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Diesen irren Effekt kann Bar-Licht auf Getränke haben

Dass man mit dem richtigen Licht für die passende Stimmung sorgen kann, weiß jeder. Doch Lichtfarbe hat noch ganz andere Effekte - und die Falsche kann sogar den besten Wein versauern.

Zwei Weingläser stehen im gelbem Lichtschein einer Bar

Welche Temperatur ein Wein haben soll, wissen die meisten - aber welches Licht ist das richtige?

Mit Lichtfarben haben sich die meisten Deutschen wohl das erste Mal auseinandergesetzt, als es sich mit der Abschaffung der klassischen Glühbirnen im Wohnzimmer plötzlich kühl anfühlte. Seitdem ist viel passiert. Auf der Verpackung von Leuchtmitteln prangt mittlerweile selbstverständlich die Lichtfarbe. Vor allem aber kann man mit smarter Lichtsteuerungen gleich ganze Räume mit wenig Aufwand bunt einfärben. Das hat oft einen größeren Effekt als man glaubt - etwa auf den Geschmack von Getränken.

" schmeckt in blauem und rotem Licht süßer, in grünem Licht dagegen säuerlich", erklärt uns Professor Heiko Hecht. Der Wahrnehmungspsychologe untersuchte in einer Studie die Geschmacks-Wirkung des Umgebungslichts. "Uns hatte ein Winzer erzählt, dass man so den Geschmack des Weines beeinflussen kann. Wir wollten das erst gar nicht glauben - weil es dem damaligen Wissensstand widersprach." In einer Reihe von Experimenten konnte der Effekt aber klar nachgewiesen werden. Sogar, wenn die Tester die Farbe des Weines gar nicht sehen konnten.


Lichtstimmung einfach wie nie

Dass Licht unsere Stimmung beeinflusst, ist schon lange bekannt. Durch moderne Lampensysteme mit Lichtsteuerung ist es aktueller den je. Nachdem der Dimmer und einfarbige Glühbirnen Jahrzehntelang das höchste der Gefühle waren, sind die Möglichkeiten heute fast endlos. Smarte Lampen, wie etwa die des Vorreiters Philips Hue, wechseln auf Wunsch jederzeit die Farbe, können etwa den Torjubel beim Fußball visuell unterstützen oder dem Raum eine gewünschte Atmosphäre verpassen. Das Angebot wächst immer weiter, mittlerweile führt selbst Ikea smarte Leuchten.

Nur welches Licht sorgt für welchen Effekt? Die Wahrnehmung von rötlich-gelbem Licht als warme Behaglichkeit und dem Kühlschrank-Effekt von bläulichem Licht hat schon jeder wahrgenommen. Bei beiden Farben ist die Assoziation mit Feuer und Sonnenlicht sowie der Kälte der Nacht sofort nachvollziehbar. "Bei anderen Farben ist der Effekt aber deutlich weniger klar, weil sie kulturell weniger besetzt sind", erklärt Hecht. Dafür, dass der Wein bei grünem Licht sauer ist, hat er aber eine Erklärung: "Grün ist die Farbe unreifer Früchte."

Geschmacksboost statt Party-Effekt

Lange hält die Wirkung einer Lichtstimmung Hecht zufolge nicht an. "Wahrnehmung passt sich der Umgebung an. Wenn wir lange dieselbe Farbe sehen, passt sich unsere Wahrnehmung an sie an. Der Effekt verpufft." Die Lichtfarbe nutzt sich also ab. Andererseits kann man den Effekt aber auch verstärken. "Um einen sauren Wein süßer zu machen, könnte man den Raum zunächst in ein grünes Licht tauchen. Wenn sich dann alle daran gewöhnt haben, schaltet man auf Rot um und serviert den Wein. So hat man den maximalen Effekt."

Theoretisch lassen sich so ganze Menüs mit den passenden Farben aufpeppen. Wer den Licht-Effekt zuhause nachmachen möchte, muss allerdings experimentierfreudig sein. Genaue Kenntnisse, welches Licht und welches Essen harmonieren, gibt es so noch nicht - schon gar nicht für komplexe Gerichte. Doch selbst einzelne Nahrungsmittel sind eine Herausforderung. "Im Supermarkt werden verschiedene Gemüsesorten mit farbigen Folien appetitlicher gemacht, indem man die Farbe der einzelnen Gemüse verstärkt. Zuhause ist das aber schwerer umzusetzen. Man kann ja nicht einzelne Produkte beleuchten", so Hecht.

Farbe ist nicht alles

Es kommt aber nicht auf die Farbe allein an. Helligkeit und Sättigung der Lichtfarbe spielen auch eine Rolle. "Die Effekte dieser beiden Komponenten sind mindestens genauso wichtig wie der reine Farbton. Ein heller Raum wirkt freundlicher als ein dunkler. Ein Knallrot ist oft auch heller als ein blasseres Rot. Und ein Teil des Effekts, den man dem Rot zuschreibt, entsteht eben eigentlich durch die Helligkeit." Auch dass etwa das blaue Licht von Monitoren länger wachhält, hängt nach Hecht in erster Linie mit der hohen Helligkeit von blauem Licht zusammen. Wer sich abends gern in einem in schummriges Royalblau getauchten Raum entspannt, darf das also weiter tun.

Theorien, dass man in bestimmten Lichtfarben produktiver ist oder sich besser entspannen kann, sieht Hecht kritisch. "Das haben wir in einer aktuellen Studie nicht bestätigen können." Schüler hatten Aufgaben vor einem farbigen Hintergrund lösen müssen. Eine konsistente Veränderung der Leistung durch die Farbe konnten Hecht und sein Team aber nicht feststellen. Beim Lernen wie beim Entspannen gilt also nach wie vor: Jeder kann es dort am besten, wo er sich wohlfühlt. Welche Farbe das Licht dort hat, ist dann Geschmackssache.

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