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Der Internet-Müllmann

Alle hassen Spam - nur Berthold Metz nicht. Er liebt die Werbemails und kann nicht genug davon bekommen: Als "Spamschlucker" sammelt er die Reklame auf seiner Webseite.

Von Sven Stillich

Eigentlich müsste Berthold Metz sehr reich sein und die Frauen scharenweise glücklich machen. Das jedenfalls versprechen ihm die vielen Mails, die er Tag für Tag erhält. Denn der 37-Jährige sammelt Spam. Und er tut alles, um noch mehr davon zu bekommen - bis er mehr elektronischen Werbemüll kriegt als jeder andere Mensch. Sein Ziel in diesem Jahr: 200.000 Mails. "Spamschlucker" nennt sich der Doktorand an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg. Seit eineinhalb Jahren sammelt er, inzwischen erhält er etwa 3000 Werbemails in der Woche.

Um Nachschub muss dem Spamschlucker nicht bange sein: Je nach Studie sind heute 70 bis 90 Prozent aller weltweit verschickten E-Mails Werbung, jeden Tag werden mehr als 100 Milliarden Spam- Nachrichten verschickt - ein kaum glaublicher Anstieg, seit ein amerikanischer Computerhändler erstmals vor 30 Jahren bescheidene 600 Werbebriefe ins Internet pumpte und damit Computer im Wert von zwölf Millionen Dollar verkaufte.

"Das sind richtige Konzerne"

"Spam durchsetzt heute das Internet wie Ungeziefer", sagt Berthold Metz, "und alle hassen das. Aber anscheinend gibt es doch eine Menge Menschen, die dort etwas bestellen - Viagra, Gucci, Prada oder Zigaretten." Auch dieser Widerspruch macht die moderne Seuche für ihn interessant. Akribisch dokumentiert er auf seiner Website, mit welchen Methoden er wie viel Spam gefischt hat. Er trägt seine E-Mail- Adresse in Porno-Newsletter ein und nimmt an Gewinnspielen teil, bei denen es außer Spam nichts zu gewinnen gibt.

Oft überrascht ihn die Dynamik der Spammer-Szene. "Da bekommt eine Adresse monatelang kaum Spam, und plötzlich sind es über 200 Mails in der Woche", sagt Berthold Metz - für ihn ein Beleg dafür, dass 80 Prozent der weltweiten Spammails wirklich von nur 200 Leuten verschickt werden, wie Experten der Anti-Spam-Organisation "Spamhaus" behaupten. "Und diese 200 tauschen die geernteten Adressen wohl untereinander aus", sagt Metz, "das sind richtige Konzerne." Fein säuberlich weist er jede erhaltene Mail in seiner Statistik aus - ein gigantisches Archiv der Netzreklame.

Unterhaltsamer Spam

Berthold Metz will den Besuchern seiner Site etwas bieten: "Normalerweise werden Spammails mit einem schnellen, zornigen Klick gelöscht", sagt er. "Bei mir aber kann jeder etwas über Spam erfahren, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Dafür halte ich meinen Kopf hin." Unterhaltsam ist das Ganze auch: Wenn Werbemüll mit Auszügen aus Hermann Hesses "Siddhartha" oder dem "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry garniert wird, amüsiert das nicht nur den Germanisten Metz. Lesenswert ist auch sein Mailwechsel mit der Russin "Elena", die in einer Spammail gebeten hatte, ihr 194 Euro für einen Ofen zu schicken, weil der russische Winter so bitterkalt sei. Als Metz ihr stattdessen seinen alten Radiator anbietet, wird schnell offensichtlich, dass Elena die Kohle lieber wäre als der Ofen.

Diese Episode ist nicht nur zum Schmunzeln - die routinierte Antwort der "Russin" macht klar, dass sich solcher Spam rentieren muss. Was auch daran liegt, dass es so billig ist, ihn zu verschicken. Nach einer Analyse des Antiviren- Herstellers "Gdata" kostet der Versand von 20 Millionen Spammails nur 350 Euro. "Wenn nur vier von den 20 Millionen etwas kaufen, hat sich das für die Spammer schon gelohnt", sagt Metz lächelnd. "Und natürlich bleiben ein paar der 20 Millionen Mails bei mir hängen."

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