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Es war einmal ein Internetgigant...

Vor 20 Jahren - vor Google, Facebook oder dem Smartphone-Boom - war Yahoo für viele Millionen Menschen das Sprungbrett ins Internet. Jetzt könnte der Branchen-Pionier vor Verkauf oder Zerschlagung stehen.

Marissa Mayer versucht Yahoo wieder auf die Beine zu bringen

Marissa Mayer versucht Yahoo wieder auf die Beine zu bringen

Der Vorwurf muss Yahoo-Chefin Marissa Mayer richtig tief getroffen haben. Gerade hatte sich ihr Unternehmen zum Verkauf gestellt und den Abbau von über 1000 Arbeitsplätzen angekündigt - doch die 40-Jährige nahm sich Zeit, vor Analysten die Sache mit der ominösen Weihnachtsparty aufzuklären. Es werde behauptet, Yahoo habe jüngst 7 Millionen Dollar für die Fete ausgegeben - und in den vergangenen Jahren insgesamt 450 Millionen Dollar für Essen für Mitarbeiter. "Beide Zahlen sind um mehr als den Faktor drei übertrieben", verkündete Mayer. Erleichterung stellte sich jedoch nicht ein: Yahoo hat viel größere Probleme als ein überzogenes Spesenkonto. Die Zeit läuft Mayer davon.

Yahoo sucht nach neuem Schwung

Schon seit dreieinhalb Jahren versucht die einstige Google-Vorzeigemanagerin Mayer, wieder Schwung in das Geschäft von Yahoo zu bringen. Es wirkt wie verhext: Yahoo hat einen der bekanntesten Markennamen in der Online-Wirtschaft und mehrere hundert Millionen Onliner nutzen die verschiedenen Yahoo-Dienste intensiv.
Doch einem Spitzenmanager nach dem anderen gelang es bisher nicht, dieses Potenzial in ein wirklich profitables Geschäftswachstum umzumünzen.

Mayer trat ein schwieriges Erbe an. Ständige Kurswechsel ihrer Vorgänger hatten die Strategie verwaschen und die Belegschaft verunsichert. Im Suchmaschinen-Geschäft - Mayers Steckenpferd schon bei Google - gab die eigene Technologie auf und ist auf Jahre an Microsoft gebunden. Ihre Lösung in dieser Situation: Übernahmen und ein Ausbau des Mediengeschäfts, ähnlich wie es das andere Internet-Urgestein AOL mit dem Kauf von Websites wie "Huffington Post" oder "TechCrunch" vormachte. Dafür wurden bekannte Journalisten wie TV-Moderatorin Katie Couric oder der Gadget-Rezensent von der "New York Times", David Pogue, verpflichtet.

Milliardenschwere Abschreibungen

Die Kauf- und Medienoffensive brachte allerdings nicht die erhofften Effekte. Jetzt haben die Kritiker eine offizielle Bestätigung: Yahoo schrieb auf die Zukäufe seit 2012 rund 1,2 Milliarden Dollar ab. Im Klartext: aus der Bilanz wurden die Beträge herausgedampft, die der Konzern bei den Übernahmen zuviel bezahlt hatte. Allein bei der Blog-Plattform Tumblr, für die Yahoo 2013 eine Milliarde Dollar bezahlt hatte, wurde eine Abschreibung von 230 Millionen Dollar fällig. Insgesamt kam eine gewaltige Wertberichtigung von fast 4,5 Milliarden Dollar zusammen.

Mayer fährt nun zweigleisig: Sie verordnet Yahoo eine radikale Schlankheitskur, während gleichzeitig Kaufangebote geprüft werden sollen. "Fokus" war das Wort, das in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen über zwei Dutzend Mal fiel. Weniger Mitarbeiter, weniger Geschäftsbereiche, weniger Ausgaben: "Ein vereinfachtes Yahoo wird besseren Fokus, Ausführung und am Ende mehr Wert für die Anteilseigner bedeuten", war eines der Beispiele in typischer Manager-Wortwahl.

Branchenbeobachter haben allerdings Mayer und Yahoo trotz aller Probleme noch nicht abgeschrieben. "Trotz des Drucks von Investoren und des düsteren Ausblicks glauben wir, dass es für Yahoo nicht zu spät ist, eine Wende zu schaffen", urteilte etwa die Analysefirma IHS. Anzeigenkunden wollten eine Alternative zu den dominierenden Plattformen von und Facebook - und der Internet-Pionier habe das technologische Arsenal dafür. "Aber das neue Yahoo muss ein viel schlankeres und fokussiertes Unternehmen sein."

Bekommt Marissa Mayer Zeit für den Yahoo-Umbau?

Es bleibt allerdings die Frage, ob Mayer die Zeit für ihren neuen Umbau bekommt - oder ein Konkurrent oder Finanzinvestor die aktuelle Schwäche nutzt und die ganze Firma oder lukrative Teile kaufen will.

Hieß es von Yahoo bisher, man werde "strategische Angebote" untersuchen, weil man dazu zum Wohle der Anteilseigner verpflichtet sei, zeigt sich der Konzern jetzt offen dafür.

Allerdings werden die Konditionen für die Anteilseigner viel schlechter sein als 2008, als Microsoft für Yahoo knapp 45 Milliarden Dollar bot. Heute ist die Internet-Firma an der Börse nur noch rund 27 Milliarden Dollar wert - und davon entfallen über 23 Milliarden auf den restlichen Anteil an der chinesischen Handelsplattform Alibaba, von dem sich Yahoo trennen will.

cf/DPA

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