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Online-Plattenladen mit Türsteher

Konkurrenz für Apples iTunes: Google steigt im großen Stil in den Online-Verkauf von Musik ein. Für seinen Dienst Google Music hat der Internet-Riese bis auf einen alle großen Musiklabels gewinnen können. Hörer außerhalb der USA bleiben jedoch ausgesperrt.

  Später Einstieg in den Online-Musikmarkt: Chris Yerga von Google stellt in Los Angeles den Online-Musikshop vor

Später Einstieg in den Online-Musikmarkt: Chris Yerga von Google stellt in Los Angeles den Online-Musikshop vor

Google macht seinen eigenen Online-Musikladen auf. Bei Google Music können Kunden in den USA ab sofort Lieder im Android Market kaufen. Damit tritt der Internetkonzern in direkte Konkurrenz zu Apple mit seinem erfolgreich iTunes-Musikladen. Als Besonderheit können Google-Nutzer ein im Android Market gekauftes Lied ihre Freunde im Online-Netzwerk Google+ ein Mal kostenlos hören lassen.

Deutsche Nutzer sehen beim Aufruf des Dienstes lediglich den Hinweis: "Es tut uns leid. Google Music ist derzeit nur in den Vereinigten Staaten verfügbar." Wann Google Music auch in Deutschland angeboten wird, ist nicht absehbar. Google und die deutsche Musikverwertungsgesellschaft Gema streiten bereits seit etlichen Monaten über eine Vergütung für Musik-Videos auf Youtube, ohne dass eine Lösung erreicht werden konnte.

Google stellte den seit Langem erwarteten Musikshop in Los Angeles vor. Als Hemmschuh in den USA hatten sich die Gespräche mit den Plattenfirmen herausgestellt. Nun hat Google mit Universal Music, EMI und Sony Music drei der vier großen Label im Angebot. Warner Music mit Künstlern wie Bruno Mars, R.E.M oder Neil Young fehlt bislang. Aber auch etliche kleinere Musikfirmen machen mit. Insgesamt stehen mehr als 13 Millionen Songs zur Verfügung. Zudem können Musiker ihre Lieder selbst hochladen und vermarkten, was den Online-Dienst Myspace in weitere Schwierigkeiten bringen wird.

Exklusives Material als Köder

Zum Start will Google mit exklusivem Material punkten. So gibt es nur bei Google Music eine Live-Aufnahme der Rolling Stones von 1973 mit einem kostenlosen Song, weitere fünf Konzert-Mitschnitte sollen folgen. Von Coldplay gibt es unter anderem fünf Songs aus einem Auftritt in Madrid. Shakira-Fans können kostenlos ein Live-Minialbum und die neue Single laden.

Google steigt vergleichsweise spät in den Online-Musikmarkt ein. Der Vorstoß steht in direktem Zusammenhang mit dem Android-Betriebssystem für Smartphones und Tablet-Computer. 200 Millionen der Geräte sind inzwischen in Benutzung, wie Google verkündete. Bislang fehlte aber ein eigener Musikladen wie ihn der Rivale Apple schon lange besitzt.

Gedränge in der Cloud

Der iPhone-Anbieter ist mit seinem 2003 gestarteten iTunes Store der weltgrößte Musikverkäufer und will sich diese Position auch nicht nehmen lassen. Am Montag startete Apple - zunächst ebenfalls nur für die USA - den Cloud-Dienst iTunes Match, mit dem man seine Musik im Netz lagern und von dort abrufen kann. Auch Google bietet seinen Nutzern einen ähnlichen Service an. Allerdings muss man bei Google die Songs tatsächlich in das Netzwerk hochladen, während Apple einen smarten Abgleich der Titel mit dem iTunes-Angebot vornimmt und den Anwendern damit einen stundenlange Upload der meisten Dateien erspart. Dafür handelte Apple erweiterte Lizenzen mit der Musikindustrie aus. Ein weiterer großer Spieler in dem Bereich ist der Online-Einzelhändler Amazon.

In dieser Woche sind bereits einige neue Musik-Projekte im Internet gestartet, zwei von ihnen sind allerdings noch nicht in Deutschland verfügbar. Das liegt an der komplizierten Rechtslage für das sogenannte Streaming: Dabei wird Musik direkt aus dem Netz abgespielt, ohne dass wie beim Musik-Download die Möglichkeit zum Speichern vorgesehen ist.

Konkurrenz mit unterschiedlichen Konzepten

Auf DJparty.fm treffen sich die Nutzer in virtuellen Räumen und bestimmen abwechselnd, welche Musik dort gespielt wird. Gleichzeitig können sie eine Figur, ihren Avatar, zum Tanzen bringen und sich mit den anderen Nutzern unterhalten. Die Songs werden von drei Dienstleistern bereitgestellt - Grooveshark, YouTube und Soundcloud. Der Betreiber der Plattform, die Cooee GmbH in Kaiserslautern, habe eine Vereinbarung mit der Gema getroffen und zahle entsprechende Gebühren, sagte Geschäftsführer Alexander Jorias.

Zugleich gibt es für die Download-Shops immer mehr Konkurrenz durch neue Streaming-Dienste wie Pandora oder Spotify. Der in Schweden gegründete und international zunehmend beliebte Streaming-Dienst Spotify nahm jetzt seinen Dienst in Österreich auf - für Deutschland konnte bisher keine Vereinbarung mit der Gema getroffen werden. Auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook bietet solchen Angeboten inzwischen eine Plattform, um seine rund 800 Millionen Nutzer zu erreichen.

san/DPA/DPA

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