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Online-Schnäppchenjagd kann teuer werden

30. Juni 2012, 17:18 Uhr

Schnäppchen oder Mogelpackung? Stiftung Warentest hat sechs Shoppingplattformen untersucht, die mit Rabatten von bis zu 80 Prozent werben. Keine war "gut", eine sogar nur "ausreichend".

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Besonders beliebtes Produkt beim Online-Shopping: Schuhe©

Markenware zu günstigen Preisen, egal ob Fernseher, Werkzeug oder Pullover - damit locken zahlreiche Shoppingportale. Doch wie gut sind die Onlineplattformen wirklich, die Rabatte bis zu 80 Prozent versprechen? Wie lange sind die Lieferzeiten, wie steht es um die Rückgabe? Stiftung Warentest hat sechs getestet, mit teils enttäuschendem Ergebnis. Einige der vermeintlichen Schnäppchen wurden storniert oder kamen gar nicht erst an.

Mit den fünf getesteten Clubs Pauldirekt (Note 3,1), Zalando (3,3), Brands4Friends (3,4), Buyvip (3,5) und Limango (3,5) waren die Tester insgesamt zufrieden. Nur eine Shoppingplattform fiel durch: Vente-privee. Bei Rücksendungen mit einem Warenwert von unter 40 Euro kassiert der Club eine Kostenpauschale von fünf Euro zuzüglich weiteren fünf Euro für Bearbeitung und Versand. Bei einem Kindershirt für zwölf Euro würde vente-privee im Fall einer Rücksendung nur zwei Euro erstatten. Auch bei den Zahlungsmöglichkeiten überzeugt der Dienst nicht. Vente-privee bietet lediglich Paypal und Kreditkartenzahlung an; Lastschrift, Rechnung und Nachnahme sind nicht möglich. Deshalb gibt es in der Gesamtnote nur eine 4,2 ("Ausreichend").

Lange Lieferzeiten

Zufrieden waren die Tester bei allen Plattformen mit den Preisen der Waren. Um in den Genuss der Rabatte zu kommen, müssen die Clubmitglieder aber das Risiko stornierter Aufträge und eine lange Wartezeit auf sich nehmen. Die meisten Shoppingclubs haben die angebotene Ware nicht vorrätig, sondern bestellen die Produkte erst nach Aktionsende. Und das kann dauern: Die Lieferzeit der Clubs variiert zwischen acht (Pauldirekt) und 16 Tagen (Vente-privee). Dreimal im Test wurde ein Auftrag storniert. Das Problem liegt im Geschäftsmodell der Shoppingclubs: Hat sich der Markenhersteller verzählt, kann er die versprochene Stückzahl nicht liefern - und einige Kunden gehen leer aus.

Das ist problematisch, weil die meisten Mitglieder sofort nach dem Kauf bezahlen, aber teilweise wochenlang auf die Lieferung warten müssen. Nur Pauldirekt kassiert erst beim Versand. Besonders extrem fiel Zalando auf: Ein Auftrag wurde erst nach sechs Wochen storniert.

Nachbessern sollten alle Plattformen beim Umgang mit den Kundendaten. Die Clubs erfassen mehr Daten als nötig und erschweren deren Löschung. Bei genauerem Hinsehen erweisen sich viele Datenschutzerklärungen als unpräzise. Zudem setzen alle Portale Cookies ein, die Informationen der Nutzer speichern. Besonders dreist: Die Webseiten von Pauldirekt und Vente-privee können ohne automatisch akzeptierte Cookies gar nicht genutzt werden. Das sollte sich auf jeden Fall ändern. Dann macht die Schnäppchenjagd noch mehr Spaß.

chf

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