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Alte Handys müssen nicht sterben

Wohin mit dem alten Handy, wenn es nicht mehr gebraucht wird? Für den Recyclinghof ist es eigentlich zu schade. Eine Münchner Firma kauft gebrauchte Mobiltelefone auf, überarbeitet sie und schickt sie weiter in die dritte Welt. Gespendet wird außerdem.

Ein Handy ist in Deutschland im Schnitt nur eineinhalb Jahre im Einsatz. Danach gibt es ein neues. Dieser Verschwendung setzt der Handy-Aufkäufer Zonzoo ein Konzept entgegen, das die Lebenszeit der Geräte auf zehn Jahre verlängern soll.

"Unser Ansatz verfolgt drei Grundsätze", erklärt Zonzoo-Gründer und Vorstandschef Colin Armstrong-Bell, "eine wirtschaftlich und finanziell vernünftige Basis, soziale Verantwortung und die umweltbewusste Verlängerung der Nutzungszyklen." Der Markt für Second-Hand-Handys sei ein großes Geschäft geworden, erklärt der schottische Unternehmer. Ihm gehe es aber um mehr als nur um den Handel mit Altgeräten.

Wer ein altes Handy abzugeben hat, kann auf der Website von Zonzoo sehen, wie viel das Unternehmen dafür zahlt. Auch nicht mehr funktionierende Geräte können eingeschickt werden, mit einem Preisabschlag von 40 Prozent.

Der Einsender bekommt dann einen Umschlag zugeschickt, um das Handy zu Zonzoo nach München zu schicken. Dort sitzen 44 Mitarbeiter, die die Geräte testen und zur Reparatur oder zum Recycling schicken. Je nach Reparaturbedarf werden die Handys nach Angaben Armstrong-Bells entweder im eigenen Betrieb erneuert oder an Partnerwerkstätten geschickt.

Die meisten Gebrauchthandys gehen nach Asien

Sobald die Handys einsatzbereit sind, werden sie verschickt und gehen direkt oder über Zwischenhändler in Entwicklungsländer - zu Preisen, die nach Angaben des Zonzoo-Chefs um acht bis zwölf Prozent über dem Einkaufspreis liegen. Die meisten Gebraucht-Handys von Zonzoo gehen in asiatische Länder wie Vietnam, Thailand oder Indien. Als weitere wichtige Abnehmerregionen nennt Armstrong-Bell Südamerika, Osteuropa und Afrika - je nach Konditionen der Zwischenhändler und der Kaufkraft im Land.

"Der Preis für ein Handy von uns ist in jedem Fall wesentlich niedriger als der für ein neues Mobiltelefon", sagt Armstrong-Bell. Das gebrauchte Handy sei für viele Käufer die erste Möglichkeit, an der modernen Kommunikation teilnehmen zu können. "Das ist mir sehr wichtig, ich will ja nicht nur ein Bananenhändler sein." Für jedes eingeschickte Handy überweist Zonzoo fünf Prozent des Ankaufpreises an eine wohltätige Organisation, die der Käufer bestimmt.

18.000 Handys am Tag angestrebt

Gestartet ist Zonzoo 2001 in Großbritannien. Wichtigster Partner war damals die Einzelhandelskette Tesco. "Dann erkannten wir, dass die Kombination von Offline- und Online-Präsenz sehr viel Potenzial bietet." Das Online-Portal wurde erst Ende Juli vergangenen Jahres eingerichtet. Gleichzeitig wurden die Ankaufspreise angehoben, um den Anreiz zu erhöhen.

"Jetzt ist die Zahl der gesammelten Telefone sehr viel größer geworden", sagt Armstrong-Bell und nennt 5.000 Geräte am Tag, aber das sei nur ein Zwischenziel. In einem halben Jahr wolle Zonzoo täglich 18.000 Handys einsammeln oder 6,5 Millionen im Jahr. In Deutschland, Großbritannien, Österreich, Spanien, Portugal, den Niederlanden und Belgien ist Zonzoo nach Angaben des Vorstandschefs direkt vertreten, in weiteren Ländern über Kooperationspartner. Vor wenigen Tagen wurde eine arabische Website von Zonzoo gestartet. Neben der Online-Präsenz soll jetzt auch verstärkt das "Shop-in-Shop"-Modell genutzt werden. Als erster "Zonzoo Point" sei eine Handy-Sammelstelle in einem Media-Markt in den Niederlanden eingerichtet worden.

Außerdem will das Unternehmen mit zurzeit insgesamt 65 Mitarbeitern und einem für 2010 angepeilten Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro auch verstärkt andere Altgeräte einsammeln, darunter digitale Kameras, Musik-Player oder Spielkonsolen. "Wir wollen eine führende grüne Marke für alle Arten von Unterhaltungselektronik werden."

Peter Zschunke/APN/APN

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