was soll schon passieren, dachte sich wohl der Mainzer Sender.

Ein weiteres Opfer des Rob Vegas

Da standen sie also, drei ZDF-Moderatoren, vor ein kleines Laptop gebeugt und auf einer Riesenleinwand mit Oli Kahn in Großaufnahme zu sehen, umgeben von den Wellen der Ostsee. Ein Account wurde Oli Kahn schon eingerichtet, Tausende Follower waren auf seinen ersten Tweet gespannt. Die Torwart-Legende, die früher den Platz beherrschte, wagte nun live im Fernsehen die ersten zaghaften Schritte ins Netz. Während Oli Kahn die Sache schnell hinter sich bringen wollte, erklärte Twitter-Expertin Michaelsen: "Wir müssen uns erst überlegen, an wen wir schreiben - oder möchtest du an alle schreiben?" Schon jetzt schien der Titan mit der Situation ein wenig überfordert und stotterte mühsam: "Wir schreiben an alle Foll-Follower."

  Ausbaufähig: Oliver Kahns Twitter-Profil

Ausbaufähig: Oliver Kahns Twitter-Profil

Michaelsen hätte jetzt einfach die peinliche Social-Media-Lehrstunde beenden können, doch sie fragte erneut: "Wir haben auch noch eine schöne Nachricht von Harald Schmidt, wenn du darauf antworten möchtest." Nun nahm das Unheil seinen Lauf. "Der wird das dann auch bekommen?" fragte Kahn. "Nein, der folgt dir nicht", sagt Michaelsen. Co-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein bemerkte, dass der Titan ins Straucheln geriet und unterbrach: "Hast du Oli überhaupt erklärt, was twittern ist?" Ganz unberechtigt schien die Frage nicht, hatte Kahn doch große Mühe, Worte wie Follower in den richtigen Zusammenhang zu bringen.

Doch wie sollte er es besser wissen? Jeannine Michaelsen erklärte das Prinzip Twitter so: "Wir folgen Harald Schmidt. Und deswegen kann Harald Schmidt jetzt auch lesen, was wir schreiben." Das ist doppelt falsch: Erstens können Leute, denen man folgt, die eigenen Postings nicht lesen. Und was noch viel peinlicher ist: Hinter dem angeblichen Harald Schmidt steckt nicht der ehemalige Sat1-Comedian, sondern der Internet-Showmaster Rob Vegas. Er twittert seit fast drei Jahren unter einem gefälschten Harald-Schmidt-Profil und narrte bereits einige Medien, darunter die "Bild"-Zeitung.

"Ich bin einfach manchmal zu gutgläubig"

Vegas revanchierte sich wenige Minuten nach dem ZDF-Fauxpas mit den Worten: "Olli Kahn folgt Harald Schmidt auf Twitter und Hohenstein wies darauf sogar im TV hin. Epischer Fake." Und setzte wenig später nach: "Ach OliverKahn? Ich bräuchte noch VIP-Tickets für das Endspiel? Bitte an robvegas senden. Der kennt sich damit aus. Grüße! Harald!"

Wenig später bemerkte auch ZDF-Expertin Michaelsen ihren Fehler: "#haraldschmidt ist nicht Harald Schmidt. Ein bißchen traurig. Und ein Fehler von mir!" Und räumte ein: "Ich bin einfach manchmal zu gutgläubig."

Der erste Tweet von Kahn war übrigens reichlich unspektakulär. "Wir werden #Europameister!!!". Mehr hat er bislang auch nicht geschrieben. Vielleicht ist das auch besser so.

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen. Über Kahns Twitterei diskutieren können Sie zudem in der stern.de-Fankurve auf Facebook.

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