Startseite

Film-Download in einer Sekunde: Das bringt der LTE-Nachfolger 5G

Auf dem Mobile World Congress ist der neue Funkstandard 5G das große Thema. Der LTE-Nachfolger ermöglicht Downloads von HD-Filmen in einer Sekunde. Doch es gibt einige Hürden.

Der LTE-Nachfolger heißt 5G

Das Smartphone aus dem Fenster halten, um Empfang zu bekommen - das wird einem in bestimmten Situationen wohl auch beim LTE-Nachfolger 5G nicht erspart bleiben.

Neben neuen Smartphones und Gadgets geht es auf dem Mobile World Congress in Barcelona auch um die zugrundeliegende Technik. Es werden neue Prozessoren gezeigt, Display-Prototypen oder Funkstandards. In diesem Jahr steht der LTE-Nachfolger 5G im Mittelpunkt. Die Mobilfunktechnik der Zukunft soll das mobile Internet deutlich flinker machen und dem sogenannten Internet der Dinge den Weg ebnen. Autos, Häuser, Kühlschränke - alle Geräte sollen künftig dank 5G miteinander vernetzt und aus der Ferne steuerbar sein. Europa wetteifert dabei mit Asien und den USA um die Vormachtstellung für die Zukunftstechnik.

Ein HD-Film in einer Sekunde

Der Mobilfunkstandard 4G (LTE) sei eine Weiterentwicklung des Vorgängers 3G (UMTS) im gleichen "Ökosystem" gewesen, mit mehr Bandbreite und schnelleren Verbindungen, sagt der Strategiechef des schwedischen Mobilfunkentwicklers Ericsson in Frankreich, Viktor Arvidsson. 5G dagegen sprenge die Grenzen des vorherigen Systems.


Das Problem: 5G steckt noch am Anfang der Entwicklung, die technischen Standards sollen erst 2020 Jahren weltweit einheitlich festgelegt werden. Bis dahin wetteifern Forschergruppen auf drei Kontinenten darum, möglichste viele ihrer Ideen in dem Standard zu verankern. Die Deutsche Telekom und Vodafone arbeiten zum Beispiel mit der Technischen Universität Dresden zusammen.

Für Verbraucher verspricht 5G zunächst deutlich schnellere Download-Geschwindigkeiten: 100 Megabit pro Sekunde sollen das Minimum der neuen Technik sein, unter optimalen Bedingungen sollen sogar bis zu 70 Gigabit pro Sekunde drin sein. Ein Film ist dann innerhalb einer Sekunde auf das Smartphone geladen - auch hochauflösende HD-Videos brauchen nur wenige Sekunden.

Aber auch auf dem Feld der virtuellen Realität ebenso wie beim Erzeugen von Hologrammen wird 5G eine Schlüsselrolle spielen. "Um Hologramme zu generieren, brauchen wir mindestens zehn Gigabit pro Sekunde, was die 4G-Technik nicht leisten kann", sagt Minsoo Na vom südkoreanischen Telekommunikationskonzern SK Telecom.

Grundlage für autonomes Fahren

Neben ultraschnellen mobilen Übertragungsgeschwindigkeiten soll mit 5G das Internet der Dinge vorangetrieben werden. Für autonomes Fahren beispielsweise ist ein neuer Mobilfunkstandard notwendig. In einem 4G-Umfeld brauche ein fahrerloses Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde rund drei Meter Reaktionsweg, um zu bremsen, sagt Mérouane Debbah von Huawei Frankreich. In einem 5G-Umfeld seien es dagegen nur wenige Zentimeter. Allerdings sei dafür eine lückenlose Netzabdeckung nötig.

Zugleich soll 5G auch Energie sparen. Bei hohem Datenvolumen verbrauchen Smartphones derzeit noch sehr viel Akkuleistung - das soll und muss sich mit der neuen Technik ändern, wenn Verbraucher etwa ultrahochauflösende Videos (UHD) auf ihrem Smartphone schauen oder Brillen für virtuelle Realität an ihr Gerät andocken. Unter der Leitung von Ericsson arbeiten derzeit 29 Unternehmen und Universitäten in Europa an Fragen rund um die Entwicklung von 5G. An dem Projekt namens Metis beteiligen sich in Deutschland unter anderem die Telekom und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH).

EU fördert 5G-Entwicklung

Die Meinungen über den Start des neuen Mobilfunkstandards 5G gehen weit auseinander. Der weltgrößte Netzwerkausrüster Ericsson erwartet frühestens in fünf Jahren die ersten Handys, die die noch in der Entwicklung steckende Technologie nutzen. Die Zahl der 5G-Nutzer weltweit dürfte dann bei 150 Millionen liegen, sagte Ericsson-Chef Hans Vestberg auf dem Mobile World Congress. Wesentlich optimistischer äußert sich der Rivale Nokia, der darauf setzt, dass die Umstellung nächstes Jahr beginnt. "5G wird - zur Überraschung einiger - schneller kommen als erwartet", sagte Nokia-Chef Rajeev Suri.

Im Wettlauf mit anderen Weltregionen treibt die Europäische Union die Entwicklung von 5G voran: Mit bis zu 700 Millionen Euro will die EU 5G fördern, der Privatsektor steuert drei Milliarden Euro bei.

Starke Konkurrenz hat Europa in Asien: Südkorea nimmt die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang für einen großen Test der Technik zum Anlass, gleiches gilt für Japan und die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. In den USA haben die Telekommunikationsriesen Verizon und AT&T erste Tests für dieses Jahr angekündigt.

cf/mit Agenturen
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools