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10. Juni 2009, 11:48 Uhr

Machen wir es kurz

Es gibt sie schon länger, doch seit es bei Kurznachrichtendiensten wie Twitter auf jeden Buchstaben ankommt, boomen sie: Webangebote, die lange Internetadressen auf kurze URLs eindampfen. Diese Dienste haben allerdings einige gravierende Nachteile.

URL, Tinyurl, bit.ly, Internetadresse

Dienste wie tr.im kürzen lange Internetadresse auf wenige Zeichen

Fasse Dich kurz! Die nur noch älteren Semestern bekannte Mahnung an der Telefonzelle ist beim Mitteilungsdienst Twitter wieder aktuell. Dort stehen 140 Zeichen zur Verfügung, um das eigene Interesse so zu formulieren, dass es beachtet wird. Weil es da keinen Platz für endlos lange Internet-Adressen gibt, werden diese eingedampft, und dafür sorgt ein sogenannter Kurz-URL-Dienst. Die Betreiber solcher Dienste erstellen für jede dort eingegebene Adresse eine kurze "Alias-URL" als Stellvertreter. Wird die Mini-Internetadresse aufgerufen, geht die Anfrage vom Browser zur Datenbank des Dienstbetreibers. Dort wird die vollständige Adresse ermittelt und die Anfrage wird zum gewünschten Ziel weitergeleitet. (Beispiel: Aus der Adresse dieses Artikels www.stern.de/computer-technik/internet/703242.html macht der Dienst tr.im die Kurz-URL: tr.im/o0E6.)

Sicherheitsbedenken

Dem Vorteil des geringeren Platzbedarfs stehen allerdings auch gewisse Nachteile gegenüber. So legen die Mini-URLs eine neue Schicht über die Web-Navigation. Wenn ein Kurz-URL-Dienst eingestellt werden sollte, werden alle von diesem erstellten Mini-Adressen ungültig und führen ins Leere. Gewichtiger ist aber wohl der Nachteil, dass die Mini-URL nicht so informativ ist wie die Originaladresse. Bei einer vollständigen Internet-Adresse kann man sofort erkennen, wie die Domain lautet, also wer der Anbieter ist. Bei einer Mini-URL sieht man bestenfalls den Betreiber des Kurz-URL-Dienstes, sonst aber nur eine obskure Zeichenfolge. Deswegen werden die Mini-Adressen auch von Spammern missbraucht, um ihre Links unauffällig im Web zu verbreiten.

Bit.ly gegen Pionier TinyURL

Der wohl älteste und bekannteste Kurz-URL-Dienst ist TinyURL. Gestartet wurde dieses Angebot von Kevin Gilbertson im Jahr 2002. Gibertson ist ein begeisterter Einrad-Fahrer aus Blaine, Minnesota. Er hatte es satt, dass lange Internet-Adressen zu Beiträgen in seinem Einrad-Forum in E-Mails einen Zeilenumbruch erzwangen und dann für direkte Mausklicks nicht mehr zu gebrauchen waren. Der Aufschwung von Twitter, Facebook und anderen Vernetzungsportalen hat weitere Kurz-URL-Dienste entstehen lassen, die ihre Funktion zum Teil schon gleich im Namen anzeigen: tr.im und notlong.com.

Dabei ist das Eindampfen von URLs nur der Anfang. Einige Anbieter bieten weitere interessante Funktionen. So kann man der Kurz-Adresse mitunter eine eigene Kennung geben, damit diese nicht ganz so kryptisch aussieht. Bei anderen kann man sich anzeigen lassen, wo ein Kurz-Link im Web verwendet wird oder woher die Leute kommen, die darauf geklickt haben. Der Dienst safeurl.to zeigt ein kleines Vorschaubild zum Webangebot mit der Mini-Adresse an. Twitter hat die in seine "Tweets" eingegebenen Adressen bis vor kurzem über TinyURL verkürzen lassen. Inzwischen ist Twitter aber umgestiegen auf den Dienst von bit.ly, der von der New Yorker Firma Betaworks entwickelt wurde, einem der Anteilseigner von Twitter. Man habe festgestellt, dass TinyURL nicht immer zuverlässig arbeite, sagt Twitter-Entwickler Alex Payne. Betaworks-Vorstandschef John Borthwick spricht von einem erstaunlichen Wachstum für bit.ly. Wöchentlich gibt es nach seinen Angaben etwa 100 Millionen Mausklicks auf bit.ly-URLs. Mit Hilfe von Investoren wie O'Reilly AlphaTech Ventures wurde bit.ly inzwischen als eigenes Unternehmen ausgegliedert.

Suche nach Geschäftsmodell

Beim Geschäftsmodell von bit.ly gibt es nach Angaben von Chief Operating Officer Andrew Weissman drei Ansätze. So ist zur Erzeugung von Werbeeinnahmen eine Website geplant, auf der die populärsten Web-Trends angezeigt werden - gemessen an der Verwendung des Kurz-URL-Dienstes. Diese Daten könnten auch an Suchmaschinen oder Trendagenturen verkauft werden. Drittens wird schließlich überlegt, ob es einen gebührenpflichtigen Dienst für Unternehmen geben soll.

Der URL-Eindampfer LinkBee, gegründet von der kanadischen Firma Jolt Media Group, setzt ganz auf Werbeeinnahmen: Bevor eine Webseite mit einer Kurzadresse aufgerufen wird, gibt es eine Werbeeinblendung. Alternativ kann die Werbung sogar auf der für den Dienst genutzten Seite integriert werden. Dabei teilt LinkBee die Einnahmen mit den Nutzern im Verhältnis 50:50. Es ist aber mit LinkBee auch möglich, URLs ohne jede Werbung zu verkürzen. LinkBee-Gründer Chris Pavlovski sagt, dass sein Dienst jeden Tag etwa 35.000 URLs umwandle, davon 70 Prozent in Verbindung mit Werbung.

Es geht auch möglichst lang

So aktuell der Trend zu den verkürzten URLs auch ist, das Web kennt auch die Gegenbewegung. Mit Hilfe von longurl.org kann man die Originaladresse einer Mini-URL sichtbar machen - um etwa zu überprüfen, wohin ein verdächtiger Link wirklich führt. Witzig ist der Dienst DickensURL: Hier kann man eine beliebige Internetadresse in einen Link mit einem Zitat von Charles Dickens umwandeln, also sehr, sehr lang machen. Damit das trotzdem mit Twitter funktioniert, gibt es auch die Kurzform zur DickensURL.

Rachel Metz/AP
 
 
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