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Street View? Ja bitte!

Google fotografiert für Street View die Straßen dieser Welt. Die Kritiker toben und kritisieren den Online-Dienst, übersehen aber dabei den Nutzen und Spaßfaktor des kostenlosen Services.

Ein Kommentar von Gerd Blank

Google bekommt derzeit in Deutschland von allen Seiten Gegenwind. Und alles nur, weil der Betreiber der weltgrößten Suchmaschine seinen Online-Kartendienst mit einem neuen Service aufpeppt. Street View zeigt, wie der Name schon sagt, Fotos von Straßen. Nutzer können nach Adressen suchen und sehen nicht mehr nur Kartenmaterial oder Satellitenbilder, sondern auch Aufnahmen von Häusern, Geschäften, Autos und Menschen. Kritiker monieren, dass Google mit Street View zu stark in die Privatsphäre jedes einzelnen Bürgers eingreift.

In den USA steht Street View bereits seit drei Jahren zur Verfügung. Google ist allerdings nicht gerade geschickt vorgegangen, um diesen Service auch in Deutschland schmackhaft zu machen. Ganz selbstverständlich wurden speziell ausgerüstete Autos in die drei Teststädte Berlin, Frankfurt am Main und München entsandt, um dort munter drauf los zu fotografieren. Später folgten andere Städte und Dörfer. Als auch noch herauskam, das Google während der Street-View-Tour "versehentlich" die Daten und Koordinaten von privaten Wlan-Funknetzen aufspürte und speicherte, war für Datenschützer und viele Politiker klar: Die Datenkrake muss gestoppt werden.

Ist "Street View" von Google unbedenklich?

Aber warum eigentlich? Google hat zwar Fehler gemacht, aber immerhin stellte sich der Suchmaschinenbetreiber der berechtigten Kritik und besserte nach. Bürger haben jetzt im Vorwege die Möglichkeit, die Veröffentlichung von Aufnahmen bestimmter Wohnungen, Häuser und Geschäfte zu verhindern. Personen und Autokennzeichen werden automatisch unkenntlich gemacht. Auch nachträglich können Fotos gelöscht oder verfremdet werden.

Der Service ist äußerst nützlich, denn Street View hilft beispielsweise bei der Wohnungssuche. Früher musste man ins neue Viertel fahren, um sich das potenzielle neue Heim und die Nachbarschaft anzuschauen. Künftig genügt ein Blick auf den Bildschirm, um zu sehen, wie weit es zur nächsten Apotheke, zum Supermarkt oder ins Kino ist. Und wer einen Kurztrip in eine andere Stadt plant, kann schon einmal am Monitor die geplante Shoppingtour ablaufen. Doch auch die menschliche Neugier befriedigt Street View: Lernt man jemanden kennen, kann man schnell schauen, wo die neue Bekanntschaft wohnt. Eine virtuelle Sightseeingtour mit Street View kann außerdem viele lustige Überraschungen bieten, wie eine interaktive Bilderstrecke zeigt. Und wer beispielsweise noch vor ein paar Jahren eine neue Diebstahlversicherung abschließen wollte, musste im richtigen Ort wohnen. Wurden in einem Postleitzahlengebebiet viele Diebstähle gemeldet, schnellte die Prämie nach oben. Künftig könnten Versicherungen, aber auch andere Institutionen einfach mal schauen, in was für einer Wohngegend der Kunde lebt.

Zugegeben, auch Verbrecher könnten den Dienst nutzen und checken, ob sich eine Straße für einen Beutezug lohnt. Aber Kriminelle schreiben auch Briefe und Kurznachrichten - müssen wir deshalb Postkästen abmontieren und Handys verbieten?

Der Spaß an der Neugier

Ist es nicht so, dass das Internet im Allgemeinen und Google im Besonderen eh schon häufig dafür genutzt wird, die Neugier zu befriedigen? Kaum hat man eine neue Bekanntschaft gemacht, wird der Name gegoogelt, schließlich will man alles über die Person wissen. Viele Informationen sind inzwischen per Mausklick verfügbar und mit Street View gibt es jetzt sogar die bebilderte Landkarte zum Objekt der Begierde. Wer nicht gefunden werden will, lässt seine digitale Existenz bei Google löschen und wird quasi unsichtbar. Das ist vielleicht nicht perfekt, aber immerhin mehr, als man beispielsweise beim weltgrößten Online-Netzwerk Facebook in Sachen Privatsphäre und Datenschutz findet.

Wo war noch mal unser Lieblings-Italiener? Wie hieß die Straße, in der die Boutique aufgemacht hat? Ist die Eingangstür von Hugh Grant in "Notting Hill" wirklich blau? Street View verrät all das und noch mehr - und tut Niemanden dabei weh. Im Gegenteil, so schätzen gerade Einzelhändler die Möglichkeit, auf diesem Wege auf sich aufmerksam zu machen.

Es macht Spaß, im Netz Informationen aufzuspüren. Wir können allerdings nicht die ganze digitale Herrlichkeit nutzen wollen, um dann vor der eigenen Tür "Stopp" zu rufen. Services dieser Art leben davon, dass man seinen eigenen Teil dazu beiträgt - und wenn es nur ein Foto von der eigenen Haustür ist. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Entweder sich verweigern und alles verbieten, sich damit aber auch um spannende, lustige, skurrile und nützliche Web-Dienste bringen. Oder man lernt, mit den digitalen Möglichkeiten und auch Gefahren zu leben. Wir können nicht mitschwimmen, ohne dabei nass zu werden.

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