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25. Januar 2006, 10:52 Uhr

Google übt in China Selbstzensur

Um in China sein Angebot betreiben zu können, beugt sich Google den Bedingungen der Regierung und übt Zensur bei bestimmten Suchbegriffen. MSN und Yahoo! machen das auch so. Kritik wird laut.

Die riesigen Märkte in China sind so verlockend, dass viele Internetanbieter sich den Bedingungen der Regierung beugen© www.google.com/cn

Google zensiert seine neue Suchmaschine in China. Zum Start des Dienstes räumte das Internetunternehmen am Mittwoch ein, dem Druck der chinesischen Regierung nachgegeben zu haben und selbst aktiv politisch heikle Themen zu filtern. "Um in China operieren zu können, haben wir einige Inhalte von den Suchergebnissen entfernt, die www.google.cn zur Verfügung stellt." Als Grund wurden chinesische "Gesetze, Vorschriften und Politik" genannt. Der Schritt stieß auf heftige Kritik.

Google folgt seinen Mitbewerbern

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sprach von einem "schwarzen Tag für die Meinungsfreiheit in China". Jetzt könnten die 110 Millionen Internetnutzer in China über diese chinesische Suchmaschine nur Material finden, das von der Regierung genehmigt ist und nichts mit Demokratie, Menschenrechten in China oder Tibet zu tun habe. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verurteilte den "Schmusekurs mit dem totalitären Regime" in China. Google mache sich zum "Gehilfen eines Unrechtsregimes, das das Internet systematisch zur Sicherung der eigenen Schreckensherrschaft missbraucht".

Zu den Tabuthemen in China gehören Taiwan, Tibet und das Massaker nach der Demokratiebewegung um den Tian’anmen-Platz 1989 sowie Kritik an der Kommunistischen Partei oder die Kultbewegung Falun Gong.

Google folgte mit der Selbstzensur seinen Wettbewerbern Yahoo und Microsoft mit MSN Search, die ihre Inhalte in China bereits seit längerem selbst zensieren.

Google werde die Benutzer informieren, wenn sie gesperrte Begriffe eingäben, erklärte Google weiter. Dies tut das Unternehmen bereits zum Beispiel in Deutschland, Frankreich oder den USA, wo es etwa den Zugang zu nationalsozialistischen Internet-Seiten blockiert.

Zensur macht langsam

Google argumentierte, indem seine Suchmaschine bisher von außerhalb Chinas operiert habe, sei es zu Wartezeiten und Zugangsproblemen gekommen. Grund dafür ist die "Great Firewall", mit der die chinesische Regierung alle ausländische Angebote zensiert. Dieses Verfahren habe die Performance von Google extrem verlangsamt. Die neue Suchmaschine in China biete jetzt den gewohnten schnellen Zugang. Experten wiesen darauf hin, dass Google bisher schon Inhalte in seinen Nachrichtenseiten entfernt habe, aber nicht in seinen Suchergebnissen.

In dem Unternehmen, dessen Motto "Don't be evil" (Seid nicht böse) ist, war von einer "sehr schwierigen Entscheidung" die Rede. Andrew McLaughlin von Google argumentierte, indem der Suchdienst bisher von außerhalb Chinas operiert habe, sei es zu Wartezeiten und Zugangsproblemen gekommen. Mit seinem neuen Dienst google.cn werde ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Nutzer, größerem Zugang zu Informationen und "der Antwort auf lokale Bedingungen in den Märkten, die wir bedienen", angestrebt. Chinas Behörden machen keinen Hehl daraus, dass nur eine uneingeschränkte Befolgung der Zensur die Bedingungen schafft, um auch große Investitionen tätigen zu können.

Der bisher von den USA aus operierende internationale chinesisch- sprachige Suchdienst läuft noch weiter, doch gehen Experten davon aus, dass sich in China eher die neue und schnellere Suchmaschine durchsetzen wird. Andere populäre Google-Produkte wie Gmail und Blogger will das Unternehmen offenbar aus Rücksicht auf die komplizierten Bedingungen noch nicht in China einführen.

Die liberale britische Tageszeitung "The Guardian" kommentierte Googles Selbstzensur: "Es ist leicht zu verstehen, warum Google das macht. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass es nun nicht mehr das Unternehmen ist, das es gestern noch war."

DPA/Reuters
 
 
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