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9. Februar 2010, 22:57 Uhr

GMail + Twitter + Facebook = Google Buzz

Google springt auf den Trend der boomenden Internet-Kurzmitteilungen auf - und will mehr Ordnung in die Informationsflut bringen. Mit Buzz will der Internetriese verlorenen Boden gutmachen und nimmt Facebook und Twitter ins Visier. Von Karsten Lemm, San Francisco

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Die Google-Manager bei der Vorstellung von Buzz (v.l.n.r.): Vic Gundrota, Todd Jackson, Bradley Horowitz und Sergey Brin© Reuters

Google holt zum Rundumschlag gegen seine Herausforderer aus: Mit einem neuen Service namens Buzz, der in Gmail integriert wird, bietet der Suchmaschinenriese ab sofort eine Reihe von Funktionen, die man bisher von Twitter, Facebook und anderen kennt. Ähnlich wie in sozialen Netzwerken können Gmail-Nutzer künftig einer ganzen Gruppe von Freunden und Bekannten Nachrichten schicken und Kommentare abgeben, die in Echtzeit weitergeleitet und gemeinsam mit E-Mail-Nachrichten in Gmail angezeigt werden.

"Für die meisten Menschen ist der Eingangskorb weiterhin die zentrale Anlaufstelle für persönliche Informationen, und mit Buzz öffnet sich innerhalb von Gmail eine ganz neue Welt", erklärte Googles Projektleiter für den neuen Service, Todd Jackson, bei einer Pressekonferenz in der Firmenzentrale im kalifornischen Mountain View.

Summen und Brummen und Drumherum

Das Wort Buzz (gesprochen "bas") bedeutet im Englischen sowohl Summen und Brummen als auch alles, was um einen Menschen herum passiert. Entsprechend umfassend hat Google seinen neuen Dienst ausgerichtet: Am Schreibtisch taucht Buzz innerhalb des Browsers auf und zeigt automatisch die jüngsten Nachrichten aus dem Freundeskreis, unterwegs können Buzz-Nutzer sich mittels neuer Mobilfunktionen auf dem Laufenden halten.

Über Spezialprogramme für das iPhone und Android-Telefone sowie ein eigenes Portal, "buzz.google.com", liefert das Handy dann Informationen rund um den Ort, an dem man sich aufhält, etwa Statusmeldungen und Kommentare anderer Buzz-Nutzer in der Nähe. Dazu ermittelt Google automatisch den eigenen Standort und schlägt, basierend auf der Adresse, sogar Firmennamen vor. So sollen Nutzer künftig mit minimalem Aufwand sagen können, wo sie sind und womit sie sich gerade beschäftigen - ähnlich, wie es Millionen bereits bei Twitter tun.

Die ganze Welt mit Informationen versorgen

Andere Funktionen zielen direkt auf Facebook ab. So erlaubt es Buzz etwa, einen ausgewählten Kreis von Freunden und Bekannten - oder wahlweise auch die ganze Welt - mit Fotos, Videos und anderen Informationen zu versorgen. Bei Links zu anderen Websites, die Nutzer in eine Nachricht kopieren, fügt Gmail automatisch Überschrift und Fotos hinzu. Bildergalerien aus Diensten wie Flickr und Googles Picasa sollen sich künftig ebenfalls direkt, in voller Größe in Gmail bewundern lassen. Twitter-Nachrichten von anderen können künftig in Gmail einfließen, allerdings ist es vorerst nicht möglich, aus Googles Dienst heraus selbst zu twittern.

Google Mail weiß, wer die Freunde sind

Alle Funktionen sollen in den nächsten Tagen in Gmail aktiviert werden, ohne dass Nutzer etwas tun müssen. Welche Kontakte zum Start in der Buzz-Liste auftauchen, will Google durch Analyse der E-Mails ermitteln, die man verschickt und empfangen hat. "In gewisser Weise befindet sich unter der Oberfläche von Gmail schon seit langem ein gigantisches soziales Netzwerk", erklärt Todd Jackson. "Gmail weiß bereits, wer meine Freunde sind." Wer sich Sorgen um seine Privatsphäre mache, könne die neuen Funktionen gezielt aktivieren oder abstellen, versichert der Google-Manager: "Es gibt dazu eine ganze Reihe von Kontrollmöglichkeiten. Wer nicht will, dass andere sehen, was man macht, kann das auch blockieren."

Zur Zahl der Nutzer seines E-Mail-Dienstes machte Google am Dienstag keine Angaben; in den USA kam Gmail im Dezember laut Marktforscher Comscore auf 176 Millionen Besucher. Facebook zählt nach eigenen Angaben weltweit mehr als 400 Millionen Nutzer und ist derzeit das am schnellsten wachsende, populärste soziale Netzwerk.

Am Ende steht ein Gewinner fest

Der Erfolg von Twitter und Facebook habe Google überrascht, sagt Jeff Jarvis, Autor des Buches "Was würde Google tun?". Jarvis sieht drei Gebiete, auf denen der Suchmaschinen-Marktführer Nachholbedarf hat: Echtzeit-Informationen, soziale Netzwerke und ortsbezogene Auskünfte auf Mobilgeräten. "Buzz ist ein Versuch, mit dem Echtzeit-Netz klarzukommen", sagt der Internet-Experte, und auch Googles Mobilsuche bekomme durch den neuen Dienst einen kräftigen Schub. "Buzz bedeutet eine enorme Verbesserung für Google Maps", urteilt Jarvis.

Am Ende geht es aber wohl um ein wesentlich größeres Ziel: Alle Informationen, um die sich unser digitales Leben dreht, in einem einzigen Angebot miteinander zu verknüpfen. "Derjenige, dem es gelingt, alle Informationen bei sich zusammenzuführen", sagt Jarvis, "wird am Ende als Gewinner dastehen."

Von Karsten Lemm, San Francisco
 
 
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