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9. Juli 2008, 22:36 Uhr
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Identitätsklau im Online-Netzwerk

Ein Alptraum: Jemand schreibt Nachrichten unter dem eigenen Namen, beleidigt Freunde, streut Gerüchte und verabredet sich mit Bekannten zum Sex. Genau das ist einer 23-jährigen Lehramtstudentin aus Augsburg passiert. Ein Fremder hatte sich in ihren StudiVZ-Account eingehackt. Von Heidi Beha

Nutzer von Online-Netzwerken leben gefährlich: Ihr Konto könnte gehackt werden© DDP

Für Freddy fing vor vier Wochen alles harmlos an: Sie erhielt plötzlich sehr viele Nachrichten von Männern aus ihrer StudiVZ-Freundesliste. "Ich wusste gar nicht warum mir auf einmal alle mailten und teilweise sogar Flirt-Nachrichten schrieben," sagt die blonde Studentin. Schlagartig war sie zum Männerschwarm unter ihren StudiVZ-Freunden geworden.

Die Studentin saß vor ihrem Computer und wollte wie jeden Tag ihre Nachrichten im StudiVZ abrufen, aber sie konnte sich nicht einloggen. So ging es Freddy, ihren vollständigen Namen möchte sie nicht preisgeben, ein paar Tage lang, bis sie bemerkt hat, dass jemand anderes über ihren Account online war. "Mit der Zeit begann ich, an mir selbst zu zweifeln, wenn eine Nachricht als gelesen markiert war, die ich noch gar nicht geöffnet hatte." Freddy hat das leichtfertig erst einmal auf einen Systemfehler bei StudiVZ oder die eigene Schlamperei geschoben. Wie lange der Ghostwriter in ihrem Namen gegruschelt und gemailt hat, weiß nur er selbst.

Ihre neue Beliebtheit bei Männern im StudiVZ war nur bedingt positiv und kehrte sich bald ins andere Extrem um. Freunde erhielten saftige Beleidigungen und Anfeindungen von ihrem Account per Nachricht. Freddy bekam dann aus heiterem Himmel Beschimpfungen von guten Freunden zurück, ohne zu wissen warum. Der Hacker löschte immer sofort alle Nachrichten, die er geschrieben hatte. So war es für Freddy unmöglich nachzuvollziehen, auf was die angeschriebenen Leute antworteten. "Ich konnte nicht mehr ran und er machte da irgendetwas in meinem Namen, auf das ich keinerlei Einfluss hatte, ja noch viel schlimmer, ich konnte das noch nicht einmal mehr nachvollziehen." Sie änderte dann ihr Passwort öfter und benutzte dabei Groß- und Kleinschreibung, 20-stellige Wörter und Sonderzeichen. Trotzdem hat der Hacker sich immer wieder neu Zugang verschafft.

StudiVZ reagierte langsam

Freddy schrieb daraufhin den Betreibern von StudiVZ eine E-Mail, in der sie ihr Problem schilderte. Es habe dann Tage gedauert, bis eine Antwort auf ihre E-Mail kam. Sogar als sich Freddy über die Polizei an StudiVZ wandte, um ihren Account sperren zu lassen, dauerte es einige Tage, bis eine Reaktion kam. Freddy hatte indessen Anzeige erstattet. Den Täter beziehungsweise die Täterin hat die Polizei bisher nicht ermitteln können. Verleumdung, üble Nachrede und die Fälschung beweiserheblicher Daten sind die strafrechtlichen Bezeichnungen dafür, was der Hacker Freddy angetan hat. Bei StudiVZ muss kein Identitätsnachweis erbracht werden, um ein Benutzerprofil anzulegen. Niemand überprüft, welcher Mensch hinter dem Usernamen steht.

Von Seiten der StudiVZ-Betreiber heißt es, man kenne das Problem nicht. "Es kommt nur vor, dass Nutzer ihr Passwort an Freunde weitergeben, die Freundschaft auseinander geht und dann Nachrichten von jenen ehemaligen Freunden verschickt werden," so Pressesprecher Dirk Hensen. Schutzmechanismen sind bei StudiVZ kaum vorhanden. Es gibt keine E-Mail-Benachrichtigung oder ähnliches, wenn jemand ein falsches Passwort eingibt, um in einen fremden Account zu gelangen.

"Der Hacker hatte sich richtig in meine Persönlichkeit eingelesen. Er hat mein ganzes Leben ausgespäht und nachvollzogen, was bei mir und meinem Freundeskreis für Themen und Probleme aktuell sind," sagt Freddy. Ausspähen konnte er mit Hilfe von Hunderten von alten Nachrichten. "Ich hatte alle Nachrichten noch gespeichert, die ich je geschrieben habe."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zu dem Identitätsklau kam.

