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Apple sucht den Weg aus der iPhone-Falle

74,8 Millionen iPhones in nur drei Monaten: Apple hat mal wieder Rekordzahlen vorgelegt. Doch das Wachstum stößt an seine Grenzen. Der Konzern braucht einen Plan B, um sich aus der Abhängigkeit zu befreien.

Abhängig vom iPhone: Apple sucht einen Ausweg

Abhängig vom iPhone: Apple sucht einen Ausweg

Die Zahlen sind beeindruckend: Apple verkaufte allein im Weihnachtsquartal 74,8 Millionen iPhones, das sind neun Geräte pro Sekunde. Der Gewinn schnellte auf 18,4 Milliarden US-Dollar hoch. Ein Rekordquartal, mal wieder. Doch die Börse lässt das kalt. Die Anleger interessieren sich nicht für die Zahlen von gestern, sie blicken immer nur nach vorne. In die Zukunft. Und was sie da sehen, gefällt ihnen gar nicht: Im laufenden Quartal wird es den ersten Umsatzrückgang seit 2003 geben. "Der iPhone-Absatz wird zurückgehen", musste Apple-Chef Tim Cook zugeben. Und auch Finanzvorstand Luca Maestri räumte in einem Reuters-Interview ein: "Wir erleben jetzt langsam etwas, das wir noch nicht erlebt haben." Für Apple ist das eine Zeitenwende.

iPhone 6s kein Hit

iPhone gut, alles gut: Das ist die gegenwärtige Situation bei Apple. Zwei Drittel des Gesamtumsatzes entfallen auf das Smartphone. Das ist für den Konzern eine Gratwanderung: Erfüllt eine Generation nicht die hohen Erwartungen, macht sich das massiv in den Zahlen bemerkbar - so wie jetzt beim iPhone 6s. Berichten aus der Zuliefererkette zufolge hat Apple die Produktion im laufenden Quartal bereits um 30 Prozent gedrosselt, weil die Nachfrage geringer ausgefallen ist, als erwartet. Offiziell bestätigt hat Apple die Zahlen nie. Doch Cooks negative Prognose scheint sie zu bestätigen. Ein enormer Rückschlag für den erfolgsverwöhnten Konzern.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist das 6s nur eine verbesserte Auflage des iPhone 6, und die Zwischenjahre sorgen für weniger Buzz als eine völlig neue Smartphone-Generation. Zum anderen ist der Smartphone-Markt allmählich gesättigt, die Nachfrage steigt nur noch marginal. Und in Schwellenländern, in denen nach wie vor zweistellige Wachstumsraten erzielt werden, hat es Apple mit seinen hochpreisigen Geräten schwer gegen die Billigmodelle aus Fernost.

Apple bleibt Premium-Marke

Cook sieht das anders: Noch im Jahr 2010 hätten in China weniger als 50 Millionen Menschen zur Mittelschicht gehört, "2020 wird es eine halbe Milliarde sein", rechnete der Apple-Chef vor. "Das ist eine große Gelegenheit für uns." In Indien sei der iPhone-Absatz im vergangenen Quartal um 76 Prozent hochgesprungen.

Einen Strategiewechsel schließt Cook deshalb aus: Einem Billig-iPhone erteilte er eine klare Absage, man werde sich weiter als Premium-Marke positionieren. Das macht den Konzern aber anfällig für Währungsschwankungen und die Entwicklungen der kriselnden Weltwirtschaft.

Cooks Botschaft an die Anleger, die die Aktie in den vergangenen sechs Monaten angesichts der Wachstumssorgen um ein Fünftel fallen ließen: Apple denkt langfristig und wird sich auch durch schwächere Quartale nicht davon abbringen lassen. Cooks Position stützt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhones nicht nachgibt und zuletzt leicht auf 691 Dollar stieg. Branchenweit kostet ein Smartphone nach Schätzungen von Marktforschern im Schnitt etwas über 200 Dollar.

