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8. Januar 2008, 10:39 Uhr

"Wikis unvollendete Websuche"

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales will den Suchmaschinenriesen Google angreifen. Doch sein neues Projekt Wikia.com erntet nichts als Hohn und Spott. Von Matthias Lambrecht

Bei Wikia Search ist bisher nur die Startseite übersetzt, der Rest ist auf Englisch© Wikia Search

Als Jimmy Wales das erste Mal gegen Goliath antritt, hat der Wikipedia-Gründer alle Sympathien auf seiner Seite. Im Spätsommer 2001 stellt er mit kaum mehr als 100 Freiwilligen einige Tausend Beiträge in das Internetlexikon. Die "New York Times" beurteilt das Ergebnis anschließend so: "Selbst wenn Wikipedia kein populäres Nachschlagewerk wird, könnte es überleben, weil es denen etwas gibt, die daran arbeiten."

Inzwischen ist Wikipedia längst mehr als eine Beschäftigungstherapie für Idealisten: Die Qualität des gesammelten Wissens ist mit der renommierter Enzyklopädien vergleichbar, die Site rangiert weltweit unter den zehn meistbesuchten Anlaufstellen im Web. Wenn Wales nach Brockhaus und Britannica nun Microsoft, Yahoo und vor allem Google ins Visier nimmt, kann er keinen Anfängerbonus mehr erwarten. Mit Wikia, seiner neuen Suchmaschine, fordert der Wikipedia-Gründer seit Montag die etablierten Anbieter heraus. Die neue Plattform soll von den Nutzern laufend verbessert werden - durch Bewertungen von Suchergebnissen, selbst verfasste Artikel und die Weiterentwicklung des Suchalgorithmus.

Gegen den Flaschenhals

In den vergangenen Wochen hatte Wales für sein neues Projekt getrommelt. "Es ist ungesund für die Bürger der Welt, dass ein so großer Teil unserer Informationen von wenigen Spielern hinter verschlossenen Türen kontrolliert wird", postulierte er. Mit Wikia und der Macht Tausender freiwilliger Helfer solle der Flaschenhals, der den weltweiten Informationsfluss hemme, beseitigt werden.

Doch auf der am Montag ins Netz gestellten Suchseite tröpfeln die Informationen nur. Mengenmäßig wird ebenso wie qualitativ wenig geboten: Wer etwa "Merkel" eingibt, findet nach der Kanzlerinnen-Homepage auf Rang zwei eine private Arbeitsvermittlung in Regensburg. Ätzende Kritik lässt nicht lange auf sich warten: "Ein totaler Reinfall", urteilt Michael Arrington vom renommierten Silicon-Valley-Blog Techcrunch und orakelt, diese "unentschuldbare Zeitverschwendung" werde sich wohl niemand antun.

"Ja, die Suche nervt", räumt Wales ein, der sich in die Onlinedebatte auf Arringtons Website eingeklinkt hat. Doch darum gehe es nicht: Wikia sei ein Projekt zum Bau einer Suchmaschine - keine fertige Suchmaschine. Dass die Bauarbeiten mit Tausenden unbezahlten Freiwilligen schnell vorangehen, daran hat Wales keine Zweifel. Auch dass er diesmal, anders als bei Wikipedia, Anzeigenplätze verkaufen und Geld verdienen will, werde die Enthusiasten nicht abschrecken. "Ich glaube, wir sind einfach zu verseucht von dem Gedanken, alle Menschen seien geldgierig", so Wales kürzlich in einem Interview. Die Leute, die bei ihm die Websites vollschreiben, arbeiten schließlich nicht: "Die haben einfach Spaß."

Von Matthias Lambrecht
 
 
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