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KOMMENTARE (10 von 17)
 
Andi_3000 (11.07.2008, 20:53 Uhr)
Telefon ist doch auch nicht sicher...
Zitat vom Stern Artikel: "Jetzt nutzt Freddy andere Kommunikationswege wieder häufiger, als die Internetcommunity: das Handy und das Festnetztelefon. Denn dabei kann wenigstens nur jemand mithören und nicht in ihrem Namen sprechen."
Richtig, aber mitschneiden und analysieren geht. Und dann geht es los...
Elementarteilchen (11.07.2008, 11:53 Uhr)
Habe selten so schöne Artikel hier gelesen!
Sehr spannend! Und vor allem sowohl recherchiert, als auch gut geschrieben! Der Einstieg und der Schluss sind besonders gut gelungen!
Würde gerne mehr von diesem Autor lesen!
havranek (10.07.2008, 13:34 Uhr)
Online "Freunde"
Schon toll dieses Internet, vorallem wenn sich dann im StudiVZ die Bild- oder Stern-Reporter als virtuelle Freunde ausgeben, um danach auf hinterlistige Weise an Informationen rankommen und sich einen Dreck um Moral oder Privatspähre der Opfer kümmern.
Im Prinzip fast gleichzustellen mit Pädophilen, die wenden die gleichen Taktiken an wie man so liest.
warbird (10.07.2008, 09:41 Uhr)
Identitätsklau
Am Ende der ersten Seite steht "Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zu dem Identitätsklau kam". Kann jemand dazu auf der zweiten Seite was konkretes finden, oder hab ich das überlesen?!
exiled (10.07.2008, 09:34 Uhr)
@faustjucken_de
...das mag ja richtig sein, nur was nützt Dir das? Angenommen, wir beziehen das jetzt mal auf meine ID: aus meinen Kommentaren kannst du nicht im Geringsten darauf schließen, wer ich bin, bestenfalls, wie ich bezüglich des ein oder anderen Temas denke. Klar kannst du Dich hier im Forum unter dem gleichen Nicknamen anmelden und Unruhe verbreiten, aber das iteressiert mich doch herzlich wenig, denn ich wäre ja schön doof, wenn ich mich hier unter meinen richtigen Daten angemeldet hätte. Soetwas macht man einfach nicht, weil's viel zu riskant ist. Selbst bei Ebay würde ich da nicht machen. Allerdings ist es dort nicht so schwierig, auf eine Person zu schließen, denn die Adresse, die man angibt, um sich seine Items schicken zu lassen, verrät natürlich vieles.
Selbst die Surf-ID lässt sich umgehen, also kann noch nicht einmal wirklich nachvollzogen werden, wo der böse Wicht eigentlich sitzt:) Nur soviel zum Thema Selbstoffenbarung.
Absolut sicher ist man niemals - das ist klar, denn alles, was sich ein schlauer Kopf ausdenkt, wird promt von einem anderen Kopf ausgetrickst oder weiter entwickelt. das ist Fortschritt und nicht zu vermeiden.
Aber man kann sein Risiko minimieren, wenn man nicht naiv seine Sachen im Netz abstreut, besonders nicht in 'Sozialen Netzwerken', denn da würde jeder Gangster zuerst nachsuchen.

frank77777 (10.07.2008, 09:29 Uhr)
@faustjucken ähem ???
lol Super Argument du googlest um
hier die Kommentare zu lesen.
Sind Kommentare neuerdings geheim.
Ich schmeiss mich weg vor lachen.
Wahrscheinlich erhälst Du deine Tageszeitung verschlüsselt, aber kein Problem .... lach
frank77777 (10.07.2008, 09:23 Uhr)
Hey ufbasse !!!
Selten so gelacht !!!
Das sind die selben leute die Ihre
Geheimzahl auf die EC Karte schreiben und sich dann wundern......
faustjucken_de (10.07.2008, 09:05 Uhr)
Jaja, das Internet ist böse..
Jetzt kommen all die Mahner wieder aus ihren Löchenr gekrochen...
"Jaja, wie dumm muss man sein...?"
"Wer stellt schon Persönliches ins Netz..." Blablabla
Immer die gleiche Leier.
Dann sage ich euch mal folgendes, ihr Klugscheißer, ich gebe euren Nick von STERN in google ein und finde rückwirkend jeden Kommentar, den ihr je hier abgelassen habt.
Soweit zu dem Thema Selbstoffenbarung.
Was der Studentin passiert ist, ist absolut traumatisch, aber trotzdem ein bedauerlicher Einzellfall.
Und wie schon ein Vorredner bin ich auch der Meinung, dass höchstwahrscheinlich ihr Rechner gehackt ist. Dazu gibt es tausend Möglichkeiten: Backdoors, USB-Sticks, Keylogger, WLAN-Lücken etc.
Da nützt auch das beste Passwort nichts.
vegefranz (10.07.2008, 08:17 Uhr)
dämlich
wie man es dreht und wendet: die Studentin ist durch ihre eigene Fahrlässigkeit (vulgo: Dämlichkeit)in diese Lage gekommen. Wer auch nur im Entferntesten an eine Privatsphäre im Netz durch "Passwörter" glaubt, dem ist nicht zu helfen
endbenutzer (10.07.2008, 08:04 Uhr)
Wie krank...
...muss so ein Hacker eigentlich sein, dass so etwas Spaß bereitet?
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