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Streit um Apples Sammelleidenschaft

Die Aufzeichnung von Ortsdaten durch Apples iPhone und iPads sorgt für Aufregung. Nutzer sind verwirrt, Datenschützer nehmen Ermittlungen auf. Nur eine Fraktion schweigt.

Von Ralf Sander

Die Aufregung ist groß: iPhones und iPads von Apple - mit dem Betriebssystem iOS 4 - speichern dauerhaft die Aufenthaltsorte ihrer Nutzer anhand von Daten aus dem Mobilfunknetz. Die IT-Experten Alasdair Allan und Pete Warden hatten auf einer Fachkonferenz gezeigt, dass diese Informationen auf den mobilen Geräten in einer versteckten Datei abgespeichert werden, die relativ einfach mit spezieller Software ("iPhone Tracker") ausgelesen werden kann. Sie fanden allerdings keine Hinweise, dass die Informationen an Apple oder andere weitergeleitet werden.

Kritik an Datenschutzrichtlinien schon älter

Das Unternehmen aus Cupertino, das gerade eine Verdoppelung seines Gewinns im vergangenen Jahr auf sechs Milliarden US-Dollar verkündet hat, schweigt zu dem Thema bisher. Allerdings hat sich Apple bereits im Juni 2010 zum Sammeln von Ortsinformationen geäußert - durch eine Änderung der Datenschutzrichtlinie. Darin gibt es seitdem folgende Passage:

Apple - vor drei Wochen übrigens als "Datenkrake" mit einem "Big Brother Award" ausgezeichnet - hat sich also die Datensammelei zumindest formal selbst erlaubt. Wie ein korrekter Umgang mit dem zahlenden Kunden erscheint dieses Vorgehen dennoch nicht. Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Club, sagte, dass sich jetzt vermutlich eine Menge von Apple-Kunden verraten vorkommen, "weil sie nicht explizit darauf hingewiesen wurden, dass ihr Telefon die ganze Zeit aufzeichnet".

Bei der Erfassung und Speicherung von Ortsangaben bestehe vor allem das Risiko, "dass das Telefon verloren geht und die Daten ausgelesen werden", sagte der CCC-Experte der Deutschen Presse-Agentur DPA. Auch könne sich ein Anderer Zugriff auf den Computer mit den Ortungsdaten verschaffen. Mit Blick auf die Strafverfolgung bestehe nun auch die Möglichkeit, dass der Computer "beschlagnahmt wird und dann die Aufenthaltsorte der letzten Jahre verfügbar und auslesbar sind, ohne dass der Benutzer davon wusste".

Datenschützer leiten Ermittlungen ein

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte der DPA: "Diese Speicherung von Standortdaten ohne Kenntnis der Betroffenen wäre nach deutschem Datenschutzrecht sicherlich nicht zulässig." Die Datenschutzbehörde Bayern - Apples deutscher Firmensitz ist in München - habe sich der Angelegenheit angenommen. "Sie recherchiert und wird Apple auch formell auffordern, diese Fakten zu klären und dazu Stellung zu nehmen. Dann wird es eine Bewertung geben, und wenn die negativ ist, wovon ich ausgehe, dann muss Apple seine Praxis ändern."

Auch das Verbraucherschutzministerium von Ilse Aigner äußerte sich kritisch. Apple müsse offenlegen, wo und wie lange und zu welchem Zweck die Daten gespeichert werden, wer Zugriff auf diese Informationen habe und wie ein unbefugter Zugriff verhindert werde. "Das heimliche Erfassen und Speichern der Standort-Daten eines Smartphones wäre ein grober Eingriff in die Privatsphäre des Nutzers", so ein Sprecher des Ministeriums.

Thomas Hoeren, Richter und Jura-Professor in Münster, hält die Ortsdatenspeicherung sogar für einen Mangel, der unter die Gewährleistung falle, sodass Kunden ihr iPhone zurückgeben können müssten. "Sensible Daten unverschlüsselt auf Geräten zu speichern, entspricht nicht dem Stand der Technik", sagte Hoeren "Spiegel Online". Wer sich ein modernes Gerät wie ein iPhone kaufe, gehe davon aus, dass der Hersteller Datensicherheit auf aktuellem Niveau anbiete, so der Medienrechtler.

Panikmache oder wichtige Diskussion?

Während sich Juristen, Datenschützer und Politiker gegen Apple in Stellung bringen, wird in der IT-Szene darüber diskutiert, dass der Fund von Allan und Warden gar nicht neu ist. Vielmehr sei die Geodaten-Sammelei in Fachkreisen schon seit einiger Zeit bekannt und von dem französischen Autors Paul Courbis im September 2010 veröffentlicht worden. Der amerikanische Software-Spezialist Alex Levinson kritisiert Allan und Warden dafür, sich als Entdecker darzustellen, schließlich habe er selbst die Funktion bereits Ende vergangenen Jahres in einem Fachbuch analysiert. Alex Olma, Betreiber von iPhone-Blog.de, findet, dass die Diskussion über Altbekanntes unnötig aufgeregt sei und schreibt: "Liebe Panikmacher, ich hasse euch!".

Doch der breiten Öffentlichkeit ist das Thema erst jetzt bewusst geworden. CCC-Sprecher Rieger bezeichnet die aufkommende Diskussion als einen "Weckruf". Die Veröffentlichung zeige, "wie wenig wir unsere Mobiltelefone unter Kontrolle haben."

Hier finden Sie einige Tipps, was Sie gegen Apples Datensammelwut tun können.

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