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Das Bermuda-Dreieck der gestohlenen Smartphones

Ein Paar aus Atlanta erlebt einen Alptraum: Immer wieder klingeln Fremde an der Haustür, die ihr gestohlenes Smartphone zurückhaben wollen - das nie im Haus war. Schuld ist eine fehlerhafte Ortungs-Funktion.

iPhone Ortung

Die Ortungsfunktion des iPhones wird für viele Dienste genutzt, etwa das Rufen eines Taxis (wie hier zu sehen). Gelegentlich gibt es aber auch Ortungsfehler, die skurrile Folgen haben können.

Eine Ortungs-Software auf dem Smartphone ist eigentlich eine praktische Sache: Verliert man etwa sein Apple-Smartphone, kann man über die iCloud das Telefon in wenigen Minuten orten lassen. So weiß man schnell, ob das iPhone wieder nur mal in die Sofaritze gerutscht ist oder ob man es wirklich nach der Kneipenheimfahrt im Bus liegengelassen hat. Ähnliche Dienste gibt es auch von Samsung oder anderen Smartphone-Herstellern. Unter Umständen findet man damit sogar heraus, wo der Finder (oder Dieb) wohnt, sofern das Telefon mit dem Internet verbunden ist. Wie gesagt, eine praktische Sache - doch leider funktioniert die Ortungs-Software nicht immer so, wie es sich die Entwickler erhofften. Das zeigt der Fall eines amerikanischen Pärchens.

Fremde, die nach Smartphones suchen

Es begann im ersten Monat ihres gemeinsamen Zusammenlebens, als eine fremde Familie wütend bei Christina Lee und Michael Saba an der Tür klopfte. Sie verlangten umgehend ihr gestohlenes Smartphone zurück. Welches Smartphone, fragten sich die beiden - und die Familie zog enttäuscht von dannen. Zwei Monate später klopfte eine Gruppe von Freunden erneut an der Tür, die ebenfalls auf der Suche nach einem verlorenen Handy waren. Die Vorfälle häuften sich, in einem Monat klopfte es viermal an der Tür - mal frühmorgens, mal mitten in der Nacht in Begleitung eines Polizisten. Menschen, die auf der Suche nach ihrem gestohlenen Smartphone waren, wurden zur Routine für Lee und Saba.

Der Grund dafür: Die Ortungs-App behauptet immer wieder, dass sich die gestohlenen Telefone in ihrem Haus in einem Vorort von Atlanta befinden. Aber das sei nicht wahr, erklärt das Pärchen jedes Mal geduldig. "Es tut uns leid, dass ihr den ganzen Weg hierhergekommen seid. Das passiert oft", sagen sie. Die meisten Menschen glauben ihnen, aber ein Viertel bleibt skeptisch. Sie vertrauen eher der Technik als dem Pärchen. "Ich habe am meisten Angst davor, dass uns jemand Gefährliches oder Gewalttätiges besucht", sagt Saba dem US-Portal "Fusion", das ausführlich über den Fall berichtet hat.

Einmal stand sogar die Polizei vor der Tür, weil sich angeblich auch das Smartphone eines vermissten Mädchens in dem Haus befand. Es gab eine Hausdurchsuchung und es dauerte über eine Stunde, bis sich die Sache geklärt hatte.

Wo ist der Ortungs-Fehler?

Doch was ist der Grund für die Fehlortung? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Kurios ist, dass es sich bei den gesuchten Smartphones um mehrere Modelle verschiedener Hersteller handelt. Auch die genutzten Mobilfunkprovider unterscheiden sich. Zwischen den Geräten scheint keine Gemeinsamkeit zu bestehen.

Laut dem Sicherheitsanalysten Ken Westin funktioniert die Ortung folgendermaßen:  Zunächst werden die GPS-Daten des Satelliten ausgewertet, mit dem das Smartphone in Kontakt ist. Dann wird der Mobilfunkmast angefunkt, mit dem das Smartphone zuletzt verbunden war, danach Wlan-Netze und schließlich die genaue IP-Adresse. Westin zufolge könnte eine falsche Triangulation der Mobilfunkmasten schuld sein.

Lee und Saba nützt diese Vermutung nichts. Sie haben bei der Polizei bereits eine Beschwerde eingereicht, aber noch kein Feedback bekommen. Außerdem wollen sie die US-Netzbehörde FCC kontaktieren, um das Problem endlich aus der Welt zu schaffen. Bis dahin muss das Paar weiter wütenden Besuchern die Tür öffnen - und sich immer wieder erklären. Und hoffen, dass der Spuk eines Tages ein Ende hat.

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