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Gefühl gegen Vernunft?

Millionen haben Apples erstes Handy auf Bildern bewundert. Nur wenige Journalisten konnten das iPhone ausprobieren. Sie berichteten von einem guten Gefühl. Im Innern des Geräts wittern Kritiker allerdings Altbekanntes - und vermissen vieles.

Von Ralf Sander

Die ersten Begeisterungsstürme nach der Präsentation von Apples erstem Handy haben sich gelegt, es ist wieder Platz im Kopf für Fragen: Wie fühlt sich das Gerät wohl an? Ist wirklich alles Gold an diesem glänzenden Handy? Einige wenige Journalisten konnten das iPhone kurz ausprobieren und haben ihre ersten Eindrücke aufgeschrieben. Andere Experten versuchen, hinter die Apple-typisch edle Oberfläche zu blicken, um herauszufinden, wie das Gerät im Vergleich mit Mitbewerbern dasteht - so weit sich das vier Monate vor dem Marktstart im Juni sagen lässt. Aus diesen Puzzleteilen ergibt sich ein Bild mit viel Licht - und Schatten.

Positiv: das Design

Schon die Bilder lassen es erahnen: das iPhone ist eine Schönheit. Und so ist Walter S. Mossberg vom Wall Street Journal, einer der einflussreichsten IT-Kolumnisten der USA, euphorisch, wenn er seine erste Begegnung mit dem Telefon beschreibt: "Es hat den größten und schönsten Bildschirm, den ich je an einem Mobiltelefon gesehen habe, und das, obwohl es so dünn ist." Er schwärmt weiter von der Schönheit des Mail-Programms und des Webbrowsers. Und: "Es fühlte sich großartig an." Der andere wichtige Technikkolumnist der USA, David Pogue von der New York Times (NYT), schlägt in die gleiche Kerbe: "Seine Oberfläche ist glänzend schwarz, eingefasst von spiegelndem rostfreiem Stahl." Ein mit den Fingern zu bedienender Touchscreen wird schnell schmierig, das hat auch Pogue beobachtet. Aber: "Das sieht man nur, wenn das Display abgeschaltet ist. Das Gerät, mit dem ich herumgespielt habe, war ziemlich schmutzig. Mit meinem Ärmel ließ es sich aber komplett sauber wischen".

Positiv: das Interface

Apple ist bekannt für intuitive Bedienoberflächen und scheint beim iPhone einen weiteren Volltreffer gelandet zu haben. NYT-Mann Pogue ist ganz verliebt in die Fingerbedienung. Über die Bedienung der Songlisten des eingebauten iPods jubelt er: "Man wischt mit dem Finger über das Glas und die Liste läuft durch, wobei die Geschwindigkeit davon abhängt, wie schnell man gewischt hat. Der Scrollvorgang wird immer langsamer, bis er ganz stoppt. Dieser Effekt ist spektakulär und praktisch, denn so erkennt man, wo man sich in der Liste gerade befindet und ob man noch einmal wischen muss." Dieses Prinzip funktioniert auch bei Fotos oder Albumcover. Ein ungewöhnliches Feature der Fingerbedienung heißt Multitouch und wird vom deutschen Fachmagazin "Connect" so beschrieben: "Zum Vergrößern eines Bildes etwa genügt es, zwei Finger auf dem gehärteten Glas des Displays zu spreizen. Das Scrollen und Zoomen über den Touchscreen klappte im Test sehr gut." Auch Pogue war begeistert von diesem Fingerzoom: "Die Seite wächst oder schrumpft in Echtzeit, als wäre sie auf einen Lappen aus Gummi gedruckt. Das funktioniert auch mit Fotos und ist echt abgefahren."

