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Das kann Apples neue Uhr

Fit ist das neue Smart: Mit der Apple Watch Series 3 zielt Apple voll auf Sportler und will die Uhr vom iPhone loseisen. Doch was können Käufer von der dritten Uhr erwarten? Wir haben sie ausprobiert.

Aus Cupertino berichtet Christoph Fröhlich

Das Auto rufen. Das Hotelzimmer aufschließen. Die Garage öffnen. Den Fahrplan checken. Alle möglichen Einsatzzwecke präsentierten Tim Cook und Kevin Lynch im Rahmen der ersten -Watch-Keynote im Herbst 2014. Man könnte sagen, das Duo war enorm stolz darauf, was mit dem kleinen Mini-Computer am Handgelenk alles möglich war. Oder sie hatten keine Ahnung, was die Leute mit so einer Uhr eigentlich genau anfangen wollen. Für letzteres spricht, dass die Apple Watch auf der Webseite als wahrer Tausendsassa angepriesen wurde. Ein klarer Fokus war kaum erkennbar.

Knapp drei Jahre später weiß man: Kaum jemand schließt sein Hotelzimmer mit der Uhr auf oder checkt damit das örtliche Kinoprogramm. Die Leute kaufen ihre Apple Watch aus zwei Gründen: Sie wollen mit Push-Benachrichtigungen auf dem Laufenden gehalten werden und sie wollen ihre Fitness optimieren. Und ab und an damit telefonieren. Von spricht dagegen kaum noch jemand, am wenigsten Apple selbst.

Die Kinderkrankheiten der ersten Generation der Apple Watch hat der Konzern mittlerweile ausgemerzt: Der Akku hält zwei bis drei Tage, Apps starten schneller, die Software wirkt aufgeräumter. Die Series 2 bekam im vergangenen Jahr ein wasserdichtes Gehäuse und einen eigenen GPS-Sensor. Mit der neu vorgestellten Apple Watch Series 3 wird der Fokus auf sportliche Aktivitäten weiter ausgebaut.


Telefonieren mit der Apple Watch - ohne iPhone

Die neue Uhr sieht im Grunde aus wie die alte. Das Display (38 und 42 Millimeter) ist immer noch quadratisch mit abgerundeten Ecken, am rechten oberen Rand befindet sich die Krone, die jetzt einen roten Punkt hat. Eine gute Nachricht für all jene, die ein kleines Vermögen in Wechsel-Armbänder investiert haben - die alten Armbänder passen immer noch.

Erst wenn man die Uhr anschaltet, sieht man die wichtigste Neuerung: Auf dem Watchface befinden sich vier kleine Punkte, die den Empfang anzeigen. Die Apple Watch Series 3 ist das erste Modell mit eigenem LTE- und UMTS-Modem. Sie kann also unabhängig vom iPhone Daten empfangen oder Anrufe tätigen. Voraussetzung dafür ist ein passender Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter, hierzulande ist zum Start nur die Telekom verfügbar. Um die nötigen Antennen in das kleine Gerät zu quetschen, mussten sich die Ingenieure einiges einfallen lassen - am Ende wurde das Display selbst zur Antenne.

Streamen statt Downloaden

Dass die Apple Watch nun eine eigene LTE-Anbindung bekommt, ist aus Apples Sicht ein logischer Schritt. Denn die Uhr hat nicht viel Speicher. Und es ist immer noch alles andere als komfortabel, Musik oder Podcasts darauf offline herunterzuladen. Mit eigener LTE-Anbindung kann die Musik gestreamt und direkt auf gekoppelten Bluetooth-Kopfhörern abgespielt werden. Dann braucht man auch für längere Joggingrunden kein mehr an den Oberarm zu schnallen.

Ein Haken: Das Ganze funktioniert derzeit ausschließlich mit Apple Music, dem hauseigenen Streamingdienst. Spotify, Tidal oder Deezer werden mangels eigener App nicht unterstützt.

Ausgestattet ist die Apple Watch Series 3 mit einem neuen Zweikern-Chip, der 70 Prozent mehr Leistung bringen soll. Durch die größere Rechenpower kann Siri künftig direkt über die Smartwatch antworten. Ein Höhenmesser ist nun ebenfalls eingebaut.

Fitness-Fokus mit watchOS 4

Auf der Apple Watch Series 3 läuft als Betriebssystem die neue Version watchOS 4. Das bietet einige neue Zifferblätter, etwa mit Kaleidoskop-Effekt oder einen winkenden Woody aus Toy Story. Am interessantesten ist das neue Siri-Watchface, das alle für den Nutzer relevanten Infos auf einen Blick zeigen soll.

Die Workout-App unterstützt nun neue Sportarten, darunter das angesagte HIIT (High Intensive Intervall Training). Hierbei powert man sich bis an die Leistungsgrenze aus, anschließend trainiert man ein paar Minuten im Schongang - nur um danach wieder Vollgas zu geben. Der im letzten Jahr eingeführte Schwimm-Workout arbeitet nun genauer. Zudem kann die Uhr nun mit vielen modernen Sportgeräten gekoppelt werden, zu den bekanntesten Herstellern zählen Technogym, Matrix, Cybex und LifeFitness.

Release am 22. September

Die Apple Watch Series 3 gibt es ab 22. September und kostet 369 Euro (38mm) oder 399 Euro (42mm). Mit LTE-Funktion (das Modell mit roter Krone) werden jeweils 80 Euro Aufpreis fällig. Die teuerste Uhr landet dann bei 469 Euro.

Die abgespeckte Series 1 - gleiches Design, dafür ohne GPS, Höhenmesser, LTE und wasserdichtes Gehäuse - gibt es ab 269 Euro (38mm) beziehungsweise 299 Euro (42mm).