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Das neue Apple-Handy im Check

Das iPhone 5 ist da: Mit einem größeren Bildschirm und aufgemotztem Innenleben will Apple der Konkurrenz davoneilen. Doch wie fühlt sich das Handy an? Wir haben es ausprobiert.

Von Christoph Fröhlich, London

Apple hat am Mittwoch das iPhone 5 vorgestellt. Und wie es der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich um keinen aufgemotzten Aufguss eines alten Apple-Handys, wie es beim iPhone 4S der Fall war. Stattdessen präsentierte Apple ein völlig neues Gerät, das auf den ersten Blick aussieht wie eine zu groß geratene Version der Vorgänger. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber ein paar Überraschungen - positiver und negativer Art.

Das Herzstück des iPhone 5 ist das neue Retina-Display, das hervorragend aussieht: Mit vier Zoll gelingt Apple der Spagat zwischen einem größeren Bildschirm und einer guten Bedienbarkeit. Da das Smartphone nur in der Höhe und nicht in der Breite gewachsen ist, lässt es sich nach wie vor mit nur einer Hand bedienen. Praktisch ist der größere Bildschirm vor allem für Filme und Spiele: Die auf dem Testgerät verfügbaren Filmausschnitte sehen brillant aus und werden dank 16:9-Format ohne nervige schwarze Balken abgespielt. Die zunächst merkwürdig klingende Auflösung von 1136 mal 640 Pixeln sorgt dafür, dass auch alte Apps ohne Änderungen auf dem iPhone 5 laufen.

Passt in die Hand

Dass das iPhone 5 trotz des größeren Bildschirms angenehm in der Hand liegt, ist auf das geringere Gewicht zurückzuführen: Mit 112 Gramm ist es etwa ein Fünftel leichter als das Vorgänger-Modell und damit eines der leichtesten Smartphones überhaupt. Das dünnste Smartphone der Welt, wie Apple behauptet, ist das iPhone 5 aber nicht: Obwohl es mit 7,6 Millimetern sehr schlank ist, dürfte wohl das Ascend P1 S von Huawei mit 6,68 Millimetern den Titel für sich beanspruchen.

Sehr hochwertig ist das neue Gehäuse: Von vorne wirkt das iPhone 5 auf den ersten Blick wie ein langgezogenes iPhone 4S. Viele Änderungen zeigen sich erst bei genauerem Hinsehen, etwa die abgeschrägten Kanten an der Seite, die laut Apple diamantgeschliffen sind und im Vergleich zum Vorgänger wesentlich weicher wirken.

Runderneuert wurde die Rückseite: In der Mitte spürt man jetzt ein leicht rauhes Aluminiumgehäuse, das von zwei Glasstreifen am oberen und unteren Rand abgelöst wird. Durch eine spezielle Fertigungstechnik wirkt der Übergang zwischen diesen Teilen fast nahtlos. Wie sich das neue Gehäuse bei großer Belastung auf die Temperatur auswirkt, müssen Tests zeigen. Kurz nach Verkaufsstart des iPad 3 im März behaupteten Kritiker, dass das Tablet bei intensiver Nutzung viel zu heiß wird.

Raue Schale, neuer Kern

Doch nicht nur äußerlich hat sich das iPhone verändert, sondern auch unter der Haube: Der neue A6-Prozessor, zu dessen technischen Einzelheiten sich Apple bislang äußerst bedeckt hält, verspricht eine Verdopplung der bisherigen Rechenpower. Die ist nicht nur für das größere Display nötig, sondern kommt auch Apps wie dem neuen Kartendienst Maps zugute. So soll laut einem Apple-Mitarbeiter der 3D-Karten- und Navigationsdienst auf einem iPhone 5 spürbar schneller laufen als auf anderen Geräten. Und tatsächlich: Die neuen 3D-Ansichten von Städten werden zügig geladen, Ruckler gibt es kaum.

Ebenfalls mit an Bord sind jetzt LTE-Antennen. Anders als beim iPad 3 kommen diesmal auch deutsche Nutzer in den Genuss des ultraschnellen, mobilen Surfens - zumindest Kunden der Deutschen Telekom. Denn: Europäische Modelle des iPhone 5 unterstützen nur die Frequenz von 1800 Megahertz, die derzeit lediglich von dem rosa Netzanbieter genutzt wird. Kunden von Vodafone, O2 und E-Plus müssen sich demnach mit langsameren Internet zufrieden geben.

