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Wie Hacker ein ganzes Krankenhaus als Geisel halten

Wenn ein Erpressungstrojaner den Computer sperrt, ist das extrem ärgerlich. In einem aktuellen Fall ist es aber lebensgefährlich. Hacker haben ein ganzes Krankenhaus lahmgelegt - und fordern Lösegeld in Millionenhöhe.

Ransomware Hacker Trojaner Krankenhaus

Ob die Hacker das Krankenhaus gezielt angriffen oder der Trojaner die Rechner durch Zufall lahmlegte, ist umstritten.

Erpressersoftware hat sich in den letzten Jahren zur größten Plage des Internets entwickelt. Sie sperrt den Computer und verschlüsselt sämtliche Daten. Ob Steuererklärung oder Hochzeitsfotos: Alles ist für den Nutzer futsch. Es sei denn, er zahlt ein Lösegeld. Meist geht es um einige Hundert Euro. In Kalifornien hat die Masche nun aber eine neue Dimension erreicht: Hacker haben ein ganzes Krankenhaus übernommen - und wollen nun Millionen sehen.

Wie der US-Fernsehsender NBC berichtet, herrscht im Hollywood Presbyterian Medical Center in Los Angeles seit dem 5. Februar der Ausnahmezustand. Die Rechner sind nicht mehr benutzbar, das Personal schickt sich statt E-Mails wieder Faxe. Wenn die Leitungen mal frei sind. Denn durch das hohe Aufkommen sollen sie regelmäßig blockiert sein. Patientendaten werden mit Stift und Papier verarbeitet, Notfälle werden auf andere Krankenhäuser umgelegt. Der Betrieb geht indes weiter.

Normaler Betrieb kaum möglich

Glaubt man dem Krankenhaus-Geschäftsführer Allen Stefanek, soll der Ausfall keinen negativen Einfluss auf den Klinikbetrieb haben, das sagte er dem NBC. Die Patienten sehen das aber wohl anders. Eine Frau erzählte dem Sender, sie habe mit ihrer 87-jährigen Mutter eine Stunde mit dem Auto herumfahren müssen, um die Ergebnisse einiger Untersuchungen selbst abzuholen. Sie konnten nicht per Mail geschickt werden wie sonst. Die Wartezeiten in der Ambulanz stiegen ebenfalls merklich, berichtet der Sender Fox 11.

Wie genau das Krankenhaus angegriffen wurde, ist aktuell noch unklar. Geschäftsführer Stefanek behauptete gegenüber NBC, es handle sich um eine zufällige Attacke, sie sei weitgehend harmlos. Dem widersprechen Sicherheitsexperten allerdings. Der IT-Forensiker Eric Robi sieht etwa die hohe Lösegeld-Summe als klares Indiz gegen die Darstellung, man habe es mit Zufällen zu tun. "Die Hacker verlangen etwa 9000 Bitcoin, das entspricht knapp 3,6 Millionen US-Dollar (3,2 Millionen Euro)", sagte er gegenüber Fox 11. "Ich weiß nicht, warum genau sie ein Krankenhaus als Ziel ausgewählt haben. Vielleicht vermuten sie eine höhere Dringlichkeit, weil es sich um ein Krankenhaus handelt und das sie deshalb eher bezahlt werden."

Auch deutsche Krankenhäuser betroffen

Aktuell untersuchen wohl auch die US-Bundespolizei und die Polizei von Los Angeles, wer hinter den Angriffen stecken könnte - und wie man wieder an die Daten gelangt. Eric Robi ist da allerdings pessimistisch: "Meistens ist es billiger, das Lösegeld zu zahlen, als das Problem zu beheben. Das klingt schrecklich, ich weiß."

Auch deutsche Krankenhäuser wurden schon Opfer von Epressungstrojanern. In Neuss war vergangene Woche der Betrieb zusammengebrochen, weil zufällig ein Rechner infiziert wurde. Die Hacker verlangen 500 Euro. Im Nordrhein-Westfälischen Arnsberg ist gestern ebenfalls ein Befall entdeckt worden, berichtet der WDR. Ob es sich auch um Erpressungssoftware handelt, ist aktuell noch nicht bekannt.

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