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Google verliert Kontrolle über Android

Es gibt 500 Millionen Android-Geräte, täglich kommen 1,3 Millionen neue dazu. Dennoch hat Google ein großes Problem: Viele Hersteller schaffen es nicht, ihre Handys auf dem neuesten Stand zu halten.

Von Arndt Ohler

Selbst die Google-Tochter Motorola schafft es nicht, die eigenen Geräte rechtzeitig mit der neuesten Android-Version auszustatten

Selbst die Google-Tochter Motorola schafft es nicht, die eigenen Geräte rechtzeitig mit der neuesten Android-Version auszustatten

Für die Entwickler war die Zeit wohl zu knapp. Um noch vor Apples Präsentation des neuen iPhone am 12. September neue Telefone zeigen zu können, quetschte Motorola Mobility die Produktpräsentation wie Samsung, Nokia und Amazon in die ersten Septembertage. Die Eile könnte ein Fehler gewesen sein: Zwar weiß die Welt seit Mittwochabend, wie die neuen Droid-Razr-Handys der Google-Tochter aussehen. Die Welt weiß aber ebenso: Google hat ein Problem. Denn die drei neuen Telefone laufen mit veralteter Software. Die neueste Android-Version namens Jelly Bean hat es nicht auf die Handys geschafft. Sie soll bis Ende 2012 als Aktualisierung verfügbar sein, so der Konzern.

Veraltete Android-Handys

Dass es Google nicht schafft, die aktuellste Software bei seiner für 12,5 Milliarden Dollar übernommenen Tochter unterzubringen, ist weit mehr als ein Schönheitsfehler. Es ist ein prominenter Beleg dafür, dass Google nicht genügend Kontrolle über die Software hat.

Und das sorgt für Ärger. Entwickler von Handyzusatzprogrammen stöhnen, dass es schwer ist, Spiele oder andere Apps auf Android-Geräte anzupassen. Denn jede Softwareversion reagiert etwas anders und in Kombination mit den vielen Geräten entsteht eine große Zahl an Varianten, die abgedeckt werden muss. 57 Prozent der Android-Geräte laufen mit der eineinhalb Jahre alten Version Gingerbread, nicht mit den Nachfolgern wie Ice Cream Sandwich oder eben Jelly Bean.

Android-Nutzer geben im Gegenzug im Schnitt weniger Geld für Apps aus als iPhone-Käufer, surfen weniger mit mobilen Browsern und sind gefährdeter, Opfer von abgekupferten Diensten oder Schadsoftware zu werden. Anders als bei Apple durchlaufen Android-Apps in Googles App-Store keinen Genehmigungsprozess.

500 Millionen Android-Geräte weltweit

Das passt nicht in Googles Pläne. Der Webkonzern setzt darauf, durch die kostenlose Handysoftware sein Geschäftsmodell ins mobile Internet zu verlängern. Mit Werbung auf Handys sowie der Umsatzbeteiligung bei verkauften Apps will der Konzern Milliarden verdienen. Grundlage ist die weite Verbreitung des Betriebssystems. Mit knapp 500 Millionen Android-Geräten hat Google eine enorme Reichweite aufgebaut. Und jeden Tag werden weitere 1,3 Millionen Geräte aktiviert. Zum Vergleich: Apple hat nach eigenen Angaben bis Ende März dieses Jahres 365 Millionen Handys und Tablet-Rechner verkauft. Im Handygeschäft kommt Android laut Marktforscher Gartner auf einen Marktanteil von 64 Prozent - Apple auf knapp 19 Prozent.

Bei Konkurrent Apple zeichnen sich ähnliche Probleme ab. Apple-Kunden aktualisieren ihre Geräte schneller als Android-Nutzer, aber seit Längerem unterstützen ältere iPhones nicht mehr alle Funktionen der Software. Die App-Entwickler müssen ebenfalls verschiedene Varianten abdecken, doch zumindest hat Apple die Hardware unter Kontrolle.

Opfer des Smartphone-Booms

Bei der so wichtigen Vereinheitlichung der Android-Software ist kaum Besserung in Sicht. Im Gegenteil. Selbst Motorola hat den neuen Handys eine zusätzliche Benutzerführung verpasst. Amazon nutzt bei seinem Tablet-PC Kindle Fire ebenfalls Android, aber eine stark veränderte Version. Bei den neuen Geräten, die Amazon am Donnerstagabend vorstellen will, dürfte dies wieder so sein.

Google ist in gewisser Weise Opfer des Smartphone-Booms geworden. Um die Nachfrage, in Ländern wie China, Indien und Afrika zu befriedigen, bauen Anbieter wie ZTE preiswerte Android-Smartphones. Die Telefone mit meist einfacheren und günstigeren Prozessoren laufen besser mit älteren Versionen. Daher ist bereits klar, dass der Wust aus Android-Versionen vorerst bestehen bleiben wird.

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