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Vier Jahre Knast - für ein harmloses Nacktbild?

Ein Teenager schickt sich mit seiner 15-jährigen Freundin Nacktbilder via Smartphone hin und her. Ihre Mutter entdeckt die Aufnahmen - und zeigt den Jungen an. Nun drohen ihm vier Jahre Haft.

Von Christoph Fröhlich

  Sexting ist bei Teenagern beliebt

Sexting ist bei Teenagern beliebt

Für die einen ist es nur ein harmloser Spaß unter verliebten Teenagern. Für die anderen ein besorgniserregender Trend: Sexting. Der Begriff ist eine Mischung aus Sex und texting, dem englischen Wort fürs SMS-Schreiben, und er beschreibt das Phänomen, dass immer mehr Jugendliche ihre nackten Körper vor die eigene Handycam recken und das Foto anschließend an den Partner weiterschicken. Der Teenie-Trend ist nicht nur bei Jugendschützern und Lehrern umstritten, vor allem bei den Eltern sorgt er für Zündstoff.

Besonders drastisch ist der Fall des 17-jährigen Trey S. aus Manassas im amerikanischen Virginia: Seine 15-jährige Freundin schickt ihm im Januar - halb aus Spaß, halb als Liebesbekundung - eine SMS mit einem Nacktbild von sich, in der sie ihn ermuntert, es ihr gleichzutun. Der Teenager schickt ihr daraufhin ein Nacktvideo von sich, in der sein erigierter Penis zu sehen ist.

Die Mutter seiner Freundin bekommt das Erotikfilmchen zu sehen. Sie ist außer sich und fordert den Freund ihrer Tochter auf, keine freizügigen Bilder mehr von sich zu verschicken, schreibt "NBC Washington".

Doch Trey S. ignoriert die Ratschläge der Mutter und schickt weitere Nacktfotos an seine Freundin - kurz darauf eskaliert die Situation: Die Mutter zeigt Trey S. bei der Polizei an. Der 17-Jährige muss in Untersuchungshaft, sein iPhone und iPad werden beschlagnahmt. Nun muss sich der Junge am 1. August vor Gericht verantworten.

Auf einer Stufe mit Vergewaltigern

In den USA ist Sexting ein unter Teenagern weitverbreitetes Phänomen: Untersuchungen zufolge verschickt etwa jeder fünfte Teenager zwischen zwölf und 17 Jahren Nacktfotos von sich über den Computer oder das Smartphone. Weibliche Teenager sind mit 22 Prozent aktiver als ihre männlichen Mitschüler (18 Prozent). Hierzulande ist der Trend erst im Kommen: Eine Umfrage der FH Merseburg unter deutschen Schülern hat ergeben, dass etwa jedes fünfte Mädchen und jeder neunte Junge schon einmal erotische Fotos und Filmchen von sich verschickt haben.

An Trey S. wollen die Behörden nun offenbar ein Exempel statuieren: Der Teenager muss sich wegen "Erstellung und Verbreitung von Kinderpornografie" verantworten. Im schlimmsten Fall drohen ihm vier Jahre Haft. Nach Abbüßen seiner Gefängnisstrafe würde er außerdem einen Eintrag in die Sexualstraftäter-Datenbank bekommen.

Ein Teenager, der seiner Freundin harmlose Nacktfotos schickt, würde damit auf einer Stufe mit Kinderschändern und Vergewaltigern stehen. Besonders skurril: Seine Freundin, die ebenfalls Nacktbilder verschickt hatte, wird nicht angeklagt.

"Es ist einfach nur verrückt"

Doch es ist nicht nur das absurde Strafmaß, das für Kopfschütteln sorgt. Es ist vor allem das schockierende Vorgehen der Polizei. Bei seiner Verhaftung soll Trey S. nackt fotografiert worden sein, erklärt die Tante des Angeklagten gegenüber "NBC Washington". "Er sagte, sie steckten ihn in einen Raum und machten Bilder von seinen Genitalien." Die Bilder seien gegen seinen Willen entstanden, behauptet sie.

Als wäre das nicht schon genug, planten die Gesetzeshüter Treys Anwältin Jessica Harbeson Foster zufolge, dem Teenager eine Injektion zu verabreichen, sodass sie ihn mit erigiertem Glied fotografieren konnten. "Wer tut so etwas? Es ist einfach nur verrückt", sagt Treys Anwältin der "Washington Post". "Das ist ein 17-jähriger Junge, der jeden Tag zur Schule geht, Football spielt und nie Ärger mit dem Gesetz hatte."

Mit einer Spezialsoftware sollten die Bilder mit dem Beweisvideo abgeglichen werden, erklärt Detective David E. Abbott vom Manassas City Police Department gegenüber der Webseite "policestateusa.com".

Treys Anwältin schmetterte diesen bizarren Vorschlag ab, denn die Behörden würden von einem Teenager kinderpornografische Bilder machen, um ihn dann wegen Kinderpornografie zu überführen. Das Gericht folgte ihrer Auffassung. Doch die Staatsanwaltschaft lässt nicht locker: Im kommenden Monat sollen neue Beweise vorgelegt werden, die den Jungen ins Gefängnis bringen sollen.

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