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Fälsche deine Freunde!

Eine Währung in den sozialen Netzwerken wie Myspace, Facebook oder Friendster ist Beliebtheit, gemessen an den eingetragenen Freunden. Wer auf natürlichem Wege in diesem Bereich schwächelt, der kann sich schöne Menschen mieten, die mit ihrem Foto und ein paar Grüßen traurige Profile veredeln.

Von Ralf Sander

Menschenhandel per Mausklick: Amanda mit der Baywatch-Figur - rein in den Einkaufswagen. Außerdem Sasha, von der man nur den Hintern sieht. Für die Mischung noch Julia mit ihrem Laptop. Bei den Kerlen die schwierige Frage: mit oder ohne Hemd? Was soll die Zurückhaltung? Michi mit dem Waschbrettbauch - husch, husch ins Warenkörbchen. Vier neue Freunde, für jeweils zwei Dollar im Monat, das klingt nach einem Schnäppchen.

Stopp! Wer jetzt schon mal den Partner vor die Tür setzt und allen bisherigen Freunden sagt, was man wirklich von ihnen denkt, wird enttäuscht werden. Denn das Bündel neuer Kumpel gibt es nur im Internet. "Fake Your Space" heißt die Shopping Mall für virtuelle Freunde, die nur eine Aufgabe haben: das Profil des Kunden in sozialen Netzwerken wie Myspace, Facebook oder Friendster zu verschönern. Wer sich für die Selbstdarstellung im Internet entscheidet, so das Kalkül der Macher, will beachtet werden. Das Profil eines Myspace-Mitgliedes wird nur zur Hälfte von seinen Hobbys, Musikgeschmack, Namen der Haustiere und anderen persönlichen Angaben bestimmt, mindestens ebenso wichtig ist eine möglichst imposante Sammlung an "Friends". Natürlich müssen es die richtigen Personen sein, die sich im virtuellen Freundeskreis tummeln. Eltern, Geschwister und Onkel Johannes zahlen auf das Beliebtheitskonto nicht annähernd so viel ein wie coole Typen oder schöne Frauen. Da kommt dann der Dienstleister ins Spiel: Für normalerweise 1,99 US-Dollar im Monat - zurzeit sind Aktionswochen mit einem Sonderpreis von 99 Cent - gibt's eine Freundin oder einen Freund nach Wahl, die garantiert zweimal pro Woche einen Gruß oder einen Kommentar hinterlassen, neben dem auch immer ihr Foto erscheint. Was sie schreiben, kann der Auftraggeber vorher selbst bestimmen - im Rahmen der Geschäftsbedingungen von Myspace & Co. Zu heftig darf es nicht zur Sache gehen, aber heiße Flirts oder vorgetäuschte Liebschaften, um Expartner eifersüchtig zu machen - das ginge schon.

Nur das Äußere zählt

Das Geschäft mit der Unwiderstehlichkeit der Oberflächlichkeit versucht "Fake Your Space" seit dem 29. November. Wer dahinter steckt, ist auf der Website nicht ersichtlich. Die Adresse www.fakeyourspace.com ist auf einen Brant Walker aus San Diego registriert. Wie ein Blick an die Strände Kaliforniens, so wirkt auch die Auswahl an Freunden. Modelmaße, Gesichter eines einheitlichen Schönheitsideals, Körperkult pur. Wer ihre Dienste in Anspruch nimmt, verpasst seinem Profil das Äquivalent einer Brustvergrößerung.

Sollte Fake Your Space Erfolg haben, ließe sich daraus einiges lernen über das Leben im Internet, über Beliebtheit als Währung, über die Prioritäten der vor allem jungen (amerikanischen) Nutzer sozialer Netzwerke. Eine Erkenntnis erlangen wir aber schon jetzt: Früher war im Internet alles kostenlos, wofür man im realen Leben bezahlen musste. Nun ist es erstmals umgekehrt. In der virtuellen Welt bekommt man gegen Geld etwas, das es im Alltag für lau gibt: falsche Freunde.

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