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Ins Web gezappt

"Desperate Housewives" zum Herunterladen, "Dr. House"-Besuch per Firefox, und "Kojak" ist auch wieder da: Vor allem in den USA drängt das Fernsehen ins Internet, und vieles gibt's online legal und sogar kostenlos zu sehen - doch die Deutschen schauen oft noch in die Röhre.

Von Karsten Lemm, San Francisco

  • Karsten Lemm

Da kommt Kalle - wie immer auf vier Pfoten und neuerdings auch aus dem Internet: Der Fernseh-Wauwau aus dem ZDF gehört zu einer Handvoll TV-Stars, die Apple seit voriger Woche in seinem iTunes-Laden zum Kauf anbietet, als Unterhaltung zum Herunterladen und Mitnehmen. Die Sendungen lassen sich auf dem PC oder Laptop genauso anschauen wie auf dem iPod oder iPhone. Neben Kalle finden sich in der digitalen Videothek auch Comedy-Stars wie Bastian Pastewka und Harald Schmidt, Serienhelden wie "Dr. Psycho" und "Edel & Starck", dazu noch eine Reihe von US-Serien wie "Lost" und "Desperate Housewives".

Insgesamt startet Apple sein deutsches TV-Programm mit 35 Serien, die pro Folge 1,99 oder 2,49 Euro kosten - reichlich viel in den Augen mancher Nutzer, die sich in Kommentaren über hohe Preise beklagen, denn bei einer ganzen Staffel kommen schnell 40 oder 50 Euro zusammen. "Da kann ich mir gleich die DVDs holen", rechnet Nutzer "tivitom" vor. Amerikaner scheinen sich daran weniger zu stören; seit Apple im Oktober 2005 anfing, auch Fernsehen ins iTunes-Programm aufzunehmen, wurden mehr als 120 Millionen Sendungen verkauft. Ein einträgliches Geschäft für alle Beteiligten, deshalb wimmelt es im amerikanischen Apple-Angebot heute von TV-Unterhaltung diverser Sender, von Disney bis VH-1.

Die Glotze der Zukunft?

Doch das war nur der Anfang: Ermuntert von Apples Erfolg, entdecken Hollywood und Silicon Valley nun gemeinsam das Internet als Glotze der Zukunft. Die einen setzen auf Downloads gegen Geld, die anderen stellen ihre Programme kostenlos ins Netz und hoffen auf Werbemillionen, um ihr Angebot zu finanzieren. Allen voran Hulu.com, eine Gemeinschaftsseite von NBC Universal und Rupert Murdochs Fox-Studio, die geeignet ist, Film- und Fernsehfans mit ihrer reichhaltigen Auswahl monatelang um den Schlaf zu bringen. Wer ein paar Werbeunterbrechungen hinnimmt, kann kostenlos alte "Kojak"- und neueste "Battlestar Galactica"-Folgen gucken, sich über Monty Python kaputtlachen, mit Dr. House mitfiebern und Dutzende kompletter Filmhits anschauen - das alles in einer Bildqualität, die Youtube steinzeitlich aussehen lässt.

Ausländer müssen draußen bleiben

Allerdings müht Hulu sich nach Kräften, ausländische Zuschauer auszusperren. Identifiziert werden sie anhand der IP-Adresse des Rechners, die verrät, wer sich wo befindet. Auch Deutsche, die gut genug Englisch sprechen, um die Sendungen im Original zu verstehen, müssen draußen bleiben, weil die Verwertung der Urheberrechte in aller Regel auf bestimmte Regionen begrenzt ist - ähnlich wie bei Musik. Auch dort dürfen Download-Läden wie Apples iTunes nicht alles, was sie im Programm haben, überall anbieten. Aus demselben Grund geht Software-Riese Adobe dieser Tage mit seinem "Adobe Media Player" vorerst nur in den USA an den Start. " Wir arbeiten aber an einer internationalen Version und Inhalten in den jeweiligen Sprachen", versichert Produktmanagerin Ashley Still.

Adobe hat große Pläne: Der Media Player, ein eigenständiges Programm für Windows und Macintosh-Rechner, soll Fernsehen am PC so bequem machen wie auf dem Sofa in der Stube. Statt im Browser präsentieren sich die Sendungen in einer virtuellen Glotze, komplett mit Sendern wie CBS, MTV und dem Weather Channel. Anders als beim traditionellen Fernsehen allerdings gibt es eine Suchfunktion und die Möglichkeit, auch eigene Videos zu dem Programm hinzuzufügen. So verspricht Internet-TV statt Dutzenden oder Hunderten von Kanälen eine Auswahl ohne Grenzen. "Sie können schauen, was Sie wollen, wann Sie wollen", verspricht Ashley Still, "und das Angebot wird ständig größer".

