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So wird das iPhone zur brillanten Kamera

Sie soll das iPhone so gut wie eine Spiegelreflexkamera machen: Die DXO One ist eine Aufsteckkamera fürs Handy. Wir haben sie eine Woche auf der Wiesn getestet - mit erstaunlichem Ergebnis.

DXO One

Lässt sich einfach aufs iPhone aufstecken: die DXO One.

Hoch den Selfiestick: Im Hofbräu-Festzelt fotografieren Amerikaner in Lederhosen sich selbst. Aus jedem "Prosit der Gemütlichkeit" wird ein Erinnerungsfoto für Zuhause. Nirgendwo in München werden derzeit wohl mehr Fotos gemacht als auf dem Oktoberfest. Doch richtig gut werden die Bilder der Handykameras meist nicht. Sie bieten oft viel zu wenig Tiefenschärfe, sind wenig plastisch und vor allem bei schummrigem Licht kommen sie an ihre Grenzen. Aber wer hat schon Lust, immer eine große Spiegelreflexkamera mit sich zu schleppen? Die DXO One soll die kleine Alternative sein.

Die Aufsteckkamera fürs iPhone ist kleiner als eine Zigarettenschachtel, hat jedoch einen Ein-Zoll-Fotochip eingebaut. Derart große Bildsensoren kommen sonst nur in Kompaktkameras zum Einsatz, nicht aber in Handys. Die Auflösung von 20,2 Megapixel schlägt ebenfalls jede Handykamera. So kann die DXO One mehr Licht aufnehmen und liefert eine bessere Fotoqualität. Doch kommt sie wirklich an die Qualitäten einer Spiegelreflexkamera heran?

Aufsteckkamera fürs iPhone: So sieht das Oktoberfest mit der DXO One aus
Oktoberfest

Schön zu erkennen: Die DXO One lässt die Person im Vordergrund scharf, während der Hintergrund in Unschärfe rückt. So entsteht ein schöner Tiefeneffekt. Wahlweise kann natürlich auch der Hintergrund scharf gestellt werden.

Die DXO One passt in die Lederhose

Handlicher ist sie allemal. Auf dem Oktoberfest passt sie sogar in die Lederhose. Ist sie nicht gerade im Einsatz und die Maß in der Hand, kann sie so bequem und sicher dort verschwinden. Aufgebaut ist sie ebenfalls schnell - sogar mit einer Hand. Mit einer Bewegung wird die Klappe des Objektivs nach unten gefahren, dabei klappt auch der Stecker für den Lightning-Anschluss des iPhones aus. Ein Problem kann allerdings eine eventuell vorhandene iPhone-Hülle sein - nicht an alle passt die Minikamera. Dann hilft nur Hülle tauschen oder abnehmen. Einmal daran angestöpselt öffnet sich eine spezielle Fotoapp, mit der das Handydisplay zum Sucher wird. Und schon kann's losgehen. 

Im Schützenfestzelt soll die DXO One zeigen, was sie kann. Zu "Atemlos" von Helene Fischer stehen die meisten Besucher schon auf den Bänken. Klick, klick, klick. Als Auslöser dient entweder der Knopf an der Kamera oder ein Button im Display. Dank ihres geringen Gewichts wäre die DXO One zwar auch mit einer Hand bedienbar, doch die Gefahr, dass das Handy aus Versehen vom Stecker fällt, ist zu groß - vor allem weil die Hülle ab ist. Also lieber zwei Hände an Handy und DXO One, dann wackelt es auch nicht. Auch Bilder ohne das Handy sind übrigens möglich, dann gibt es allerdings keinen Sucher.

Oktoberfest

Die Wiesn von oben: Mit der DXO One gelingen hervorragende Nachtaufnahmen.

Die DXO One liefert auch bei Nacht brillante Bilder

Das Ergebnis beeindruckt. Die kompakte Kamera liefert eine erstaunliche Tiefenschärfe - viel besser als bei iPhones eingebauter Handycam. So können die Gesichter scharf gestellt werden, während der Hintergrund schön verschwimmt. In der App lassen sich  mehrere Fotoprogramme wählen - zum Beispiel für Porträt-, Landschafts-, Nacht- und Sportaufnahmen - doch in unserem Test steht die Kamera meist auf Auto. Für Belichtungszeiten von bis zu zwei Sekunden wäre ohnehin ein Stativ nötig - auf einer Bierbank, auf der alle mitklatschen, klappt es jedenfalls nicht.

Richtig zeigen, was sie drauf hat, kann die DXO One dann beim Verlassen des Schützenfestzelts. Die bunten Lichter der Theresienwiese und die Fahrt im Riesenrad fängt sie bravourös ein. Selten sind Bildwackler drin und auch mit den schwierigen Lichtverhältnissen kommt die Aufsteckkamera gut klar. Besonders mit Personen im Bild macht die DXO One sehr schöne plastische Bilder. Diese können mit der mitgelieferten Fotosoftware zusätzlich am heimischen Rechner aufgepimpt werden.

DXO One

Gut zu erkennen: die Steckverbindung für den Apple iPhone-Anschluss.

Akku gibt schon nach drei Stunden auf

Nach drei Stunden Knipsen zeigt sie allerdings auch ihre größte Schwäche: der Akku der Kamera ist fast alle und lässt sich auch nicht mit dem Handyakku aufladen, sondern muss an den Rechner. Zudem zieht sie auch beim Handy viel Strom, da meist das Display mitläuft. Dass sie zudem schon nach wenigen Sekunden in den Ruhemodus schaltet, nervt - lässt sich aber in den Menüeinstellungen beheben.

Auffallen tut die DXO One trotz ihres Miniformats allemal. Noch nie wurden wir auf dem Oktoberfest so oft angesprochen. Alle, denen wir daraufhin Fotos der Kamera zeigten, waren sofort begeistert. Diese Begeisterung verflog allerdings schnell beim Preis. Die DXO One soll am 1. Oktober zu Preisen ab 599 Euro in den Handel kommen. Für so viel Geld gibt es auch schon eine kleine Spiegelreflexkamera.

Fazit:

Wer sowieso gerne fotografiert, braucht die DXO One nicht und sollte sich lieber eine Kompaktkamera anschaffen. Für alle, die aber nur noch mit dem Handy Bilder machen, ist sie eine echte Bereicherung. Handykameras waren noch nie so gut wie mit der DXO One. Die Akkulaufzeit ist verbesserungswürdig, auch dass die Kamera nur vom Lighningstecker gehalten wird ist gewöhnungsbedürftig und macht das Handling etwas fragil. Leider fehlt eine Version für Android-Systeme, nur Apple-Nutze mit Lightning-Stecker kommen in den Genuss der scharfen Bilder. An eine Spiegelreflexkamera - wie vom Hersteller versprochen - kommt sie allerdings nicht heran.

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