Negativ: Andere können mehr

Design und ein gutes Gefühl bei der Bedienung sind sehr wichtige, aber nicht allein selig machende Eigenschaften eines guten Geräts. Verschiedene Aspekte des iPhone rufen Kritik hervor. In den USA ist besonders die Bindung an den größten Mobilfunkanbieter Cellular umstritten. Wie es in Europa aussehen wird, ist noch offen. "Die Unternehmen werden sich alle darum bemühen, das Apple-Handy zu vermarkten", hieß es laut einer Meldung der Deutschen Presseagentur in Branchenkreisen. Allerdings werde es in Europa wohl anders als in den USA keine exklusive Vertriebspartnerschaft geben, da der europäische Markt über andere Mechanismen verfüge. So werden Mobiltelefone - oft mit hohen Subventionen - direkt von den Mobilfunkanbietern vertrieben.

Unabhängig von der Providerbindung und dem hohen Preis (500 oder 600 Dollar, je nach Speicherplatz) sind viele Experten wenig beeindruckt vom Funktionsumfang des Telefons. Musikplayer, Internet- und Organizerfunktionen, eine Fotokamera und natürlich Telefonie - "die Ausstattung entspricht dem, was man von Nokias N-Serie-Geräten bereits kennt", kommentiert "Connect". Doch damit genug, verschiedene Schwächen haben Kritiker beim iPhone bereits ausgemacht, ohne es ausgiebig getestet zu haben:

- Die eingebaute Kamera ist nicht zeitgemäß: 2 Megapixel sind auch bei Handys inzwischen zu wenig. Außerdem fehlen Zoom, Blitz bzw. Fotolicht und eine Videofunktion.

- Musikdownloads über das Handynetz sind zurzeit nicht vorgesehen. Um das iPhone mit Musik zu füttern, ist zwingend ein Computer mit iTunes vonnöten. Klassische Handy-Hersteller wie Nokia, Sony Ericsson und Motorola sind bei diesem Thema schon weiter.

- Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung per UMTS oder HSDPA ist bisher nicht vorgesehen.

- Für exzessives Mail-Schreiben ist die eingeblendete Touchscreen-Tastatur nicht schnell genug. Business-Nutzer könnten ein echtes Keyboard bevorzugen. "iPhone ist kein Blackberry-Killer", stellt David Pogue von der New York Times fest.

Negativ: Apple igelt sich ein

- Das iPhone ist für die Verbindung mit Apple-Rechnern, auf denen das Betriebssystem Max OS X läuft, optimiert. Das Handy lässt sich auch an Windows-PCs anschließen und kann Adressen und Kontakte austauschen. Von einer Synchronisation mit Outlook ist aber zurzeit noch nicht die Rede, ebenso kann das iPhone wohl keine Office-Dokumente öffnen.

- Um das iPhone mit Musik zu versorgen, ist iTunes unverzichtbar. Nicht gut, findet Andrew Kantor, Technikexperte von USA Today: "Auch wenn Apple-Fanatiker etwas anderes sagen: Dieses Produkt ist überladen mit Problemen. Deswegen benutzen so viele Alternativen wie Rockbox."

- Zum jetzigen Zeitpunkt lässt Apple nicht zu, dass Fremdfirmen Software für das iPhone entwickeln.

- Der Akku lässt sich nicht auswechseln. Schwächelt die Batterie, muss das Gerät zur Reparatur eingeschickt werden. "Nach all dem Ärger, den Apple mit seinen iPod-Batterien hatte - inklusive einer Sammelklage - würde man erwarten, diesmal könne man die Akkus wechseln. Fehlanzeige", wundert sich Kantor.

Das dauert noch...

Die ersten iPhones werden erst im Juni ausgeliefert. Einiges kann sich noch ändern, zum Positiven und zum Negativen. Bedenkenswert ist auch, was Andrew Merrett in seinem Blog Tech Digest schrieb: "Mehr als fünf Monate bis zum US-Start, fast ein Jahr bis zur Auslieferung in Europa - das wird zu Hype und unerfüllbaren Erwartungen führen. Alles kann auf Apple zurückfallen, wenn es nicht gelingt, die Nachfrage zu befriedigen, oder wenn das erste iPhone nicht in der Lage ist, der Aufregung gerecht zu werden, die bis dahin im Internet zirkulieren wird."

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