Das Netz macht mobil

11. April 2012, 20:43 Uhr

"Lord Abbadon", "iBlali" und "Die Aussenseiter" sind mit ihren Youtube-Videos Stars der Onlinewelt. Doch Acta, das geplante Abkommen zur Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie, könnte ihre Freiheit im Netz einschränken. Nun rufen sie zum Widerstand auf. Von Hannes Holtermann

Sie nennen sich „Lord Abbadon“, „iBlali“ oder „Die Aussenseiter“ und repräsentieren das, was die Jugend im Netz interessiert. mehr...

Auf YouTube sind sie Stars und erreichen mit ihren deutschsprachigen Videos ein Millionenpublikum. So auch die beiden Cousins Dima und Sascha. Bekannt als „DieAussenseiter“ parodieren sie Hollywoodstars, erzählen von ihren Gedanken oder ... nun ja ... stellen sich selbst zur Schau.

Video

Mit solchen lustigen Videos schafften sie es, über 750.000 Abonnenten für ihren Video-Kanal zu gewinnen. Da sind mehrere Millionen Klicks pro Film keine Seltenheit.

Auch bei YouTube-Star Lord Abbadon geht es manchmal um das leibliche Wohl...

Video

Aber nicht nur. Der Videokanal des 23-jährigen Hamburgers gleicht einem Online-Tagebuch. Fast jede Amtshandlung – so scheint es – wird mit der Kamera festgehalten, kommentiert und von seinen gut 40.000 Abonnenten verfolgt.

iBlali - ebenfalls aus Hamburg - widmet sich vorrangig unterschiedlichen Themen aus der Online- und Computerspielwelt. Aber auch das auf stets lustige und unterhaltsame Weise. Mal spielt der 20-Jährige die Computerspiele selbst und kommentiert sich dabei oder aber er sagt einfach seine Meinung.

Video

Besondere Highlights für die Fans der Video-Stars, sind die alljährlichen YouTuber-Treffen, so wie in Hamburg im vergangenen Jahr. Denn wenn Lord Abbadon, iBlali und Co. zum gemeinsamen Treffen aufrufen, dann hat es einen Hauch vom Roten Teppich: Viele kommen einfach nur, um die Jungs auch einmal in echt zu sehen und mit ihnen zu reden. Sie sind zu Stars ihrer Generation geworden. Auf der Straße werden sie erkannt, im Internet folgt man ihren Videos und Kommentaren. Dort, wo sich jeder frei austoben kann.

Diese Freiheit sehen jedoch viele YouTuber in Gefahr. Und Acta ist ihr Gegner. Bei Acta handelt es sich um das geplante Abkommen, das in der EU umgesetzt werden soll, um die Produkt- und Markenpiraterie zu bekämpfen. Damit könnte vieles von dem verschwinden, was bislang zur Netzkultur dazugehört. Bilder, Videos, Musik, Texte - alles wäre betroffen. Geschürt von dieser Angst, mobilisiert sich die Generation Internet. So auch das Kollektiv „Anonymous“...

Video

„Anonymous“ endet mit einer düsteren Aussicht, sollte Acta tatsächlich kommen.

Video

Für die YouTube-Stars ist diese Sorge Anlass zum Handeln. Sie wollen das größte Videoportal der Welt vor Veränderungen schützen und weiterhin die Freiheit haben, über alles berichten zu können. Deshalb richten sie sich gemeinsam an ihre Fans. Und welche enorme Reichweite sie mit ihren Videos haben, zeigt das Beispiel von iBlali: innerhalb von nur zwei Monaten bekommt er über 300.000 Klicks.

Video

Noch eindringlicher richtet sich Lord Abbadon an seine Gemeinde.

Video

Dass sie die Massen mobilisieren, zeigte sich in den vergangenen Monaten weltweit in vielen Städten. Auch in Hamburg protestierten Tausende gegen ACTA – Politikverdrossenheit, die der jungen Generation oft vorgeworfen wird, sieht anders aus. Sie alle wollen für ihre Rechte und Überzeugungen kämpfen, wie einst ihre Eltern gegen die Atomkraft oder für den Frieden.

Doch nicht nur auf der Straße versammeln sie sich - auch online scheint ihr Bestreben Erfolg zu zeigen. Fast 2,8 Millionen Menschen haben eine Online-Petition gegen Acta bereits unterzeichnet. Für die Politik dürfte es daher schwer sein, diese Forderungen zu ignorieren. Schließen