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Wenn das Haus weiß, wer daheim ist

Schutz vor Einbrechern ist für viele der erste Schritt zum Smart Home. Eine Kamera ist zwar schön, doch erst mit einem Sensoren-Netzwerk wird es spannend.

Sicherheit ist für die meisten Deutschen der erste Schritt in Richtung Smart Home. Haben Alarmanlagen vor ein paar Jahren noch tausende Euro gekostet, erhält man heute eine Grundüberwachung seiner Wohnung ab 200 Euro aufwärts. Natürlich können professionelle Alarmanlagen mehr als die SmartHome-Sensoren, doch der Abstand verringert sich.

Vor allem bei den Kameras hat sich in den vergangenen beiden Jahren viel getan. Sie zeichnen nicht nur Bilder in HD auf, die meisten registrieren auch Bewegungen oder ungewöhnliche Geräusche im Haus und senden entsprechende Meldungen an das Smartphone des Besitzers. Der kann sich dann in die Kamera einloggen und ein Live-Bild empfangen oder sich die Aufzeichnung ansehen, die bei der Bewegungserkennung gestartet wurde.

Netatmo Welcome mit Gesichtserkennung

Damit man nicht pausenlos Warnmeldungen erhält, lässt sich bei einigen Kameras, wie zum Beispiel den Modellen von Samsung, festlegen, in welchem Bereich Bewegungen erkannt werden sollen. Das kann praktisch sein, wenn die Kamera etwa von Innen durch ein Fenster auf die Haustür schaut und sich nicht von der im Wind wiegenden Botanik oder Vögeln ablenken lassen soll.  Modelle wie die „Netatmo Welcome“ können gar Gesichter erkennen und lösen nur dann ein Alarm aus, wenn ein unbekanntes Gesicht vorbeiläuft. Holt also Opa den Hund aus dem Haus der Tochter, bleibt die Alarmmeldung aus – so Opa denn zuvor eingespeichert wurde.

Die Überwachung funktioniert auch bei völliger Dunkelheit meist zuverlässig. Hier beginnt sich allerdings schon die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Stärke des Infrarotlichts entscheidet darüber, wie weit man in den Raum bei Dunkelheit schauen kann. Fünf Meter sollten es schon sein. Nicht jede Kamera erreicht diesen Wert.

Von 34 bis 315 Euro: Diese Sicherheitskameras empfiehlt Stiftung Warentest
Nest Cam Outdoor

Nest Cam Outdoor

Die beste Outdoor-Cam, sagt zumindest Stiftung Warentest. Kostenpunkt: 169 Euro. Die handhabung ist "sehr gut", der Stromverbrauch ist in Ordnung, das Datensendeverhalten unkritisch. In puncto Sicherheit gibt es ein "Befriedigend". Nachteil: Der Cloud-Speicher für Videos ist nur 30 tage kostenlos, danach muss man zahlen. Gesamtnote: 2,2.


Fast wie ein Fisch - 180 Grad Sichtfeld

Wer eher kleine Räume überwachen möchte, sollte ein Kameramodell mit extremem Weitwinkel einsetzen. Normalerweise sehen SmartHome-Kameras in einem Sichtfeld von 120 Grad. Die Modelle zum Beispiel von D-Link decken 180 Grad ab. Damit das nicht wie in einem Fischaugen-Objektiv ausschaut, entzerrt ein Prozessor in der Kamera in Echtzeit das Bild.

Stichwort Echtzeit: Bei allen Kameras gibt es eine zum Teil erhebliche Verzögerung bis das aufgezeichnete Bild auf dem Smartphone erscheint, 20 Sekunden und mehr sind keine Seltenheit.  Bei Kameras mit Gegensprechanlage spricht man womöglich eine Person an, die längst den Raum wieder verlassen hat.

Wer wissen will, was vor seiner Tür oder dem Terrassenfenster vor sich geht, kann auch zu einer Außenkamera greifen. Das geht natürlich nur, soweit das heimische Wlan reicht. Denn alle Sicherheitskameras kommunizieren über den heimischen Router, ob über Wlan oder direkt über ein Netzwerkkabel.

Die Sicherheitslücken bei Smartcams

Im Anschluss an das heimische Netz und die Steuerung über das Smartphone liegen dann leider auch die größten Sicherheitsrisiken der SmartHome-Kameras. Entweder können Hacker die Kamera übernehmen und ein Blick ins Wohnzimmer werfen oder sie binden die Kamera in ein sogenanntes Bot-Netz ein. Da eine Kamera im Grunde nur ein Computer mit Linse ist, kann man mit ihr andere Netze angreifen. Das ist keine Theorie, Spionage und Übernahme sind auch mit neueren Kameramodellen vorgekommen. Häufig machen es die User selbst den Hackern einfach, indem sie voreingestellte Passwörter nicht ändern oder sehr simple Passwörter verwenden. Vor allem sehr günstige Modelle sogenannter IP-Kameras weisen bereits in der Konstruktion erhebliche Sicherheitsmängel auf. Auf einen simplen aber effektiven Trick kam der Hersteller Somfy. Er rüstete seine Kamera mit einer Sichtblende aus. Ist die Blende zur Seite geschoben, nimmt die Kamera auf, wenn nicht, ist sie garantiert blind.

Die SmartHome-Überwachungszentrale

Doch eine Kamera allein macht noch keine Alarmanlage. Wer sein Haus oder die Wohnung nahtlos überwachen möchte, sollte zu den größeren SmartHome-Lösungen greifen. Hierbei arbeiten die Kameras im Verbund mit Bewegungsmeldern sowie Sensoren für Türen und Fenster. Alle Informationen der Sensoren laufen in eine SmartHome-Zentrale zusammen, die an einem freien Netzwerksteckplatz am Router hängen muss.  Vorteil: Der User muss nur noch eine App im Auge behalten, um seine vier Wände zu überwachen. Nachteil: Man ist an einen einzigen Hersteller gebunden. Je flexibler sich so ein SmartHome-System also ausbauen lässt, desto weniger gerät man später in eine Sackgasse bei der Aufrüstung.

Bewegungsmelder wie dieser hier von Innogy lassen sich über eine SmartHome-Zentrale mit Überwachungskameras zu einem Netzwerk zusammenschalten. Auf diese Weise lässt sich ein ganzes Haus abdecken und keine Bewegung bleibt unbemerkt.

Bewegungsmelder wie dieser hier von Innogy lassen sich über eine SmartHome-Zentrale mit Überwachungskameras zu einem Netzwerk zusammenschalten. Auf diese Weise lässt sich ein ganzes Haus abdecken und keine Bewegung bleibt unbemerkt.

Ein Beispiel: Ein Fenstersensor kann nicht nur dem User melden, dass jemand das Fenster geöffnet hat. Der Sensor könnte auch an den smarten Heizkörper-Thermostaten mitteilen, dass das Fenster offen steht und die Heizung in diesem Raum besser abgestellt wird. Die SmartHome-Lösung von Innogy etwa kann so etwas. Wer diese Art der Haus-Automatisierung nicht benötigt, findet in Anbietern wie Somfy, Nest oder Gigaset  Anbieter, die sich allein auf Sicherheit beschränken.

Bei den Apps ist noch Luft nach oben

Während die Installation der Sensoren und Kameras meist einfach ist, so setzt manche App offenbar ein Grundstudium der Informatik voraus. Oft werden zu viele Optionen angeboten, in den Apps tauchen nicht selten Kaufangebote zu weiteren Sensoren auf oder man stellt plötzlich fest, dass man die Aufnahmen der Überwachungskamera nur mit einem kostenpflichten Cloud-Dienst abspeichern kann. 

Und was können die Profi-Anlagen im Vergleich zu den erheblich günstigen SmartHome-Sicherheitssystemen?  Die spielen ihre Stärken dann aus, wenn wirklich jemand ins Haus eindringt und lösen bei der Polizei oder einem Wachdienst einen stillen Alarm aus.  Die Smarten-Geräte können so etwas noch nicht.  Zwar bekommt der User eine Push-Nachricht mit Alarm-Sound auf sein Smartphone, doch darauf reagieren muss er dann allein. Manche Apps bieten eine Telefonliste an, doch wer würde seine Nachbarn schon zum Nachschauen in die Wohnung schicken wollen? Was bleibt wäre die Beweissicherung durch gute Videoaufnahmen sowie eine Tonaufzeichnung.  Aber vielleicht sorgt tatsächlich eine Gegensprechanlage bei den Einbrechern für Unruhe. Wer würde nicht erschrecken, wenn er aus dem Dunkel ein blecherndes „Hall ich sehe Sie und sie werden aufgezeichnet“ hört.