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Die neuen Apple-Handys im Check

Apple hat zwei neue Smartphones vorgestellt: Das iPhone 5S und das Plastikmodell iPhone 5C. stern.de konnte die Geräte ausprobieren und sagt, was sie können und wie sie sich anfühlen.

Von Christoph Fröhlich

Es war ein turbulentes Jahr für Apple: Im August 2012 knackte der iPhone-Hersteller noch die 600-Milliarden-Dollar-Marke und wurde zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Dann kam das iPhone 5, kurz darauf das iPad Mini - und dann lange Zeit erstmal nichts.

Monatelang warteten die Technikwelt und Anleger auf das nächste große Ding aus Kalifornien. Am Dienstag war es dann so weit: Tim Cook betrat die Apple-Bühne. Und erstmals in der Geschichte zeigte der Konzern gleich zwei neue Smartphones: das neue Flaggschiff iPhone 5S und das bunte iPhone 5C. Wir haben beide Geräte ausprobiert und sagen, was die neuen iPhones können.

Auf den ersten Blick ist das iPhone 5S vom iPhone 5 nicht zu unterscheiden. Wie beim Vorgänger hat das Vier-Zoll-Display auf einer Diagonale von 10,2 Zentimetern eine Retina-Auflösung von 1136 x 640 Pixeln. Dem Trend zu deutlich größeren Bildschirmen, teils mit Full-HD-Auflösung, zeigt Apple also die kalte Schulter. Wie der Namenszusatz S vermuten lässt, hat Apple dem Top-Smartphone stattdessen ein neues Innenleben und ein paar besondere Funktionen spendiert.

Konsole für die Hosentasche

Neues iPhone, neuer Prozessor - das gilt auch in diesem Jahr. Diesmal steckt in dem Gerät ein A7-Prozessor, der als erster Smartphone-Chip überhaupt mit 64-Bit-Technologie arbeitet. "Die anderen reden noch nicht einmal davon", prahlt Apple-Manager Phil Schiller. Der neue Prozessor soll doppelt so viel Rechenpower haben wie der A6 des iPhone 5. Was mit der neuen Hardware möglich ist, demonstrierte Donald Mustard von ChAIR entertainment mit "Infinity Blade III": Die Grafik des Fantasyschnetzlers ist beeindruckend und liegt auf Augenhöhe mit modernen Konsolen. Auch das neue Betriebssystem iOS 7 läuft ohne Ruckler: Nahtlos kann man von der Kamera-App in den Browser und wieder zurück wechseln.

Neben dem Rechen- und Grafikchip gibt es ein weiteres neues Bauteil, den M7-Prozessor. Er wertet ständig Sensordaten vom Beschleunigungsmesser, Gyroskop und Kompass aus und soll dadurch eine neue Generation von Fitness-Apps ermöglichen. So könne das Gerät selbst erkennen, ob jemand steht, geht, läuft oder fährt, schwärmt Phil Schiller. Das App-Angebot dürfte zum Start aber eher mau ausfallen: Mit Nike+ Move steht derzeit nur eine Anwendung zur Verfügung, die diese Funktionen unterstützt. Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Anbieter von Fitness-Apps den M7-Chip nutzen werden.

Neue Kamera mit alter Auflösung

Die neue iSight-Kamera auf der Rückseite löst immer noch mit acht Megapixeln auf, allerdings ist sie dank einer Fünf-Elemente-Linse deutlich lichtstärker als vorher (f2.2-Blende statt f2.4). Außerdem erfasst der neue Sensor ein 15 Prozent größeres Gebiet. "Größere Pixel ergeben bessere Bilder", bringt es Tim Cook auf den Punkt und orientiert sich im Wettrennen um die meisten Megapixel an HTC, die mit dem One auch auf größere, so genannte Ultrapixel setzen.

Vor allem bei schlechten Lichtbedingungen soll das neue iPhone 5S punkten: Der Knipse steht nun ein Doppel-LED-Blitz zur Seite, einer erzeugt ein weißes, der andere ein bernsteinfarbenes Licht. Dadurch sollen Hauttöne realistischer wirken und Gelb- und Blaustiche vermieden werden. Wie gut das funktioniert, konnten wir leider nicht testen, da der Raum mit den Testgeräten sehr hell beleuchtet war.

Die Kamera-Software wurde mit iOS 7 ebenfalls überarbeitet: Es gibt nun verschiedene Effekte wie Sepia- und Schwarzweiß-Filter - Instagram lässt grüßen. Mit einem "Burst"-Modus können nun 20 Bilder in zwei Sekunden aufgenommen werden, das iPhone sucht anschließend den gelungensten Schnappschuss heraus. Das kann praktisch sein bei schnellen Motiven wie spielenden Kindern oder rennenden Tieren. Videos nimmt die Kamera in HD-Ready-Auflösung (720p) mit 120 Bildern pro Sekunde auf und ermöglicht so beeindruckende Slow-Motion-Aufnahmen.

Touch it

Schnelle Prozessoren, gute Kameras - das haben auch andere Smartphones. Eine wirkliche Neuerung ist der Fingerabdruckscanner (Touch ID), der im iPhone 5S verbaut ist. Dieser ist im Home-Button integriert und entsperrt das Telefon mit einem Fingertipp. Das Eintippen von PINs gehört damit der Vergangenheit an. Doch wie kommt der Fingerabdruck auf das Gerät? Dazu wählt der Nutzer zunächst den neuen Menüpunkt in den Einstellungen aus, anschließend wird er aufgefordert, mehrfach den Finger auf den Home-Button zu legen und ihn wieder anzuheben. In unserem Test mussten wir den Vorgang etwa zehn Mal wiederholen, bis der Fingerabdruck vollständig hinterlegt war. Das Entschlüsseln hat reibungslos geklappt, fremde Personen konnten das Gerät nicht entschlüsseln.

Laut Apple wird der Fingerabdruckscanner mit jeder Nutzung genauer. Praktisch: Besitzer eines iPhone 5S können auch andere Nutzer mit deren Abdruck im Gerät registrieren. Und: Mit dem Fingerabdruck können bequem Inhalte im iTunes- und App-Store gekauft werden. Unklar ist allerdings, wie gut der Scanner funktioniert, wenn der Finger dreckig oder gar verletzt ist.

Dass Apple solch ein Feature ausgerechnet während der weltweiten Diskussion rund um die Spionageaffäre der NSA startet, ist mutig. Damit die Nutzer der neuen Technik nicht von Anfang an misstrauisch gegenüberstehen, betont Apple, dass die Fingerabdrücke weder auf Server gelangen noch gespeichert werden und auch nicht in die Cloud hochgeladen werden. Stattdessen werden die biometrischen Daten nur verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert, keine andere Software außer dem Betriebssystem soll die Daten nutzen können.

Das iPhone 5S erscheint am 20. September in drei Farben, spacegrau, silber und - kein Witz - gold. In echt wirkt das goldene Modell aber nicht protzig, sondern edler, als es manches Bild vermuten lässt. Der Preis: 699 Euro für die 16-Gigabyte-Variante, 799 Euro für 32GB und 899 Euro für 64 GB. Das Gerät kann nicht vorbestellt werden.

Apple treibt es bunt

Das zweite neue Apple-Handy ist das iPhone 5C. Es erscheint in fünf knalligen Farben - blau, grün, pink, gelb und weiß - und hat eine Kunststoffhülle. Billig wirkt es trotzdem nicht, das glatte Kunststoffgehäuse liegt gut in der Hand und ist perfekt verarbeitet. Nichts knarkst oder wackelt. In der Plastikhülle steckt ein Metallrahmen, der für Stabilität sorgt und gleichzeitig als Antenne dient. Das Gerät ist mit 132 Gramm deutlich schwerer (Vergleich iPhone 5S: 112 Gramm) und ist 8,97 Millimeter dünn (5S: 7,6 Millimeter).

Technisch ist das 5C identisch mit dem iPhone 5, das demnächst nicht mehr verkauft wird. Es hat ein Vier-Zoll-Display mit Retina-Auflösung (1136 x 640 Pixel), einen A6-Prozessor und unterstützt das ultraschnelle mobile Internet LTE, hierzulande im Netz von Telekom und Vodafone. Das Telefon reagiert schnell, Fotos werden in Sekundenbruchteilen geknipst. Zudem hat es eine neue Facetime-HD-Kamera und einen größeren Akku. An der Ausstattung gibt es nichts zu meckern, doch die hat ihren Preis: 599 Euro kostet die kleinste Variante mit 16 Gigabyte, weit mehr als viele Experten vorab vermutet haben. Damit kostet das Kunststoff-iPhone nur 100 Euro weniger als das Flaggschiffmodell. Ein 64-Gigabyte-Modell gibt es nicht.

Mit dem Preis setzt Tim Cook ein Statement: Apple bleibt eine Luxusmarke. Der Steve-Jobs-Nachfolger verzichtet auf Millionen potenzielle Kunden in boomenden Ländern wie Indien oder China und ködert stattdessen hippe Teenager. Passend zu den knallbunten iPhones gibt es nicht minder grelle Schutzhüllen mit Löchern (29 Euro), mit denen das Apple-Handy entfernt an Crocs erinnert.

Wer auf ein günstiges, gut verarbeitetes iPhone gehofft hat, wird enttäuscht sein. Das iPhone 5C ist kein billiges iPhone, sondern nur ein buntes. Es ist Apples Antwort auf gehobene Android-Mittelklasse-Smartphones.

Viele Neuerungen, einige Enttäuschung

Zwei neue iPhones auf einem Event, das gab es noch nie. Mit einem 64-Bit-Prozessor, einer 120-FPS-Kamera und einem Fingerabdruckscanner setzt Apple auf bislang einzigartige Technologie im Smartphonebereich. Trotzdem haben sich viele Hoffnungen der Fans nicht erfüllt: Eine 128-Gigabyte-Version des iPhone 5S wird es nicht geben. Die Nahfunktechnik NFC, mit der Dateien drahtlos übertragen werden können, fehlt weiterhin. Der Akku ist nur minimal besser geworden, das Gehäuse besteht nicht aus kratzfestem Metall. Während Konkurrenzgeräte längst Fünf-Zoll-Displays haben, bleibt der Bildschirm des iPhones so groß wie zuvor.

Im kommenden Frühjahr wird die Android-Konkurrenz, allen voran Samsung, nachlegen. Apple wird vermutlich erst im Herbst 2014 ein neues, möglicherweise größeres iPhone vorstellen. Es könnte ein schweres Jahr für den einstigen Weltmarktführer werden.

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