Dänen und Niederländer ganz vorne

Die Deutschen freunden bisher nur zögerlich mit dem neuen Medium an - im vorigen Sommer warf erst jeder Fünfte einen Blick auf Videos im Internet, berichtet der Marktforscher Jupiter Media. Doch andere Europäer, vorneweg die Dänen und Niederländer, stürzen sich schon eifrig auf Youtube & Co. Und in den USA, dem Mutterland von Fernsehen und Internet, sind mittlerweile drei Viertel aller Surfer auch Video-Konsumenten: Im Januar klickten sich die Amerikaner durch 9,8 Milliarden Clips, berichtet der Marktforscher comscore, und während ein Großteil davon nur kurze Youtube-Schnipsel waren, fanden auch die großen Fernsehsender reichlich Interessenten für ihre Shows, die sie neuerdings in voller Länge ins Netz stellen. Insgesamt wurden Programme bei ABC, CBS, NBC und Fox im Januar fast 100 Millionen Mal abgerufen.

"Video ist fraglos im Kommen", sagt Roger Kay, Präsident der Unternehmensberatung Endpoint Technologies. "Die Technik ist inzwischen gut genug, um ein ansehnliches Erlebnis zu liefern", und allen Beteiligten bieten sich nur Vorteile. Fernsehfans feiern ein Wiedersehen mit alten Bekannten und können rundum aus dem Vollen schöpfen, ohne einen Cent zu zahlen. Die Anbieter versprechen sich im Gegenzug Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe. Allein in den USA sollen dieses Jahr schon 1,4 Milliarden Dollar zusammenkommen, schätzen Marktforscher, und bis 2011 könnte sich die Summe auf 4,3 Milliarden verdreifachen. All das ist für Hollywood geschenktes Geld. "Die alten Sendungen haben sich ja längst bezahlt gemacht", sagt Kay. Genau deshalb streikten kürzlich die Drehbuchautoren: Sie wollten sichergehen, dass das Goldsäckel nicht an ihnen vorüberzieht.

Spezialisierte Suchmaschinen

Suchen und Finden wird bei wachsendem Angebot schnell zur Herausforderung für Nutzer - und zu einer Chance für neue, auf Video spezialisierte Suchmaschinen. Clipblast und Blinkx mühen sich, mit aufwändiger Technik die besten Treffer herauszufiltern, und ringen dabei mit über einer Million neuen Videos pro Tag. Während beide sich als Multimedia-Schaufenster im Browser präsentieren, bietet Blinkx neuerdings auch eine Alternative: Ähnlich wie Adobe hat die kalifornisch-britische Firma eine eigenständige Software entwickelt, die Videos sammelt und außerhalb des Browsers zeigt. Das Besondere an diesem "BBTV": Bei einigen Clips genügt ein Mausklick, um Zusatzinformationen einzublenden - etwa Filmdaten und Schauspieler bei der Internet Movie Database oder ein Transkript des Gesagten.

Diese Extras funktionieren bisher allerdings nur bei den wenigsten Videos, und das Angebot ist eher obskur: viele Zwei-Minuten-Schnipsel von Webseiten wie Green.tv und Crave Online, wenig Hollywood-Taugliches - mit Ausnahme einiger Filme des britischen Blinkx-Partners Doogwoof Pictures. Wie gefährlich es sein kann, seinen Zuschauern zuviel Unbekanntes zuzumuten, hat gerade Joost erfahren: Der voriges Jahr mit viel Wirbel gestartete Videodienst der Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis steht nach einem Bericht der Londoner Zeitung "The Sunday Times" kurz davor, sich aus Europa zurückzuziehen, um sich auf den US-Markt zu konzentrieren.

Für Deutsche wäre das kein großer Verlust - auch Joost bietet vorwiegend Englischsprachiges, und die Urheberrechte versperren den Zugriff auf viele Sendungen. Wer trotzdem im Internet nicht in die Röhre schauen will, kann nicht nur bei iTunes Einkaufen gehen, sondern auch bei Maxdome.de digitale Videos ausleihen. Die Auswahl ist größer als bei Apple, allerdings lassen sich die Sendungen - trotz vergleichbarer Preise - nur 24 Stunden lang ansehen.

Wer einen "Partner auf vier Pfoten" sucht, findet ihn für einen Tag bei Maxdome für 99 Eurocent pro Folge. Oder auch, ganz umsonst, beim ZDF auf www.tivi.de - nur heißt er da nicht Turbo, sondern Kalle. Denn dieselben "Hier kommt Kalle"-Sendungen, die das Zweite bei iTunes verkauft, sind auch kostenlos im Netz zu sehen, genau wie viele andere Programme von ARD und ZDF (besonders umfangreich: die Mediathek auf zdf.de). Der einzige Nachteil: Da die Sendungen per Videostream übertragen werden, lassen sie sich nicht auf den iPod übertragen und mitnehmen.

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