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Analyse

Darum hat Apple das iPhone geschrumpft

Jeder Hersteller macht seine Geräte größer und größer - und Apple bringt plötzlich ein kleines iPhone auf den Markt. Das klingt überraschend, könnte aber ein cleverer Schachzug sein.

Sieht dem iPhone 5s zum Verwechseln ähnlich: das neue iPhone SE

Sieht dem iPhone 5s zum Verwechseln ähnlich: das neue iPhone SE

Wie sehr Apple auf Recycling steht, zeigt der Konzern nicht nur in seinen Umweltinitiativen, sondern auch mit seinen Produkten. Anders ist es nicht zu erklären, dass das neue iPhone SE, das Apple am Montagabend in Cupertino vorgestellt hat, mit seinem langgestreckten Screen und den eckigen Kanten dem iPhone 5 zum Verwechseln ähnlich sieht. Im Inneren steckt aber weitgehend die Technik des aktuellen iPhone 6s. Technik von heute trifft sozusagen auf das Design von 2012. Das ist wenig einfallsreich, für Apple ist dieser Schritt aber eine sichere Bank.

Und gleich noch eine ernüchternde Nachricht: Innovationen gibt es beim iPhone SE nicht. Keine einzige. Die einzige Besonderheit des Geräts ist das Vier-Zoll-Display, das im Vergleich zur aktuellen Generation beinahe winzig wirkt. Für Apple ist das in Zeiten von Smartphones, die schon mal so groß sind wie eine Tafel Schokolade, ein Statement. Doch kann das Mini-iPhone den Markt wieder ankurbeln? Eine Analyse zu Apples jüngstem Mini-Phone. 

iPhone SE mit aktueller Technik

Bei der technischen Ausstattung des iPhone SE hat sich Apple im Großen und Ganzen nicht lumpen lassen. Der A9-Prozessor packt locker jedes 3D-Spiel. Die 12-Megapixel-Kamera gehört zu den besten Smartphone-Knipsen, die man derzeit kaufen kann. Und ein Fingerabdruckscanner ist ebenfalls dabei. Nur das drucksensitive 3D-Touch-Display des iPhone 6s sucht man vergebens, doch das lässt sich verschmerzen - zu stiefmütterlich behandeln viele App-Entwickler die Funktion.

Bemerkenswert ist der Preis: Das iPhone SE kostet in Deutschland in der 16-Gigabyte-Version 489 Euro. In den USA landet man sogar unter der magischen Marke von 400 Dollar. So günstig gab es bislang noch kein neues iPhone. Und obwohl der Preis immer noch kein Schnäppchen ist - sehr gute Android-Geräte gibt es bereits für 300 Euro -, könnte Apple mit dem iPhone SE neue Zielgruppen gewinnen.

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Da wären zum einen die Nutzer, die zwar bereit sind, viel Geld auszugeben, sich aber dem Trend zu immer größeren Displays widersetzen. Denn selbst die meisten Android-Hersteller bieten nur abgespeckte Geräte in handlicheren Formaten. Dieses Manko hat das iPhone SE mit seinem Fokus auf aktuelle Technik weitgehend ausgemerzt.

Und obwohl die Vier-Zoll-Modelle längst nicht mehr state of the art sind, verkaufte Apple davon im vergangenen Jahr immer noch 30 Millionen Geräte, erzählte Apple-Manager Phil Schiller bei der Präsentation. Jene 30 Millionen störte das angestaubte Design offenbar nicht, insofern könnte das iPhone SE mit einer besseren Kamera und einem schnelleren Prozessor den einen oder anderen Besitzer eines älteren iPhones zum Umstieg bewegen.

Das iPhone für Schwellenländer?

Und auch in Schwellenländern wie Indien oder Regionen im Nahen Osten könnte ein Smartphone, das 250 Euro weniger kostet als das iPhone 6s, aber weitgehend dieselben technischen Daten bietet, das Wachstum ankurbeln - oder zumindest den Rückgang abbremsen. Denn nach dem erfolgreichsten Jahr in Apples iPhone-Geschichte droht dem Konzern erstmals ein Rückgang bei den Verkaufszahlen. Der Markt ist vielerorts gesättigt, das bekommt selbst Apple mit seinen milliardenschweren Werbebudgets zu spüren.

Marktanalysten sind sich uneins darüber, ob es im Jahr 2016 wirklich noch einen relevanten Markt für Vier-Zoll-Smartphones gibt. Doch wenn es ihn gibt, dürfte das iPhone SE gute Karten haben. Vor allem Smartphone-Neueinsteiger greifen statistisch gesehen häufig zu kleineren Handys.

Das iPhone SE ist ab 24. März vorbestellbar und wird ab 31. März verkauft. Das 16-Gigabyte-Modell kostet 489 Euro, das 64-Gigabyte-Modell 589 Euro.

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