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Wie Youtube Sehgewohnheiten verändert

Während Youtube noch nach einem lukrativ Geschäftsmodell sucht, ist der kulturelle Einfluss von Webvideos inzwischen unbestritten. Experten diagnostizieren auch Auswirkungen für das traditionelle Fernsehen.

Markus Kavka fläzt sich mit Schauspieler Matthias Schweighöfer auf der Kühlerhaube eines alten Porsche. Das Interview sieht aus wie zu den coolen Zeiten von Viva und MTV, als die Musiksender noch wild und eine Revolution für die Sehgewohnheiten waren. Moderator Markus Kavka gehört zu den Fernsehprofis, die mittlerweile das Internet als Spielwiese nutzen. Seine etwa acht Minuten lange Sendung läuft dort bei Myspace.

Auch Christian Ulmen hat mit seinen Kunstfiguren, darunter die Nervensäge Uwe Wöllner, eine treue Fangemeinde im Netz. Wenn Uwe mit seinem Redakteur Gero Schorch in den Puff geht und die Hosen runterlässt, wäre das im klassischen Fernsehen ein Skandal - im Internet liegen die Grenzen des Geschmacks woanders.

Wie verändern Videoclip-Börsen wie Youtube, wo jeder zum Filmemacher wird und seine Clips zeigen kann, die Sehgewohnheiten? Sind die Clips im Internet so wichtig wie das Musikfernsehen in den 90er Jahren? Wie beeinflussen sich Film, Fernsehen und Internet? Auch beim Kongress der Berliner Medienwoche an diesem Montag und Dienstag auf der Elektronikmesse Ifa wird es um solche Fragen gehen, dort wird zum Beispiel über Webserien wie "Candy Girls" und "Tiger, die Kralle aus Kreuzberg" diskutiert.

Zerstreut, aber brillant

Die neue Clipkultur ist längst im Alltag angekommen. Im Büro schickt man sich lustige Katzenfilmchen zu. Besonders Kinder sind begeisterte Clip-Zuschauer. Längst glauben auch die alten Hasen im Filmgeschäft an das Internet. "Bei Youtube gibt es, sehr zerstreut zwar, oft brillante Dinge, und die werden vollkommen neu erfunden, ohne jede Programmdirektion. Diese indirekte Öffentlichkeit ist eine neue Herausforderung: ein großer Platz, ein Opernhaus, ein Parlament"", sagt Regisseur Alexander Kluge im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Der Berliner Filmwissenschaftler Patrick Vonderau, der ein Buch über die Google-Tochter Youtube geschrieben hat, glaubt, das Internet habe in gewisser Weise längst das Fernsehen abgelöst. "Den Apparat im Wohnzimmer wird es natürlich weiterhin geben, neben portablen und anderen Bildschirmen." Aber Fernsehen im herkömmlichen Sinne ist für ihn passé, weil die Zuschauer selbst ihren Konsum bestimmen oder zu Medienproduzenten werden. "Wer Fernsehen macht, muss heute mit Zuschauern rechnen, die schwer zu disziplinieren sind", erklärt Vonderau.

Youtube als Labor

Es gibt im Internet meist keinen Wächter, der entscheidet, was interessant ist. Auch Amateure können durch Youtube erfolgreich werden und mit Werbeeinnahmen sechsstellige Summen verdienen: Vonderau nennt als Beispiel die Show des Amerikaners Michael Buckley. Youtube funktioniere wie ein Labor, in dem das Erzeugen von Aufmerksamkeit zu beobachten ist, sagt Vonderau.

Filme, die viele Nutzer interessieren, werden viel weitergeleitet. "Videos, die kein Fernsehredakteur jemals für sendewürdig befunden hätte, erhalten Millionen von Zugriffen." Die beliebten Spots von tanzenden Babys, betrunkenen Katzen und sprechenden Hunden sind Beweis dafür. Auch "shortform comedy", improvisierte Sketche einer Person vor der Kamera, sind populär, hat Vonderau beobachtet.

Eine Richtung gibt das Internet nicht vor. Es herrscht ein Austausch zwischen neuen und alten Medien, Fernsehen und Internet, digitaler und analoger Welt. Bloggerin Diablo Cody gewann als Drehbuchautorin im Filmgeschäft einen Oscar. Katrin Bauerfeind startete ihre Karriere im Internet bei "Ehrensenf", bevor sie TV- Moderatorin wurde.

Bei Markus Kavka und Christian Ulmen ist das Netz eine echte Chance, sich ohne Quotendruck auszutoben. "Im Internet hat man keinen, der einem reinredet", schwärmt Ulmen, dessen Abenteuer bei Ulmen.tv zu sehen sind. "Es gibt keinen Programmdirektor, mit dem ich irgendetwas absprechen muss. Ich kann sofort online gehen. Und es gibt im Internet eine sehr, sehr breite Fanbase von Leuten, die sich das regelmäßig angucken."

Caroline Bock/DPA/DPA

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