Ein Alptraum: Jemand schreibt Nachrichten unter dem eigenen Namen, beleidigt Freunde, streut Gerüchte und verabredet sich mit Bekannten zum Sex. Genau das ist einer 23-jährigen Lehramtstudentin aus Augsburg passiert. Ein Fremder hatte sich in ihren StudiVZ-Account eingehackt. Von Heidi Beha

Nutzer von Online-Netzwerken leben gefährlich: Ihr Konto könnte gehackt werden© DDP
Für Freddy fing vor vier Wochen alles harmlos an: Sie erhielt plötzlich sehr viele Nachrichten von Männern aus ihrer StudiVZ-Freundesliste. "Ich wusste gar nicht warum mir auf einmal alle mailten und teilweise sogar Flirt-Nachrichten schrieben," sagt die blonde Studentin. Schlagartig war sie zum Männerschwarm unter ihren StudiVZ-Freunden geworden.
Die Studentin saß vor ihrem Computer und wollte wie jeden Tag ihre Nachrichten im StudiVZ abrufen, aber sie konnte sich nicht einloggen. So ging es Freddy, ihren vollständigen Namen möchte sie nicht preisgeben, ein paar Tage lang, bis sie bemerkt hat, dass jemand anderes über ihren Account online war. "Mit der Zeit begann ich, an mir selbst zu zweifeln, wenn eine Nachricht als gelesen markiert war, die ich noch gar nicht geöffnet hatte." Freddy hat das leichtfertig erst einmal auf einen Systemfehler bei StudiVZ oder die eigene Schlamperei geschoben. Wie lange der Ghostwriter in ihrem Namen gegruschelt und gemailt hat, weiß nur er selbst.
Ihre neue Beliebtheit bei Männern im StudiVZ war nur bedingt positiv und kehrte sich bald ins andere Extrem um. Freunde erhielten saftige Beleidigungen und Anfeindungen von ihrem Account per Nachricht. Freddy bekam dann aus heiterem Himmel Beschimpfungen von guten Freunden zurück, ohne zu wissen warum. Der Hacker löschte immer sofort alle Nachrichten, die er geschrieben hatte. So war es für Freddy unmöglich nachzuvollziehen, auf was die angeschriebenen Leute antworteten. "Ich konnte nicht mehr ran und er machte da irgendetwas in meinem Namen, auf das ich keinerlei Einfluss hatte, ja noch viel schlimmer, ich konnte das noch nicht einmal mehr nachvollziehen." Sie änderte dann ihr Passwort öfter und benutzte dabei Groß- und Kleinschreibung, 20-stellige Wörter und Sonderzeichen. Trotzdem hat der Hacker sich immer wieder neu Zugang verschafft.
Freddy schrieb daraufhin den Betreibern von StudiVZ eine E-Mail, in der sie ihr Problem schilderte. Es habe dann Tage gedauert, bis eine Antwort auf ihre E-Mail kam. Sogar als sich Freddy über die Polizei an StudiVZ wandte, um ihren Account sperren zu lassen, dauerte es einige Tage, bis eine Reaktion kam. Freddy hatte indessen Anzeige erstattet. Den Täter beziehungsweise die Täterin hat die Polizei bisher nicht ermitteln können. Verleumdung, üble Nachrede und die Fälschung beweiserheblicher Daten sind die strafrechtlichen Bezeichnungen dafür, was der Hacker Freddy angetan hat. Bei StudiVZ muss kein Identitätsnachweis erbracht werden, um ein Benutzerprofil anzulegen. Niemand überprüft, welcher Mensch hinter dem Usernamen steht.
Von Seiten der StudiVZ-Betreiber heißt es, man kenne das Problem nicht. "Es kommt nur vor, dass Nutzer ihr Passwort an Freunde weitergeben, die Freundschaft auseinander geht und dann Nachrichten von jenen ehemaligen Freunden verschickt werden," so Pressesprecher Dirk Hensen. Schutzmechanismen sind bei StudiVZ kaum vorhanden. Es gibt keine E-Mail-Benachrichtigung oder ähnliches, wenn jemand ein falsches Passwort eingibt, um in einen fremden Account zu gelangen.
"Der Hacker hatte sich richtig in meine Persönlichkeit eingelesen. Er hat mein ganzes Leben ausgespäht und nachvollzogen, was bei mir und meinem Freundeskreis für Themen und Probleme aktuell sind," sagt Freddy. Ausspähen konnte er mit Hilfe von Hunderten von alten Nachrichten. "Ich hatte alle Nachrichten noch gespeichert, die ich je geschrieben habe."
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