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Sie fragte Tinder nach ihren persönlichen Daten - und bekam 800 Seiten intimer Geheimnisse

Eine Journalistin will von Tinder wissen, welche Daten über sie gespeichert werden. Sie erhält 800 Seiten intimster Geheimnisse, die zeigen: Im Dating-Wettkampf zeigt man sich oft nicht von seiner besten Seite - und gibt viel zu viel von sich preis. Das kann sich rächen.

Online Stalking

Tinder ist eine der populärsten Dating-Apps

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Tinder ist die wohl populärste Dating-App der Welt. Mehr als 50 Millionen Nutzer weltweit hoffen mit der Anwendung die Liebe zu finden - oder wenigstens eine Bett-Begleitung für eine Nacht. Eine von ihnen ist Judith Duportail, eine in Berlin lebende Journalistin, die für den britischen "Guardian" schreibt. Sie ist seit dem 18. Dezember 2013 auf Tinder aktiv und hat seitdem 870 verschiedene Menschen gematched, beide Nutzer fanden sich also gegenseitig interessant und hätten sich näher kennenlernen können.

Duportail hat nicht mitgezählt, sondern den Anbieter im März um alle Daten gebeten, die über sie gespeichert wurden. Und das sind viele: Am Ende hielt sie ein 800-seitiges Dokument in den Händen. Darin sind unzählige persönliche Daten enthalten: Harmlose Fakten, etwa was die Journalistin auf geliked hat, ihre Fotos auf Instagram (obwohl der entsprechende Account mittlerweile gelöscht wurde), wie oft sie sich eingeloggt hat.

"Schockiert, aber nicht überrascht"

Aber auch sensible Informationen. Jeden einzelnen Chat konnte sie nachlesen, inklusive Uhrzeit und Ort. Wie alt die waren, die sie gut fand - und wie sie drei Kerlen hintereinander denselben Witz schickte, um ihnen zu imponieren. Es war ein Blick in ihre intimsten Geheimnisse aus vier Jahren Online-Dating. "Tinder kennt die echte, unrühmliche Version von mir", gibt Duportail zu. Der App-Anbieter weiß, wie häufig sie weiße, schwarze der asiatische Männer matcht, welche Worte sie am häufigsten nutzt und wie lange Menschen das eigene Profilbild anstarrten, ehe sie zur Seite wischten.

"Ich war schockiert, aber nicht überrascht von dieser Datenmenge", sagt Olivier Keyes, Wissenschaftler an der Universität von Washington. "Jede App, die du auf deinem Smartphone nutzt, sammelt ähnliche Daten. Facebook hat Tausende Seiten über dich!" Eine Studie aus dem Sommer zeigt, dass Tinder-Nutzer besonders offenherzig mit ihren Daten umgehen.

Das sei kein Zufall, erklärt Luke Stark, Soziologe der Dartmouth University. "Apps wie Tinder nutzen ein simples, emotionales Phänomen aus: Wir können Daten nicht fühlen. Deshalb ist es auch so schwierig, all das ausgedruckt vor sich zu haben. Wir sind physische Wesen." Schwarz auf Weiß zu sehen, wie man mit 16 Menschen gleichzeitig flirtet, nur um sich anschließend bei keinen von ihnen mehr zu melden, war offenbar auch für die Journalistin nicht einfach.

Was ist im Falle eines Hacks?

Das Sammeln und Horten von Daten gehört zu Tinders Geschäftsmodell. Je mehr der Konzern über seine Nutzer weiß, desto besser sind die Vorschläge für potentielle Partner - und desto wertvoller sind die Informationen für Werbekunden, die ihre Banner und Werbeclips auf einzelne Nutzer zuschneiden können. Im Falle einer Cyberattacke kann sich die freigiebige Haltung vieler Nutzer aber rächen: Man solle nicht erwarte, dass "persönliche Informationen, Chats oder andere Kommunikationen für immer sicher bleiben", räumt Tinder in seiner Privacy Policy ein. Im schlimmsten Fall würden die 800 Seiten für alle einsehbar im Netz stehen. Für viele Nutzer ein Albtraum.  

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cf

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