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"Gratis"-Angebote können sehr teuer werden

Viele vermeintliche Gratisangebote im Internet überraschen Websurfer mit hohen Folgekosten. Die Verbraucherzentralen berichten, die Zahl der Beschwerden über solche Websites habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Worauf man achten muss, wie man sich wehrt ...

Viele vermeintliche Gratisangebote im Internet entpuppen sich als Kostenfallen. "Die Beschwerden in den Beratungsstellen der Verbraucherzentralen haben sich diesbezüglich seit 2006 verdoppelt", sagt Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt/Main. Schätzungen zufolge gehen bundesweit pro Monat mehr als 20.000 Beschwerden zu diesem Thema ein.

Die Masche ist dabei oft dieselbe: Man sucht nach Hilfe bei den Hausaufgaben, möchte sich eine Fahrtroute ausdrucken oder eine kostenlose SMS verschicken und landet auf einer entsprechenden Internetseite. "Es wird der Eindruck erweckt, als wären die Angebote gratis", sagt Stephan Andreas, Wettbewerbsjurist bei der "Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs" in Bad Homburg. Nicht selten verstecken sich dahinter aber Abonnements oder Kaufverträge.

Überraschungen im Kleingedruckten

Infos und Kosten zu den Verträgen stehen oft im sogenannten Kleingedruckten, also den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, oder ganz unten auf der Webseite, unterhalb des "Anmelde-", "Absenden-" oder "Test starten"-Buttons. "Wichtig ist, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchzulesen oder wenigstens zu überfliegen. Es gibt dort meist eine Rubrik 'Preise'", sagt Stephan Andreas. Wenn Name und Adresse abgefragt werden, sollten Surfer stutzig werden.

Durchschnittlich rund 120 Euro an Kosten verstecken sich hinter den vermeintlichen Gratisangeboten, haben die Verbraucherzentralen in Deutschland anhand ihrer Umfrage ermittelt. Dabei sollten 41 Prozent der Befragten zwischen 50 und 70 Euro zahlen, 21 Prozent sollten 70 bis 90 Euro überweisen und von gut einem Viertel der Befragten (26 Prozent) verlangten die Unternehmen sogar mehr als 90 Euro.

Ein Viertel der Opfer ist minderjährig

In jedem vierten Fall ist ein Jugendlicher unter 18 Jahren auf den Trick hereingefallen. Dabei sind Verträge mit Jugendlichen oft gar nicht rechtskräftig. "Viele dieser Unternehmen spielen aber gerade mit der Unwissenheit der Verbraucher", sagt Rechtsanwalt Sven Karge vom Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) in Köln. Der Verband betreibt eine Internet-Beschwerdestelle im Netz (internet-beschwerdestelle.de). Karge rät Betroffenen, Einspruch zu erheben, wenn eine unbekannte Rechnung ins Haus kommt. "Ich würde eine E-Mail oder ein Fax zurückschicken, in dem ich zum Ausdruck bringe, dass ich nicht weiß, was die von mir wollen und dass sie mich in Ruhe lassen sollen." In manchen Fällen sei die Sache damit bereits erledigt.

Mehr als die Hälfte der Zahlungsverweigerer (57 Prozent) erhielt laut Umfrage aber Mahnungen, in denen mit Klagen gedroht wurden. Sollte tatsächlich erneut eine Rechnung oder gar eine Mahnung in der Post liegen, raten Juristen und Verbraucherschützer, sich an eine Rechtsberatung zu wenden. "Bei einem gerichtlichen Mahnbescheid muss ich sofort reagieren, denn dann laufen gesetzliche Fristen, um Widerspruch einzulegen", sagt Verbraucherschützerin Beckers. Anders sei es bei einer Mahnung von einem Inkassounternehmen. Diese sind "kein gerichtlicher Bescheid" und dienen meist nur als Drohkulisse.

Solche Drohungen funktionieren oft genug: "Vielfach denken die Leute, sie wollen keinen Ärger haben und zahlen den Betrag dann lieber", sagt Rechtsanwalt Karge. Juristen und Verbraucherschützer raten aber, sich nicht einschüchtern zu lassen: "Die Verträge sind in der Regel nicht wirksam, wenn die Kosten nicht ganz transparent auf der Webseite gekennzeichnet sind", erklärt Sven Karge.

Vivien Leue/DPA/DPA
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