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13. August 2010, 09:19 Uhr

Nicht nur Google zeigt ein Abbild der Welt

Die digitale Straßenansicht Street View macht Schlagzeilen, doch fast unbemerkt arbeiten auch andere Unternehmen längst an einem digitalen Abbild der Welt. Datenschützer fordern daher, die Diskussion nicht nur auf Googles umstrittenen Dienst zu beschränken.

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Die Firma Sightwalk bietet virtuelle Rundgänge durch große Städte an. Nicht immer mit aktuellem Bildmaterial: Das kleine Gebäude vor dem Gruner+Jahr-Pressehauses in Hamburg wurde vor rund zwei Jahren abgerissen© Screenshot

Eine Fahrt über die Golden Gate Bride in San Francisco, ein Spaziergang durch Manhattan, und das alles ganz digital: Viele denken da gleich an Googles umstrittene Straßenansicht Street View. Doch auch andere Unternehmen arbeiten an einem digitalen Abbild der Welt, darunter Software-Riese Microsoft mit seiner prall gefüllten Kasse. Angesichts dieser Bilderflut fordern Datenschützer, nicht nur über Google zu diskutieren.

Microsoft ist Google in Sachen Internet meist hinterher - so auch bei den Straßenansichten. Während der Suchmaschinen-Gigant bereits 2007 Street View startete und mittlerweile Panorama-Bilder aus 23 Ländern anbietet, ist das Microsoft-Pendant Streetside bislang auf die USA beschränkt. In Deutschland ist es noch nicht verfügbar.

Doch die Pläne des Windows-Herstellers sind ambitioniert - bei einigen Projekten sogar ambitionierter als das, was von Google bekannt ist. Schon heute bietet der Kartendienst Bing Maps einen Blick aus der Vogelperspektive. Alle deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern sind von schräg oben zu besichtigen.

Und mit Photosynth lassen sich Bilder von einem Ort zu 3D-Ansichten zusammenpuzzeln. Bislang gibt es nur Ansichten von viel fotografierten Sehenswürdigkeiten. Ein Blick auf die Freiheitsstatue in New York oder den Marienplatz in München zeigt aber, was möglich ist. Man wolle "wesentliche Teile der Welt rekonstruieren", erklärte Blaise Agüera y Arcas, den Microsoft als "Architekten" von Bing Maps bezeichnet. Das gilt sogar für die Innenräume von Geschäften oder öffentlichen Gebäuden. Um auch solche Ansichten zu gewinnen, sind Mitarbeiter des Unternehmens mit einem Fotorucksack unterwegs.

Mithilfe von Fotofans

Die Fotodienste von Google und Microsoft wären nichts ohne die Hilfe der vielen Fotofans, Lokalpatrioten oder Fremdenverkehrsämter. Sie laden Tag für Tag ihre Bilder und Videos auf Plattformen wie Flickr, Panoramio oder Youtube hoch, oft versehen mit den Koordinaten des Aufnahmeortes. Dieses Sammelsurium dient als Steinbruch.

Die Photosynth-Kreationen setzen sich komplett aus Bildern der Nutzer zusammen. Und Google reichert die Straßenkarte Maps und den digitalen Globus Earth um Fotos von der Plattform Panoramio an, die der Konzern im Mai 2007 gekauft hat. Wer auf die Miniaturen klickt, sieht die Aufnahmen in voller Größe.

Dies birgt allerdings Probleme in Sachen Datenschutz. Der IT-Journalist Marcus Schwarze von der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) spricht in seinem Blog von einer "Light-Variante" von Street View, die durch die Hintertür eingeführt worden sei - ganz ohne öffentliche Diskussion. Pixelung von Personen, ein Widerspruchsrecht für Hausbewohner ein "transparentes Verfahren zur Entfernung von Bildern": "Fehlanzeige".

Neben den IT-Größen aus Amerika mischen auch deutsche Unternehmen im großen Bilderspiel mit. Das Projekt Bilderbuch Köln etwa will alle Häuser der Rheinmetropole fotografieren, ins Netz stellen und so eine "virtuelle Navigation" durch die Stadt ermöglichen. Das Landgericht Köln wies die Klage eines Hausbesitzers ab und befand den Dienst für zulässig. Und die Firma Sightwalk bietet bebilderte Spaziergänge durch sieben deutsche Städte an.

Die verschiedenen Dienste bieten ein faszinierendes digitales Abbild der Welt. Bei allen Vorteilen für Touristen, Wohnungssuchende oder Stadtfremde bleibt aber die Frage: Wie lässt sich angesichts dieser Bilderflut die Privatsphäre der Bürger wahren? Der Ruf nach der Reform der Datenschutzgesetze wird wieder laut. Der Bundesrat hat kürzlich einen Gesetzentwurf zur Regulierung von Diensten wie Street View verabschiedet.

Auch der Datenschützer Moritz Karg hält eine Reform für sinnvoll - aber nicht in der Form, wie es die Länder vorgeschlagen haben. "Der Entwurf geht nicht das grundlegende Problem an", sagt der Jurist vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD).

Er verweist auf ein Eckpunkte-Papier, das die Datenschützer aus Bund und Ländern verabschiedet haben. "Wir fordern eine technologieneutrale Reform der Datenschutzgesetze, die unabhängig von einzelnen Technologien und Diensten dem Recht des einzelnen auf Privatsphäre im digitalen Zeitalter gerecht wird." Street View ist für ihn nur die "Spitze des Eisbergs".

DPA
 
 
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