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Google erlöst uns vom ätzendsten Ding im Internet

Um einer Webseite zu beweisen, dass man ein Mensch ist, muss man einiges mitmachen: Mal entschlüsselt man unleserliche Buchstabenketten, mal löst man Katzen-Memory. Google hat jetzt ein unsichtbares Captcha erfunden, das dem Spuk ein Ende machen soll.

Das Entschlüsseln von schwierig zu lesenden Textstellen hat bald ein Ende

Das Entschlüsseln von schwierig zu lesenden Textstellen hat bald ein Ende

Jeder kennt sie, niemand mag sie: Captchas. Dahinter verbirgt sich eine Technik, mit der Internetseiten Menschen von Maschinen unterscheiden, um sich gegen Spammer zur Wehr zu setzen. Doch weil die Bots der Cyberkriminellen immer cleverer wurden, rüsteten auch die Captcha-Anbieter auf - mal muss man unleserliche Wörter entschlüsseln (klappt selten im ersten Anlauf), dann eine Art Memory lösen (häufig Straßenschilder). Wissenschaftler errechneten 2011, dass täglich 200 Millionen Captchas gelöst werden, das entspricht 500.000 Stunden pro Tag. Mittlerweile reicht es häufig, in einer Checkbox zu bestätigen, dass man kein Roboter ist. Doch nun könnte auch dieser letzte Klick abgeschafft werden.

Google hat ein quasi unsichtbares Captcha entwickelt, mit dem Webseiten ohne Zutun des Nutzers erkennen können, ob es sich um einen menschlichen oder maschinellen Zugriff handelt. Möglich sei das durch eine Kombination aus Machine Learning und Risikoanalyse. Wie das genau funktioniert lässt Google offen. Der Konzern will sich nicht in die Karten schauen lassen, um es Spammern möglichst schwer zu machen, die Schutzmaßnahmen zu umgehen. Für die Risikoanalyse werden Daten verwendet, die der Browser im Hintergrund an die entsprechende Webseite übermittelt.

Captchas für den guten Zweck

Sollte die Risikobewertung nicht eindeutig ausfallen, muss man jedoch wie bisher auch ein Captcha lösen. Immerhin: Mit jedem Mal leistet man einen kleinen Beitrag, Googles Dienste etwas besser zu machen. Bei Text-Captchas werden nicht erkannte Textstellen von Googles Bucharchiv digitalisiert. Wenn mehrere Nutzer in unterschiedlichen Vorgängen die Sicherheitsabfrage gleich buchstabieren, wird das Wort als korrekt abgespeichert und in Googles Online-Bibliothek übernommen.

Auf diese Weise wurden innerhalb weniger Monate 20 von 130 Jahrgängen der "New York Times" digital lesbar gemacht. Bei den Memory-Rätseln muss man häufig Straßenschilder oder die darauf befindlichen Straßennamen erkennen. Diese Daten werden zur Verbesserung des Kartendiensts Street View benutzt.

cf
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