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Google lässt 940 Millionen Android-Nutzer im Regen stehen

Sicherheitsexperten finden mehrere schwere Schwachstellen in älteren Android-Versionen. Google weigert sich, die Lücken zu beheben - und hat möglicherweise gute Gründe dafür.

Von Malte Mansholt

  Alleine im Regen: 60 Prozent der Android-Smartphones bekommen keine Sicherheitsupfdates mehr.

Alleine im Regen: 60 Prozent der Android-Smartphones bekommen keine Sicherheitsupfdates mehr.

Android ist in Deutschland wie auch weltweit das am weitesten verbreitete Betriebssystem für Smartphones. Dabei ist ein Großteil der Geräte nicht sicher: Google unterstützt ältere Versionen nicht mehr mit Sicherheitsupdates. Und die machen längst die Mehrheit aus. Nun haben Sicherheitsexperten neue Sicherheitslücken in Android gefunden und erfahren, dass Google seit kurzem eine weitere Version nicht mehr unterstützt. Doch Google ist nicht alleine schuld an Androids Sicherheits-Desaster.

Die Sicherheitslücke betrifft die Webseiten-Darstellung der älteren Android-Versionen, das berichtet der Blog "Metasploid". Experten entdeckten verschiedene Möglichkeiten, den Browser auszutricksen und leiteten sie an Google weiter. Die erschreckende Reaktion: Da die Lücken sich nur in einer älteren Version des System finden, bietet Google keine eigenen Patches mehr für sie an. Der Konzern sei aber gerne bereit, von anderen erstellte Lösungen des Problems zu sichten. Google sieht sich also nicht mehr in der Verantwortung. Diese Haltung kommt allerdings nicht von ungefähr.

Hersteller im Zugzwang

Anders als bei Apples iPhone stellen eine ganze Reihe von Herstellern Geräte mit Googles System her. Der Suchmaschinen-Riese erlaubt ihnen, eigene Versionen der Software aufzuspielen, etwa um besondere Features bieten zu können. Das "pure" Android bekommen meist nur die Geräte aus Googles Nexus-Serie. Eine Entscheidung, die aber die Hersteller treffen - und nicht Google. Mittlerweile hat sich gezeigt: Viele Hersteller bieten nur für die teuren Premium-Geräte auch Betriebssystem-Updates an, günstigere Geräte landen hingegen oft schon mit veralteten Systemen im Handel.

So kommt es, dass gerade einmal 39 Prozent der Android-Geräte mit Android 4.4 mit dem Codenamen Kitkat laufen. Obwohl das System bereits mehr als ein Jahr alt ist. Die aktuelle Version 5.0 Lollipop hat zwei Monate nach ihrer Veröffentlichung so wenige Nutzer, dass Google selbst sie in einer aktuellen Statistik nicht einmal aufführt. Bis vor kurzem erhielten auch Geräte mit Android 4.3 noch Sicherheitsupdates, diese Praxis ist nun passé. Damit besitzen mehr als 60 Prozent der Android-Nutzer ein unsicheres Smartphone oder Tablet- das entspricht rund 940 Millionen Geräten. Ein Traum für Hacker.

Riskante Strategie

Doch vermutlich steckt Kalkül hinter Googles Vorgehen: Der Konzern hat selbst kein Interesse an der riesigen Fragmentierung seines Betriebssystems, sie sorgt bloß für verunsicherte und frustrierte Kunden. Bei Android 5.0 hat Google daher die Freiheit der Hersteller eingeschränkt, bei der Neugestaltung der Oberfläche können sie sich nicht mehr im selben Maße austoben wie früher. Möglicherweise versucht Google, ein Update der Anpassungen zu vereinfachen - und so für eine größere Verbreitung des jeweils aktuellen Systems zu sorgen. Denn dann wäre vielleicht in Zukunft eine Mehrheit der Geräte auf einem aktuellen System.

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