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Die neue Herrin über Youtube

Susan Wojcicki? Bislang kannten nur Brancheninsider die langjährige Google-Mitarbeiterin. Als neue Youtube-Chefin muss sie die bekannteste Videoplattform der Welt in das nächste Zeitalter führen.

Von Christoph Fröhlich

  Susan Wojcicki ist die neue Youtube-Chefin

Susan Wojcicki ist die neue Youtube-Chefin

Der Mythos der Garage zieht sich quer durch die Geschichte der Computer: Steve Jobs schraubte in den beengten vier Wänden seiner Garage mit Steve Wozniak im Jahr 1976 an seinem ersten Macintosh herum, Bill Gates soll unter ähnlichen Bedingungen den Grundstein für das Betriebssystem Windows gelegt haben. Und auch die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin traten zwei Jahrzehnte später von einer Garage aus den Siegeszug im Internet an.

Es war im Spätsommer 1998 als Brin und Page die Idee für eine neuartige Suchmaschine hatten, doch ihnen fehlte ein Firmensitz für ihr frisch gegründetes Internetunternehmen. Nach kurzer Zeit wurden sie bei Susan Wojcicki fündig: Sie hatte an der Elite-Uni Harvard studiert und sich kurz zuvor ein Haus in Menlo Park, Kalifornien, für knapp 600.000 US-Dollar gekauft. Um die Haushaltskasse etwas aufzubessern, vermietete sie ihre Garage für 1700 Dollar im Monat an die beiden Stanford-Studenten. Es war vermutlich der Moment, der ihr Leben am nachhaltigsten veränderte: Nicht einmal ein Jahr später machten Brin und Page ihre Vermieterin zu einer der ersten Mitarbeiterinnen (Nummer 16) von Google. Bis heute ist sie dem Unternehmen treu geblieben.

"Gesunde Respektlosigkeit"

Die mittlerweile 45-Jährige legte eine steile Karriere hin: Susan Wojcicki, die Tochter von Esther und Stanley Wojcicki, einer Lehrerin und eines polnisch-amerikanischen Physikprofessors, war verantwortlich für die Werbeanzeigen der noch jungen Internetfirma. Mit ihrer Hilfe wurde aus dem Startup ein milliardenschwerer Konzern. Bis heute macht Google den Großteil seines Umsatzes mit Werbung, zuletzt waren es etwa 80 Prozent der Einnahmen. 2012 entsprach das 43,5 Milliarden Dollar.

Seit Jahren gilt Wojcicki als eine der mächtigsten Frauen im Silicon Valley, "Forbes" bezeichnet sie als eine der einflussreichsten Frauen der Welt. Deshalb versuche sie nicht nur ihren Job bestmöglich zu machen, sondern auch ein Vorbild für andere Frauen zu sein, sagte sie in einem Interview mit dem "Forbes"-Magazin. Nun hat sie die nächste Stufe der Karriereleiter erklommen: Wojcicki ist zur Chefin des Videoportals Youtube ernannt wurden. Sie wird die Nachfolgerin von Salar Kamangar, der Youtube im Jahr 2010 nach den Rückzug des Mitgründers Chad Hurley übernommen hatte.

Zwar gab es immer wieder Gerüchte, dass Kamangar als Youtube-Chef abgelöst werden soll. Dass nun aber Wojcicki auf den Chefsessel der vielleicht wichtigsten Marke des Google-Imperiums sitzt, überrascht selbst Branchenkenner. Sie habe "eine gesunde Respektlosigkeit gegenüber dem Unmöglichen", sagte Google-Gründer Sergey Brin über seine vielleicht wichtigste Mitarbeiterin.

Ein Portal der Superlative

Die Werbeexpertin soll nun den hauseigenen Videokanal ankurbeln, der nach wie vor als einer der größten Boom-Märkte im Netz gilt. Im vergangenen Jahr spielte die Plattform 5,6 Milliarden US-Dollar ein, knapp die Hälfte mehr als im Jahr davor. Zwar ging der Großteil davon an die Videoproduzenten, knapp zwei Milliarden Dollar wurden in die Google-Kassen gespült.

Derzeit besuchen mehr als eine Milliarde User pro Monat die Videoplattform Youtube. Knapp sechs Milliarden Stunden Videomaterial werden monatlich abgerufen, das ist knapp eine Stunde für jeden Menschen auf der Welt. Jede Minute werden 100 Stunden neues Videomaterial hochgeladen.

Der Umsatz wird in den nächsten Jahren dank schneller werdender Übertragungsmöglichkeiten und der größeren Verbreitung von Smartphones und Tablets weiter steigen: 80 Prozent der Videoabrufe kommen außerhalb der Vereinigten Staaten, derzeit wird Youtube in 61 Ländern angeboten. Und in der jungen Zielgruppe der 18-34-Jährigen ist das Portal schon jetzt angesagter als das herkömmliche Kabelfernsehen. Aus diesen Zahlen lässt sich nur eines schlussfolgern: Die fetten Jahre kommen erst noch. 40 Prozent aller Videoabrufe geschehen auf Mobilgeräten, Tendenz steigend.

Spagat zwischen Amateuren und Profis

Welche Pläne Wojcicki mit Youtube hat, ist nicht bekannt. Ihre wichtigste Aufgabe wird sein, dass Portal so zu positionieren, dass sowohl die Millionen Hobbyfilmer als auch die vergleichsweise professionellen Inhalte-Ersteller zufriedengestellt werden. Denn die Zeiten, in denen auf Youtube nur Ulk- und Katzenvideos zu sehen waren, sind längst vorbei. Längst nutzen Künstler die Seite für ihre neuen Musikvideos oder Kinotrailer: Die Rockband "Böhse Onkelz" etwa kündigte ihr Comeback auf Youtube an, der US-Sender Starz stellt die erste Episode seiner Piratenserie "Black Sails" auf Youtube zur Verfügung. Zugleich muss sich Wojcicki gegen die größer werdende Konkurrenz der Streaminganbieter wie Netflix oder Hulu behaupten.

Auf Twitter schrieb Wojcicki: "Ich bin ganz aufgeregt wegen Youtube - es hat ein wundervolles Team, eine großartige Community und begeisternde Inhalteersteller" Scherzhaft ergänzte sie: "Ich freue mich darauf, in Zukunft mehr Filme während meiner Arbeitszeit schauen zu können."

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