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26. Oktober 2007, 11:19 Uhr

Mitmach-Web als Millionärsgarantie

Das Web 2.0 lockt immer mehr Investoren an, wie der Verkauf von Anteilen an Facebook zeigt. Riesen wie Microsoft, Google oder Newscorp buhlen um Firmen, die von Jungunternehmern oder Studenten gegründet wurden - eine Übersicht über die spektakulärsten Deals der jüngeren Zeit. Von Annette Berger

So entspannt sieht ein 23-jähriger Multimillionär aus: Facebook-Chef Mark Elliot Zuckerberg© Kimberly White/Reuters

Facebook ist das jüngste Beispiel einer Reihe von aufsehenerregenden Geschäften mit Web-2.0-Seiten: Für 240 Millionen US-Dollar (168,6 Millionen Euro) bekommt Microsoft einen Anteil von 1,6 Prozent an der Online-Gemeinde. Damit wird die Mitmach-Seite, die vor weniger als vier Jahren von dem heute 23-jährigen Mark Elliot Zuckerberg in einem Wohnheim in der Harvard University gegründet wurde, mit insgesamt 15 Milliarden US-Dollar bewertet.

Millionär mit Badelatschen

Zuckerberg hat inzwischen sein Studium hingeworfen - vielleicht, weil er lieber Millionär werden wollte als angestellter Programmierer. Auf einem Foto der Online-Enzyklopädie Wikipedia sieht der Facebook-Chef noch wie ein richtiger Student aus: mit Sweatshirt, Jeans und Badelatschen. Der Anfangzwanziger ist ein kühler Rechner: 2006 lehnte er ein Kaufangebot von Yahoo ab. 1 Milliarde US-Dollar bot das Unternehmen, das 2005 bereits den Online-Fotodienst Flickr gekauft hatte, damals für Facebook.

Damit sind die Preise für Seiten des Mitmach-Web jüngst rasant gestiegen. Als der Medienunternehmer Rupert Murdoch 2005 für den Facebook-Konkurrenten Myspace 580 Millionen US-Dollar zahlte, brandete Kritik auf: Viel zu viel Geld für den Web-2.0-Dienst, hieß es damals. Die Seite war im Sommer 2003 von dem heute 35-jährigen Amerikaner Thomas Anderson gegründet worden. Vielleicht ärgert sich der Akademiker heute, dass er mit dem Verkauf nicht etwas länger gewartet hat - denn heute würde Newscorp-Chef Murdoch wohl ein Vielfaches zahlen müssen.

Ein riesiger Markt für Werbung

Seiten wie Myspace oder Facebook sind so wertvoll wegen der immensen Zahl von Nutzern, die eine Menge Details über sich preisgeben, etwa über ihren Musik- oder Kleidergeschmack. Rund 47 Millionen Menschen - vor allem Studenten und junge Berufstätige - nutzen beispielsweise Facebook, laden ihre persönlichen Profile hoch, stellen Videos und Fotos ins Netz und knüpfen Kontakte. Ein riesiger Markt für Werbung. Microsoft will seine Beteiligung denn auch dazu nutzen, exklusiv Werbung auf Facebook auch außerhalb der USA zu verkaufen.

Die Seite ist daher bei Investoren heiß begehrt. Um den Einstieg bei Facebook soll sich Google ein Rennen mit Microsoft geliefert haben, was das Management der Suchmaschine nie offiziell bestätigen wollte. Google hatte bereits 2003 versucht, die Social-Networking-Website Friendster für 20 Millionen US-Dollar zu kaufen, was deren Gründer und Besitzer jedoch ablehnten.

Ein anderer spektakulärer Kauf gelang Google jedoch - und gleichzeitig ein Sieg über den ebenfalls interessierten Konkurrenten Microsoft. So kaufte die Online-Suchmaschine 2006 für 1,76 Milliarden US-Dollar das Videoportal Youtube. Die Seite, auf der User kostenlos Videos ansehen und hochladen könne, war erst Anfang 2005 gegründet worden - von Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim, drei ehemaligen Mitarbeitern des Web-Bezahldienstleisters Pay-Pal. Auch sie zogen das Millionärsleben offenbar der Angestellten-Existenz vor.

Von Annette Berger
 
 
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