Genau das macht Apples riesige Profite aus. Mit nur 15 Prozent Marktanteil streicht Apple knapp 90 Prozent aller Gewinne im Smartphone-Markt ab. Die Frage, die alle Investoren umtreibt: Kann Apple mit dem iPhone 7 noch einmal einen so großen Hit landen wie mit dem iPhone 6? Oder geht es von nun an nur noch bergab?

Wege aus der iPhone-Falle gesucht

Langfristig braucht Tim Cook deshalb ein zweites Standbein, einen Plan B aus der iPhone-Falle. Doch die anderen Produkte aus Apples Portfolio können Rückgänge beim iPhone nicht ansatzweise auffangen. Die iPad-Verkäufe krachten im Weihnachtsgeschäft um ein Fünftel ein. Die angekündigte Business-Offensive mit IBM zahlt sich offenbar ebenso wenig aus wie der Start des iPad Pro, von dem sich Tim Cook viel versprochen hatte. Die Mac-Sparte bleibt relativ stabil. Das ist insofern bemerkenswert, weil die meisten anderen Laptop-Hersteller mit großen Rückgängen kämpfen. Dennoch: Umsatztreiber sind die Apple-Computer nicht.

Genaue Verkaufszahlen für die Apple Watch nannte Cook wiederholt nicht. Es gab lediglich die Information, dass der Umsatz in der Rubrik "Andere Produkte", in der sie mit den iPod-Playern und den zugekauften Beats-Kopfhörern zusammengerührt werden, um 62 Prozent auf 4,35 Milliarden Dollar zulegte. Die smarte Armbanduhr ist - ebenso wie die Streaming-Box Apple TV - bislang noch eine Wette auf die Zukunft.

Apple setzt auf Dienste

Ein Weg aus der iPhone-Abhängigkeit sollen die Services sein. Im vergangenen Jahr spülten die verschiedenen Dienste - darunter iCloud, Apple Music, der App Store, iTunes und Apple Pay - 31 Milliarden Dollar in die Kasse. Hier sehen die Apple-Verantwortlichen noch Luft nach oben, doch die Konkurrenz ist gut aufgestellt.

Langfristig will der Konzern mit Apple Music der größte Musikstreaminganbieter der Welt sein. Mit knapp zehn Millionen zahlenden Nutzern reicht man aber noch nicht an Branchenkönig Spotify heran. Den Bezahldienst Apple Pay gibt es bislang nur in wenigen Ländern, Unternehmen wie Amazon oder Microsoft haben sich bereits weite Teile des Cloud-Geschäfts unter den Nagel gerissen. Und im lukrativen Geschäft mit Streaming-Filmen und -Serien sind Amazon und Netflix längst enteilt.

Tüftelt Apple an VR-Technik?

Auch wenn das nächste große Ding noch nicht erkennbar ist: Geldsorgen hat Apple keine. Das Bargeldkonto ist mit 216 Milliarden Dollar mehr als prall gefüllt. Damit kann sich der Konzern auch teure Experimente erlauben, etwa die Entwicklung eines Apple Cars. Damit kommt der Konzern neuen Berichten zufolge aber nicht so schnell voran, wie erhofft.

Dafür brachte Cook nun ein neues Geschäftsfeld ins Spiel: Der Apple-Chef äußerte sich gegenüber den Anlegern ungewohnt positiv über die Virtual-Reality-Technologie, bei der man mit speziellen Brillen in virtuelle Welten eintauchen kann. "Ich denke nicht, dass VR in einer Nische spielt. Das ist wirklich cool." Doch auch hier wäre Apple nur Nachzügler: Oculus und HTC bringen demnächst die ersten Brille auf den Markt, Microsoft hat mit HoloLens eine ähnliche Technik in der Pipeline und Samsung hat mit der Gear VR längst eine Art Smartphone-Adapter im Handel. Im Massenmarkt konnte damit aber noch niemand punkten.

Insofern wäre der Schritt typisch für Apple: Bereits bestehende Technik aufgreifen und massenkompatibel machen. So wie es beim iPhone schon einmal geklappt hat.

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