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Ihr wollt doch alle nur Sex!

Sex.com ist die wertvollste und umkämpfteste Internetadresse der Welt. Dennoch ist ihr Besitzer verschuldet. Die Domain wird jetzt zwangsversteigert.

Von Lutz Knappmann

So eine Verschwendung! Wer die Internetadresse www.sex.com in seinen Browser tippt, landet auf einer lieblos zusammengekleisterten Linksammlung für höchst unseriöse Erotikangebote. Eine dieser unübersichtlichen Sammelseiten, die es im Netz zu Hunderttausenden gibt, und deren Ziel nichts weiter ist, als Geld mit der Weiterleitung von Klicks auf andere Seiten zu verdienen - und den Domainnamen zu blockieren. Dabei ließe sich mit einem, nun ja, seriösen Online-Sexportal unter der naheliegendsten aller Adressen vermutlich erst recht Geld verdienen: Gut 570 Millionen Treffer liefert der Suchbegriff "Sex" bei Google. Auch wenn der Begriff "Facebook" inzwischen fast fünfmal so viele Suchtreffer generiert: Das Fleischliche ist noch immer eines der wichtigsten Motive, das Menschen ins Internet treibt.

Eine historische WWW-Adresse

Und was tippt als Erstes ein, wer im Netz nach anzüglichen Inhalten sucht? Eben! In dem 2008 erschienenen Buch "The Sex.com Chronicles" schreibt Anwalt und Autor Charles Carreon, die Website habe einem früheren Besitzer zeitweilig mindestens 15.000 Dollar pro Tag eingebracht. Das macht Sex.com zur wohl wertvollsten Webadresse der Welt. Und zur umkämpftesten. Als Gary Kremen, Gründer der Partnerbörse Match.com, die berühmteste Drei-Buchstaben-Domain 1996 registrieren ließ, geriet er in einen hollywoodtauglichen Krimi: Ein Rivale versuchte, ihm die Adresse abzuluchsen. Es ging um Urkundenfälschung und Flucht vor der Justiz, Kopfgeld und verschwundene Millionen. Im Sex-Business herrschen rauhe Sitten.

2006 kaufte schließlich die US-Firma Escom die Rotlicht-Domain und zahlte Kremen dafür angeblich 14 Millionen Dollar - finanziert durch ein Darlehen des Finanzhauses DOM Partners. Diese Schulden zahlt Escom allerdings seit gut einem Jahr nicht mehr zurück, weshalb DOM Partners nun die Zwangsversteigerung einleitet: Am 18. März wird die Domain www.sex.com an den Meistbietenden verkauft. Mindestgebot eine Million. Es gebe bereits beträchtliches Interesse, sagt Auktionator Richard Maltz. "Wir wissen nicht, wer es ernst meint und wer nicht, aber potenzielle Bieter benötigen einen garantierten Scheck über eine Millionen Dollar. Das sollte interessant werden."

FTD
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