Vergleichsweise wenig hat sich bei der Kamera getan. Sie bietet wie auch beim iPhone 4S acht Megapixel. Obwohl einige Hersteller bereits Sensoren mit zwölf Megapixeln verbauen, hat das iPhone 5 noch immer eine der besten Handykameras, die zudem neue Features spendiert bekam. Erwähnenswert ist die neue Panorama-Funktion, die aus vielen Einzelbildern ein großes Foto mit bis zu 28 Megapixeln zusammenfügt. Dazu muss man die Kamera einfach ruhig von links nach rechts bewegen. In einem ersten Versuch klappte das problemlos, das Resultat war aber nur mäßig überzeugend. Allerdings hatte es die Kamera auch nicht leicht: Der Testraum war sehr dunkel, in der Mitte stand ein stark beleuchteter Tisch, um den sich viele Menschen tummelten. Wie sich die Panorama-Funktion im Alltag schlägt, wird ein ausführlicher Test zeigen.

Die Krux mit dem Stecker

Etwas unscheinbar, dafür umso gravierender sind die Änderungen an der Unterseite des iPhone 5: Der Kopfhöreranschluss ist an die untere linke Seite gewandert, neue Lautsprecher sollen für einen klareren Klang sorgen. Die größte Neuerung ist aber der kleinere Dock-Anschluss namens Lightning: Er ist nur noch ein Fünftel so groß wie der Vorgänger und entspricht in etwa dem Format eines Micro-USB-Steckers. Warum Apple diesen nicht als neuen Anschluss wählte, erklärt ein Mitarbeiter so: "Lightning ist nicht nur wesentlich robuster als Micro-USB, sondern kann auch nicht verkehrt herum eingesteckt werden, da Ober- und Unterseite identisch aussehen." Das mag praktisch sein - so muss man unterwegs aber wieder ein Ladegerät mehr herumschleppen.

  Die Unterseite des iPhone 5 mit dem neuen Lightning-Stecker und dem Kopfhöreranschluss

Die Unterseite des iPhone 5 mit dem neuen Lightning-Stecker und dem Kopfhöreranschluss

Der wohl bedeutendere Nebeneffekt des neuen Dock-Anschlusses: Bisher gekauftes Zubehör wie Musik-Dockingstationen oder Hüllen mit integriertem Zusatzakku ist nicht mehr kompatibel. Abhilfe schafft ein Adapter, der separat gekauft werden muss und dem iPhone 5 nicht beiliegt. Dieser ist allerdings sehr groß geraten, weshalb abzuwarten bleibt, ob das neue iPhone wirklich auf sämtliches altes Zubehör passt. Für den Adapter werden 29 Euro fällig, für die Version mit Kabel sogar 39 Euro. Neue, Lightning-kompatible Gadgets haben einige Hersteller pünktlich zum Weihnachtsfest bereits angekündigt.

Nette Dreingabe: Apple mottet die alten, weißen Kopfhörer ein und bringt mit den EarPods eine überarbeitete Version auf den Markt. Wir konnten bereits ein paar Songs probehören, einen wirklichen Klangunterschied aber nicht feststellen. Angenehm: Die neuen Ohrhörer sitzen wesentlich bequemer als die alten.

Der nächste Millionen-Hit

"Wir denken, die Kunden werden es lieben", sagt Apples Marketing-Chef Phil Schiller zum iPhone 5. Und obwohl das neue Apple-Handy keine Revolution ist - längst gibt es Telefone mit größeren Bildschirmen, schnelleren Prozessoren und hochauflösenden Kameras -, wird sich das Telefon hervorragend verkaufen. Denn das iPhone ist nicht nur ein High-Tech-Telefon, sondern vor allem auch Statusobjekt. Und dank des neuen Äußeren dürfte es auch als solches erkennbar sein. Das iPhone 5 erscheint am 21. September in Deutschland. Die Preisspanne soll sich nicht verändern, in Deutschland reicht sie ohne Mobilfunkvertrag von 579 Euro bis 879 Euro.

Lesen Sie auch bei unserem Partner macwelt.de - Praxistest - das neue iPhone 5 im Alltag.

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