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28. Juni 2010, 14:29 Uhr

TV-Kritik auf Twitter in 140 Zeichen

Immer wieder sonntags schnappt der "tv-terrier" zu. Im Kurznachrichtendienst Twitter bewertet er dann den aktuellen "Tatort". Während die Live-Kritik immer mehr Fans bekommt, liest die ARD (noch) nicht mit.

Twitter, Soziales Netz, Microblogging, Web 2.0

Per Twitter kommentieren TV-Fans ihre Lieblingssendungen© DPA

Im Kurznachrichtendienst Twitter bewertet "tv-terrier" jeden Sonntag den aktuellen "Tatort". Da wird einem Streifen schon mal eine "schlampige Regie" oder eine "nicht wirklich glaubwürdige" Geschichte bescheinigt. Der "tv-terrier" muss sich prägnant ausdrücken, für eine Wortmeldung stehen nur 140 Zeichen zur Verfügung. So wie der "tv-terrier" sind inzwischen hunderte, wenn nicht sogar tausende Fernsehzuschauer im Internet via Twitter "live" dabei, Minikritiken zu Filmen zu verfassen.

Besonders viele Kommentare gibt es regelmäßig zum ARD-Klassiker "Tatort" - in Twitter gekennzeichnet mit dem sogenannten Hashtag #Tatort. Aber auch alle möglichen anderen Sendungen werden bewertet, gelobt oder verrissen. Die Qualität der Kommentare schwankt von der sachlichen Kritik bis zum kurzen Verriss, vom Witzchen bis zur Häme. Die Autorin und Journalistin Else Buschheuer (44) bescheinigt der Twitterkritik "erbarmungslos, aber nicht ganz schlecht" zu sein. "Da werden Schnittfehler vermeldet, unglaubwürdige Plots und schlechte Schauspieler ausgewiesen."

Buschheuer muss es wissen: Auch der Film "Masserberg", der nach ihrem Roman entstand, war kürzlich Gegenstand dutzender Tweets. "Es hat mich unheimlich gefreut, dass die Twitterer so stark an der 'Masserberg'-Verfilmung teilnehmen", sagt sie. "Einige haben sogar in ihren Blogs Rezensionen geschrieben. Einige haben erst über den Film zum Buch gefunden - das ist natürlich die größte Hoffnung des Autors." Buschheuer verbringt nach eigener Auskunft täglich eine Stunde mit Twittern und bezeichnet sich selbst als "leidenschaftlich pro-Internet".

Der "tv-terrier" ist dagegen kein Internetfreak. Hinter dem Spitznamen verbirgt sich Rolf Müller (56), der selbst Drehbuchautor und damit "vom Fach" ist. Er verspricht eine "Fernsehkritik mit Biss" und hat in Twitter ein Medium gefunden, in dem er kontinuierlich deutsche Erstaufführungen besprechen kann. "Ich richte mein Augenmerk auf die Dramaturgie und das Drehbuch", sagt Müller. In herkömmlichen Kritiken komme das meist zu kurz. Mehr als 500 "Follower" - also Menschen - lesen mit, was der "tv-terrier" in Twitter so schreibt.

Else Buschheuers "Gezwitscher" verfolgen mehr als 5400 Menschen. Wie wirkungsvoll die Minikritiken bei Twitter sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Buschheuer sagt, sie sei "fest überzeugt", dass man sich anhand der Tweets eine Meinung zu einem Film bilden kann. "tv-Terrier" Müller glaubt dagegen, dass Twitter eine ausführliche, herkömmliche Betrachtung eines Filmkunstwerks nicht ersetzen kann. "Viele Leute schreiben doch aus dem Bauch heraus und vollkommen unreflektiert", sagt Müller.

Ob die Autoren, Regisseure und Schauspieler die Einträge der Twitterer wahrnehmen, ist ebenfalls ungewiss. "Vermutlich auf Umwegen", sagt Buschheuer. "Twitterstatements sind ja noch nicht Teil von Pressespiegeln und werden meines Wissens auch nicht via Google Alert gemeldet. Aber sie sprechen sich blitzartig unter Twitterern rum, sie werden gefavt und retweetet und replied." Es gebe einen nicht zu unterschätzenden Dominoeffekt. "Jeder viel gelesene Twitterer sollte sich der Verantwortung bewusst sein."

Beim Mitteldeutschen Rundfunk MDR, der den Leipziger "Tatort" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke verantwortet und bei dem auch Else Buschheuer arbeitet, heißt es, die Kritiken würden nicht offiziell ausgewertet. Somit könnte den Senderchefs auch entgangen sein, was ein Twitterer zum jüngsten Tatort aus der Messestadt "Heimwärts" zusagen hatte: "Mist #Tatort verpasst! Müsste ins Hotelzimmer, aber Biergarten ist netter. Suche also #Tatort, lese und weiß: Ich verpasse nichts! Danke!"

DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
crvnshkr (29.06.2010, 12:29 Uhr)
Isch habe gar keine Twitter Account
Und ich gucke keinen Tatort. Keine Ahnung, was der tv-terrier davon hat, sich über den Mist auszulassen, den er sich im Fernsehen reinzieht. Warum sollte es mich interessieren, was jemand anderes über irgendeine Sendung von sich gibt? Wer liest so was? Menschen, die nicht genug Zeit, Lust und/oder Hirnmasse haben, sich ne eigene Meinung zu bilden? Zeigt mal wieder, wozu Twitter objektiv gesehen gut ist: zu nix.
BiffBoffo (29.06.2010, 10:18 Uhr)
Twitter Account gelöscht
Im endeffekt ist es nur noch ein Zeitgrab. Ob die Folge was taugt oder nichts seh ich selber. Dazu muss ich als Privatperson nicht wie bekloppt vor Twitter hängen.

Im endeffekt hats mich nur noch genervt. Ich Lebe ohne Twitter entspannter. :-)
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