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Tiefe Einblicke ins Kinderzimmer

Es ist der neue Hit auf dem Schulhof: Mit der App YouNow übertragen Teenies ihr Leben live ins Netz - und verraten selbst Fremden intime Details. Doch niemand weiß, wer dabei alles zuschaut.

Von Malte Mansholt

  Eindeutige Angebote und Live-Blick ins Kinderzimmer: Viele Eltern wissen gar nicht, was ihrte Kinder bei YouNow treiben.

Eindeutige Angebote und Live-Blick ins Kinderzimmer: Viele Eltern wissen gar nicht, was ihrte Kinder bei YouNow treiben.

Dass man nicht mit Fremden sprechen soll, lernt heutzutage eigentlich jedes Kind. Dass das selbstverständlich auch im Internet gilt, ist in Zeiten sozialer Netzwerke wohl leider untergegangen. Schon zu Zeiten der Chat-Räume machten sich Eltern Sorgen darum, mit wem die eigenen Kinder da eigentlich schrieben. Heute erzählen die Teenies vor der Kamera aus ihrem Leben: live - und jeder kann zuschauen. Auch diejenigen, vor denen die Eltern die Sprösslinge eigentlich schützen wollen.

Möglich macht das die für iPhone und Android erhältliche App YouNow. Schon direkt nach dem Start zeigt sie das Live-Bild eines x-beliebigen Nutzers - ohne jede Anmeldung. Die meisten erzählen, was ihnen gerade einfällt und beantworten im Chat gestellte Fragen. Eine Anmeldung ist nur nötig, wenn man Kanäle abonnieren oder chatten will. Offiziell sollen die Nutzer der App über 13 Jahre alt sein, aber mit wenigen Minuten Suche finden sich auch deutlich jüngere Nutzer, eine Kontrolle scheint es nicht zu geben. Eines ist bereits nach wenigen Minuten deutlich: Die wenigsten Nutzer sind älter als 20 und alle sind extrem mitteilungsfreudig - gegenüber völlig Fremden.

Naive Selbstdarsteller

Erschreckend ist vor allem die Naivität der meisten Nutzer. Sie scheinen die Aufmerksamkeit zu genießen und beantworten ohne nachzudenken alle erdenklichen Fragen aus dem Chat. Vom eigenen Alter, über die Anzahl der Geschwister bis zum Wohnort. Der beim Schreiben oder der Aufzeichnung eines Videos zumindest theoretisch vorhandene Moment des Überlegens fällt weg, es zählt die schnelle Antwort. Manche erzählen etwa ausgiebig, wann sie sich wo aufhalten werden - ohne zu wissen, wer da eigentlich alles zuhört. Und Zuhörer gibt es in Massen. Manche Kanäle haben über 1000 aktive Zuschauer. Wer genau da zusieht, weiß keiner.

Potenzielle Stalker und Personen mit schlimmeren Absichten können jederzeit live ins Leben der potenziellen Opfer schauen, per Chat sind schnell die wichtigsten Informationen abgefragt. Auch sexuelle Bemerkungen finden sich zuhauf, oft ausgesprochen eindeutige. Natürlich stammt ein guter Teil auch aus der Feder anderer Teenager, trotzdem wird einem mulmig zumute, wenn im Chat zum Video einer etwa 15-Jährigen laufend der hübsche Hintern gepriesen wird.

Laut den Nutzungsbedingungen ist das Zeigen nackter Haut nicht erlaubt, eine Kontrolle ist aber praktisch unmöglich - schließlich handelt es sich um eine Live-Übertragung. Selbst wenn andere Nutzer auf die Nacktheit hinweisen, dauert es eine gewisse Zeit, bis YouNow reagieren kann. Die angedrohte nachträgliche Sperre rettet dann auch nichts mehr.

Wie sollten Eltern reagieren

Sollten Eltern bemerken, dass die eigenen Kinder YouNow nutzen, gilt es in erster Linie, das Gespräch zu suchen. Wie bei den meisten Interessen der Kinder hilft ein Verbot reichlich wenig. Vielmehr sollten die Jugendlichen ein Gefühl für die Gefahren des Mediums bekommen - und für die Grenzen. Tagesabläufe haben etwa genauso wenig in der Öffentlichkeit verloren, wie der eigene Aufenthaltsort oder der Klarname. Auch das Streamen unter Alkoholeinfluß sollte absolut tabu sein. Am besten sollte man YouNow behandeln wie ein Gespräch im Café oder der U-Bahn - dort teilt man auch nicht alles mit dem merkwürdig aussehenden Typen am Nachbartisch.

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